Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Tirol

Plasmaspende: Mit Blut zum Medikament

Die Plasmaspendezentren rufen diese Woche dringend zur Spende auf. Österreich ist zwar reichlich mit Spenderplasma versorgt, doch der Bedarf an Plasma-Arzneien wächst.

© iStockDie Bedingungen, um Plasma spenden zu können, entsprechen weitestgehend jenen, die auch für das Blutspenden gelten.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Wer sein Blutplasma hergibt, bekommt eine Aufwandsentschädigung, Vielspendern winken Bonusprogramme. Damit versuchen Plasmaspendezentren wie BioLife in Innsbruck, die Menschen zu motivieren und Stammspender zu gewinnen. Derzeit läuft die Internationale Aktionswoche Plasmaspende. Die „Plasma Protein Therapeutics Association“ – sie vertritt die Plasmaproteintherapie-Hersteller weltweit – und die „IG Plasma“, ein Zusammenschluss der Hersteller in Österreich, rufen dieser Tage mit dem Appell „Lebensretter dringend gesucht“ heuer bereits zum fünften Mal zum Spenden auf.

Dabei gibt es in Österreich ausreichend Blutplasma, ja sogar einen kleinen Überschuss, wie Matthias Gessner schildert. Er leitet BioLife Österreich, das zur Shire-Gruppe gehört und sieben der 17 Zentren im Land unterhält.

„In Europa und global haben wir aber bei Weitem nicht genug. Es gibt Länder mit einem starken Mangel“, so Gessner. Die Plasmaspende ist in Österreich seit Langem etabliert. Immerhin hat Wien bereits 1964 mit der Eröffnung des ersten Plasmaspendezentrums in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen.

Blut besteht zu 40 Prozent aus Blutzellen und zu 60 Prozent aus Plasma (Foto), in dem wichtige Eiweiße, Salze und Hormone schwimmen.
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Plasma, das Spendern etwa in Innsbruck abgezapft wird, kommt nach einem ersten Test auf mögliche Infektionskrankheiten gleich in den Tiefkühler, wo es auf unter minus 20 Grad gefroren wird.

Ein Kühl-Laster bringt es dann nach Wien, wo es weiter getestet, aufgereinigt bzw. fraktioniert wird. Das heißt, dass die einzelnen Bestandteile herausgefiltert und in konzentrierter Form in Spritzen oder Infusionen abgefüllt werden. Mehr als zwei Millionen Liter verarbeitet Shire pro Jahr in Wien auf diese Weise.

Doch wozu braucht man das Blutplasma, das zu 90 Prozent aus Wasser besteht, überhaupt? Während die Blutspendeaktion hauptsächlich auf die roten Blutzellen für Transfusionen bei Operationen abzielt, geht es bei der Plasmaspende um wichtige Proteine, die im Saft des Lebens schwimmen.

Diese werden dem Spender mit dem Plasma in einer etwa einstündigen Prozedur abgenommen, die Blutzellen wieder zurück in den Körper geleitet. Albumin bekommen z. B. Patienten mit schweren Verletzungen und nach Operationen, um ihren Kreislauf zu stabilisieren. Immunglobuline werden bei angeborenen Immundefekten, Autoimmunkrankheiten und chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems benötigt, aber auch oft nach Chemo- und Strahlentherapien. Hämophilie-Patienten (Bluter) sind wiederum regelmäßig auf Gerinnungsfaktoren angewiesen, die verhindern, dass sie verbluten.

„Relativ viele Betroffene sind in unterschiedlicher Frequenz lebenslang auf Spenderplasma angewiesen“, sagt Gessner. Die Erklärung: Das verabreichte Blutprodukt wird im Rahmen des Stoffwechsels wieder abgebaut, der Körper von Patienten mit seltenen Erbkrankheiten ist aber nicht in der Lage, selbst gesunde Proteine nachzuproduzieren. Zwar sei es mittlerweile möglich, Gerinnungsfaktoren (z. B. Faktor VIII und IX) gentechnisch herzustellen. Bei Immunglobulinen gelinge das aufgrund ihres komplexen Aufbaus aber noch nicht.

„Der Bedarf an Plasmaprodukten wird zudem immer größer“, sagt Gessner. Der Grund dafür ist eigentlich positiv. Durch den medizinischen Fortschritt erhalten immer mehr Patienten, die an seltenen Erkrankungen leiden, eine Diagnose. Manchen davon kann mit Spenderplasma geholfen werden.

Die Bedingungen, um spenden zu können, entsprechen weitestgehend jenen, die auch für das Blutspenden gelten. Man muss bei der Erstspende mindestens 18 und höchstens 60 Jahre alt sein und 50 Kilo wiegen. Bevor jemand zugelassen wird, ist eine ärztliche Kontrolle fällig.