Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.10.2017


Exklusiv

Die Heizsaison beginnt: Hausbrand sorgt für dicke Luft

Mit der kalten Jahreszeit beginnt auch wieder die Heizsaison. Unsachgemäßes Heizen verqualmt nicht nur ganze Dörfer und Stadtteile, sondern setzt außerdem gesundheitsschädigende Luftschadstoffe frei.

© iStock/Grzegorz PolakWenn im Winter der dichte dunkle Rauch aufgeht, ist das meist ein Zeichen für falsches Heizen mit Holz. - Symbolfoto.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Ein kurzes Stoßlüften mindesten dreimal am Tag, auch wenn die Außentemperaturen nicht unbedingt dazu einladen – gerade in der kalte Jahreszeit empfehlen Gesundheitsexperten, für einen regelmäßigen Austausch der Raumluft zu sorgen. Immerhin wird damit nicht nur der Schimmelbildung vorgebeugt, sondern auch die Luftqualität in den Zimmern deutlich erhöht: Frischer Sauerstoff gelangt in den Raum, die schlechte verbrauchte und CO2-haltige Luft entweicht. Doch ausgerechnet in der kalten Jahreszeit ist es in den Städten und Dörfern nicht immer gerade rosig um die Außenluft bestellt. Vor allem dann, wenn falsch geheizt wird und aus den Schornsteinen dichter dunkler Rauch qualmt und sich über die Nachbarschaft legt. Ans Lüften ist dann nicht mehr zu denken, will man sein Zuhause nicht in eine Selchkammer verwandeln.

Dunkler Rauch und beißender Gestank sind allerdings keinesfalls Nebenprodukte des Heizens, die in Kauf genommen werden müssen. Vielmehr sind sie Zeichen dafür, dass entweder der Ofen veraltet oder schlecht gewartet ist oder schlichtweg falsch eingeschürt wird. Denn meist sind es Holzöfen, die in der kalten Jahreszeit die Gegend verqualmen. Beim Land Tirol hat man die Folgen des falschen Heizens längst erkannt und betreibt gemeinsam mit der Energie Tirol auf Webseiten und mit Info-Foldern Sensibilisierungskampagnen. Immerhin gibt es in Tirol rund 100.000 händisch beschickte Einzel- und Kaminöfen, Kachelöfen oder Herde – also in rund jedem dritten Haushalt. Der Trend zum Heizen mit Holz hält an, wie aus den Zahlen des Österreichischen Biomasse-Verbandes hervorgeht: So hat in Tirol in der Heizsaison 2015/2016 Holz bei den Einzelfeuerungen erstmals Heizöl abgelöst, die Anzahl der Ölheizungen ging um 13.000 Stück zurück (minus zwölf Prozent), während 6000 Holzheizungen (plus neun Prozent) als Hauptheizsystem neu installiert wurden. Während moderne und gut gewartete Anlagen weitestgehend schadstoffarm verbrennen, sorgen alte Öfen in der kalten Jahreszeit regelmäßig für dicke Luft. So ist der Hausbrand im Winter neben dem Verkehr und der Industrie der dritte große Feinstaubverursacher.

Doch wie sollte man sich richtig verhalten, wenn der Nachbar regelmäßig den Rauch aufgehen lässt? In einem eigenen Leitfaden empfiehlt das Umweltministerium, zunächst das Gespräch mit dem Verursacher zu suchen. Verläuft dieser Versuch erfolglos, so sind die nächsten zuständigen Anlaufstellen der Magistrat oder das Gemeindeamt. Dort wird man ebenfalls in einer ersten Maßnahme bemüht sein, das Problem auf informeller Ebene zu lösen. Ändert sich dann nichts am Heizverhalten oder an der Rauchentwicklung, so kann ein schriftlicher Antrag auf Überprüfung der betroffenen Kleinfeueranlage und auf Unterlassung der Belästigung an den Bürgermeister bzw. den Magistrat gestellt werden. Um dem Antrag Nachdruck zu verleihen, rät das Umweltministerium dazu, diesen auch an den Gemeinderat zu richten. Bei einem Lokalaugenschein im Auftrag der Gemeinde kann ein Sachverständiger – in der Regel ein Rauchfangkehrer – anhand eines Ascheschnelltests feststellen, ob unzulässige Brennstoffe eingeschürt worden sind. Während reine Holzasche hellgrau und feinpulvrig aussieht, weist Asche mit Fremdbrennstoffen klumpige dunkle Rückstände auf. Das weitere Vorgehen obliegt der Gemeinde, die eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft einbringen kann. Dann drohen dem Verursacher Verwaltungsstrafen.

Nähere Informationen zum Thema „Richtig heizen mit Holz“ gibt es unter www. richtigheizen.tirol.