Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 22.11.2017


Gesundheit

Sieben pieksende Fragen zum Impfen

Von der Überimpfung bis zur Impf-Skepsis: Die Innsbrucker Experten Anita Luckner-Hornischer und Peter Kreidl geben Antwort.

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1Wie erfährt man, ob man geimpft ist, wenn man den Impfpass verlegt hat? Am besten fragt man beim Arzt nach, der geimpft hat. Seit 2000 werden zudem alle Impfungen, die im Rahmen der Impfaktion Tirol durchgeführt worden sind, bei der Bezirkshauptmannschaft im Impfregister erfasst. Weiters kann man versuchen, über eine Bestimmung des Impf-Titers im Blut herauszufinden, ob eine Immunität besteht. Das ist allerdings selbst zu bezahlen.

2Ist eine Bestimmung des Impf-Titers sinnvoll? Der Impf-Titer ist prinzipiell nicht sehr zuverlässig, weil er nur einen Teil der Immunantwort abbildet. Im Zweifel ist es zweckmäßiger, auf Verdacht nachzuimpfen. Es macht allerdings Sinn, den Titer zu bestimmen, wenn sehr lange Zeiträume zwischen Auffrischungsimpfungen liegen. Dann soll man sechs bis acht Wochen nach der Auffrischung eine Titerbestimmung machen, um zu sehen, ob ein Impfschutz vorhanden ist.

3Warum muss man einige Impfungen auffrischen und manche nicht? Lebend-Impfstoffe – wie etwa die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) oder gegen Gelbfieber – sind meistens in der Lage, eine dauerhafte Immunität zu erreichen. Mit einer solchen Impfung macht man eine extrem abgeschwächte künstlich hervorgerufene Infektion durch. Die Immunzellen reagieren sehr gut darauf. Bei Tot-Impfstoffen (z. B. Tetanus, Hepatitis A) ist die Immunantwort hingegen nicht so ausgeprägt, obwohl auch diese Impfungen eine lange Immunität versprechen. Die Grippeimpfung ist ein Sonderfall: Influenza-Viren verändern ihre Struktur sehr schnell. Deswegen muss jährlich ein neu zusammengestellter Impfstoff gespritzt werden.

4 Kann man überimpfen? Bei einzelnen Impfungen wie zum Beispiel Tetanus ist ein Überimpfen möglich, wobei es durch eine heftige Impfreaktion an der Einstichstelle zu Beschwerden kommen kann. Bei einem Mindestabstand von zwei Jahren zwischen Tetanus-Auffrischungen sollte es aber zu keinen Problemen kommen.

5 Warum haben manche Menschen kaum Vorbehalte gegenüber Reise-Impfungen, lassen die Grund-Impfungen aber aus? Manche Reise-Impfungen, wie z. B. Gelbfieber, sind in einigen Urlaubsländern verpflichtend für die Einreise. Der Urlaub als konkretes Vorhaben löst außerdem bei vielen Menschen die Frage nach der Sicherheit aus, vor allem wenn das Reiseziel in einer Region liegt, in der der Lebens- und Hygienestandard niedriger ist als zu Hause. Auch viele Reisebüros weisen auf Impf-Empfehlungen hin. Die Grundimpfungen werden hingegen zu Hause weniger thematisiert, sie sind nicht so im Bewusstsein verankert. Zudem fühlt man sich hierzulande sicherer vor Infektionserkrankungen.

6Warum scheint es, als wären Impfkritiker derzeit im Aufwind? Die so genannten sozialen Medien unterstützen diesen Trend. Fake News werden über das Internet ungefiltert transportiert. Seriöse Seiten hingegen verzichten oft auf eine Web-Optimierung, während die Impf-Gegner ihre Internetseiten aufpeppen und das Thema auch dafür nutzen, um Produkte (z. B. Bücher) zu vermarkten. Es ist daher oft nicht einfach, seriöse Informationsträger zu identifizieren.

Die Weltgesundheitsorganisation stellt unter dem Titel „Global Vaccine Safety“ auf ihrer Internetseite eine Liste geprüfter Impf-Informationsseiten zur Verfügung. Darunter befinden sich für den deutschsprachigen Raum jene des Robert-Koch-Instituts, des Paul-Ehrlich-Instituts, InfoVac, die Internetseite des deutschen Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V., Impfbrief.de und Impfkontrolle.de). Weiters stellt das Bundesministerium für Gesundheit neben dem Österreichischen Impfplan auch Impf-Informationen online zur Verfügung.

7Gibt es Engpässe bei Impfstoffen? Es kommt immer wieder zu Engpässen bei Impfstoffen. Derzeit ist aber keiner bekannt. Im Gegenteil: Es ist ein guter Zeitpunkt, die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) aufzufrischen. (thm)