Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.12.2017


Gesundheit

Tiroler Kampf gegen resistente Bakterien

Chemiker um Thomas Magauer haben Naturstoffe nachgebaut, die gegen Krankenhauskeime wirksam sind.

© Cedric Hugelshofer



Innsbruck – Der Innsbrucker Chemiker Thomas Magauer baut Naturstoffe chemisch nach und munitioniert sie gegen gefährliche antibiotika­resistente Keime auf. Biologische Analysen von solchen erstmals systematisch hergestellten Molekülen würden bereits eine vielversprechende Wirkung zeigen, teilte die Universität Innsbruck mit.

In seiner Forschungsarbeit orientiert sich Magauer, der im August seine Professur am Institut für Organische Chemie angetreten ist, an Naturstoffen, für die es bereits Hinweise auf ihre mögliche Wirkung gegen Bakterien gibt. Diese Stoffe seien bisher aus Pilzen, Meeresschwämmen und Braunalgen gewonnen worden, die allerdings nicht die notwendige Mengen bereitstellen könnten. Magauers Forschung ist es laut Uni-Angaben zu verdanken, dass sich nun sechs der entsprechenden Naturstoffe und 15 davon abgeleitete Moleküle in nur wenigen Schritten erzeugen lassen.

Die Moleküle setzt der Wissenschafter im Labor neu zusammen und optimiert ihre Wirkung durch künstliche Anpassungen. „Mit dem neuen Ansatz steht nun ein Werkzeug zur Verfügung, um diese faszinierende Familie von Naturstoffen genauer zu untersuchen“, meinte der Chemiker.

Gemeinsam mit einer Forschungsgruppe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig untersuchten die Innsbrucker auch die biologische Wirkung der Moleküle. Zwei davon, Strongylin A und eine vollsynthetische Ableitung, hätten dabei eine bedeutende antibiotische Wirkung gegen MRSA-Bakterien (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) gezeigt.

Es handelt sich dabei um so genannte Krankenhauskeime: multiresistente Bakterien aus der Gruppe der Staphylokokken, die in Kliniken und Pflegeeinrichtungen als Verursacher von bedrohlichen Infektionen eine wichtige Rolle spielen.

Bisher konnten die Chemiker nur bei grampositiven Bakterien, wie eben Staphylokokken, eine Wirkung nachweisen. Das Forscherteam will nun Möglichkeiten finden, um „gramnegative“ Bakterien (z. B. Legionellen) zu bekämpfen.

Es sei ihnen gelungen, die prinzipielle antibiotische Aktivität der Stoffe nachzuweisen, bis zur Marktreife liege aber noch ein langer Weg vor den Innsbruckern, wie Magauer gegenüber der TT sagte.

Nicht nur, dass sich das Interesse der Pharmariesen, gegen Resistenzen anzukämpfen, noch in Grenzen halte. Die Forscher selbst müssen die antibiotischen Strukturen ihrer Stoffe noch verstärken. Aber: „Natürlich ist es bei dem gravierender werdenden Resistenzproblem unser Ziel, auf den Markt zu kommen“, so Magauer. (thm, APA)

Die Forscher bauten antibiotische Stoffe von Schwämmen nach.Foto: iStock
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