Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.05.2018


Gesundheit

Kleiner Stich, große Wirkung

FSME ist auf dem Vormarsch. Die Landessanitätsdirektion empfiehlt die Zeckenimpfung.

© Der FSME-Virus wird durch den Stich der Zecken auf den Menschen übertragen.Fotos: dpa, Rottensteiner



Innsbruck – Im vergangenen Jahr gab es in Österreich 116 Fälle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bei denen die Betroffenen in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Rund ein Viertel der Erkrankungen – nämlich 31 – wurden in Tirol registriert. „Wir haben vor allem bei den 40- bis 80-Jährigen die meisten FSME-Erkrankungen. Wer sich viel in der freien Natur aufhält, sollte sich jedenfalls impfen lassen“, empfiehlt Franz Katzgraber, Tirols Landessanitätsdirektor. Denn Hauptauslöser für die Erkrankung mit oft schwerem Verlauf ist der Zeckenstich.

Laut dem Verein zur Förderung der Impfaufklärung (VFI) würden Studien zeigen, dass mehr als 88 Prozent aller FSME-Infektionen in der Freizeit passieren. Ob im Freibad auf der Liegewiese oder beim Wandern im Gebirge – Zecken lauern auf vielen Plätzen. Am liebsten halten sie sich bis 150 Zentimeter über dem Boden auf: im Gebüsch, im Gras oder im Unterholz. Beim Vorbeigehen werden sie abgestreift und suchen sich dann eine geeignete Stelle am Körper des Wirtes. Ist dieser gefunden, wird die Haut mit den scherenartigen Mundwerkzeugen aufgerissen, ehe der Stechrüssel zum Einsatz kommt. Daher lautet der wissenschaftlich korrekte Begriff „Zeckenstich“ und nicht „Zeckenbiss“.

Ob eine FSME-Infektion stattgefunden hat, lässt sich erst nach einigen Wochen im Blut feststellen. In 20 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung unbemerkt, in den restlichen Fällen stellen sich nach der Inkubationszeit von einer Woche bis zehn Tagen ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und Fieber ein. „In diesen Fällen wird leider nur selten an eine FSME-Infektion gedacht“, erklärt Erich Schmutzhard, Neurologe an der Innsbrucker Klinik. „Oft bleibt die Erkrankung unerkannt und die Patienten scheinen nicht in der offiziellen FSME-Statistik auf.“ Die Dunkelziffer der Erkrankungen ist demnach höher, als es die Statistik verrät. Bei schwerem Verlauf der Krankheit kommt es zu Hirnhaut- oder sogar zu einer Rückenmarksentzündung. Je älter die Patienten sind, desto größer die Gefahr von Komplikationen oder bleibenden Schäden.

„Nach der Grundimmunisierung sollte man alle fünf Jahre die Impfung auffrischen“, erklärt Landessanitätsdirektor Katzgraber. Ab einem Alter von 60 Jahren ist die Auffrischung alle drei Jahre notwendig. (TT, np)




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