Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Gesundheit

Technik lässt schwache Herzen nicht aus den Augen

Schwaz wird zum Vorzeigebezirk: Mit HerzMobil müssen Patienten mit einer Herzschwäche nicht mehr so viel Zeit im Krankenhaus verbringen.

© FankhauserTäglich können Patienten mit Herzschwäche von zu Hause aus Blutdruck und Gewicht messen. Die Daten gehen direkt ans Handy und werden zur Kontrolle ans Krankenhaus weitergeleitet. Foto: Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – So mancher Patient im Schwazer Krankenhaus bekommt seit Anfang Juni ein kleines Köfferchen in die Hand gedrückt, bevor es nach Hause geht. Was darin steckt? Ein Blutdruck-Messgerät, eine Waage, ein Smartphone und eine Chipkarte. Diese sind für Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) gedacht. Das so genannte „HerzMobil“ soll Sicherheit und ein Stück Freiheit schenken.

„HerzMobil Tirol wurde dazu entwickelt, den Therapieplan aus der stationären Betreuung in das persönliche Lebensumfeld der Betroffenen zu integrieren“, sagte LR Bernhard Tilg (VP) bei der Präsentation der Geräte. Denn die Diagnose „Herzinsuffizienz“ betrifft nicht nur das Herz, sondern die gesamten Lebensumstände der Betroffenen. Die Leistungsfähigkeit nimmt mit Fortschreiten der Erkrankung ab. Mit einer medikamentösen Therapie kann die Lebensqualität verbessert und die Lebenserwartung erhöht werden. Beim Programm HerzMobil können sich die Patienten nach ihrer Entlassung mithilfe der Geräte zu Hause täglich wiegen und den Blutdruck messen. Die Geräte senden via Blue­tooth automatisch die Werte ans erhaltene Handy mitsamt App. Weiters muss der Patient seine Vitalwerte angeben und ob die Medikamente eingenommen wurden. „In Schwaz haben wir drei speziell ausgebildete Krankenpflegerinnen, die sich diese Werte dann anschauen“, erklärt Programm-Koordinatorin Bettina Fetz. Sobald Unklarheiten auftreten oder die Werte nicht passen, tritt die Pflegerin mit dem Patienten in Kontakt. „Wenn notwendig, kann sie dann den niedergelassenen Arzt informieren, und dieser entscheidet dann weitere Maßnahmen“, sagt Margit Holzhammer, GF des BKH. Das Programm HerzMobil wird bisher auch von zwei niedergelassenen Internisten mitbetreut. Im Laufe des Jahres soll es auf bis zu fünf Ärzte im Bezirk ausgedehnt werden. Die Patientenzahl soll auf etwa 30 Personen steigen.

Drei Monate lang wird ein Patient so beobachtet und betreut, danach erfolgt die Regelversorgung. „Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Patienten gesteigert. Er befasst sich täglich mit seinen Werten und seiner Krankheit und weiß, was er tun kann und wie er Probleme frühzeitig erkennt“, sagt Fetz. So steigt laut Werner Salzburger, Obmann der TGKK, auch die Selbstverantwortung des Patienten. Laut ihm und LR Tilg soll das Programm HerzMobil 2019 auch in Zams realisiert und bis 2020 auf ganz Tirol ausgeweitet werden. „Die Behandlung dieser Patienten endet nicht im Krankenhaus. Wir müssen darüber hinausschauen“, sagt Clemens Rissbacher, Vorstand des Instituts für integrierte Versorgung. Gemeinsam mit Experten hat er lange am Programm und an der Umsetzung getüftelt. Das Besondere ist für ihn, dass man ein Betreuungsnetzwerk geschaffen hat. Franz Hauser als Obmann des Gemeindeverbandes sieht durch HerzMobil eine Entlas­tung der Krankenhäuser – und „die Patienten gewinnen Lebensqualität“.