Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.06.2018


Medizin

Wer hat Schuld am Gendefekt?

Diagnose: Erbkrankheit. Der psychisch-emotionale Umgang mit vererbbaren Krankheiten ist Thema beim „4. Innsbrucker Dialog“.

© istockAm Anfang eines Gentests steht oft die Angst vor der Diagnose.Foto: iStock



Innsbruck – Es ist das eine, Gewissheit zu haben. Darüber, dass man eine genetische Veränderung hat, die früher oder später zu Brust- oder Eierstockkrebs, einer Herzerkrankung oder einer neurologischen Krankheit führen wird. Das andere ist, wie man mit dem Risiko und der Diagnose umgeht und lebt.

Mit der Spezialambulanz für Betroffene von erblich bedingtem Brust- oder Eierstockkrebs bringen die Uniklinik für Psychiatrie II (Schwerpunkt: Psychosomatische Medizin) und die Sektion für Humangenetik der Medizinischen Universität in Innsbruck bereits seit Jahren diese beiden Bereiche – Körper und Psyche – zusammen.

Auch bei anderen Krankheiten, denen eine genetische Veranlagung zugrunde liegt, soll die Psyche künftig mehr einbezogen werden. Darum geht es auch beim „Innsbrucker Dialog“ am 14. und 15. Juni im „Haus der Begegnung“ mit dem Thema „Mind and Genes“ für die Zusammenarbeit der Disziplinen – u. a. wenn es um Kinderwunsch und Schwangerschaft oder genetisch beeinflusste psychische Erkrankungen geht. Bin ich schuld, wenn ich meinem Kind eine genetische Krankheit weitergebe? Wie sage ich den Verwandten, dass sie eventuell betroffen sind? Ich bin gesund, aber meine Schwester ist krank – warum hat es die Natur mit mir gut gemeint? Was bedeutet es für mich, wenn ich mir die Brust entfernen lasse? Will ich überhaupt wissen, was das Erbgut über meine Zukunft sagt?

Diese Fragen beschäftigen laut Psychiatrie-II-Direktorin Barbara Sperner-Unterweger Menschen, wenn sie damit konfrontiert sind, dass in ihrer Familie gehäuft bestimmte Krankheiten auftreten. Deswegen besteht die Möglichkeit nach einem Termin in der humangenetischen Sprechstunde (Infos: www.humgen.at), sich an der Psychiatrie II Unterstützung für die Psyche zu holen. „An der Innsbrucker Humangenetik können wir alles klären, was genetisch möglich und sinnvoll ist“, sagt der Direktor der Innsbrucker Humangenetik, Johannes Zschocke. Mehrere Tausend Betroffene berät sein Team pro Jahr – und schaut sich immer die ganze Familie an.

Vortrag: Das Reden über Erbkankheiten auch im Familienkreis thematisiert Prof. Peter Burgard aus Heidelberg am Donnerstag, 14. Juni, 18 Uhr, Haus der Begegnung (Rennweg 12, Innsbruck). Der Eintritt ist frei. (thm)




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