Letztes Update am Mo, 09.07.2018 10:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Grazer Forscher enthüllen: Darum macht Junk-Food depressiv

Im Mausmodell wurde das Zusammenspiel von Darm und Gehirn unter die Lupe genommen. Eine sehr fettreiche Ernährung dürfte Depressionen begünstigen.

© E+Symbolfoto.



Graz – Das Mikrobiom im Darm hilft bei der Verdauung – und es scheint sich auch auf die Psyche auszuwirken. Wie Forscher der Med-Uni Graz jüngst publizierten, dürfte beispielsweise sehr fettreiche Ernährung durch Mikrobiomveränderungen die Entwicklung einer Depression beeinflussen. Sie haben im Mausmodell das Zusammenspiel von Darm und Gehirn unter die Lupe genommen, teilte die Med-Uni am Montag mit.

Leberkäsesemmel, Hamburger, Döner-Kebab, Tiefkühlpizza: Ernährung hat nicht nur Einfluss auf das Gewicht, sondern scheint sich auch auf die mentale Verfassung auszuwirken. „Vielen sind die Gesundheitsfolgen einer sehr fettreichen Ernährung bekannt, doch nicht nur der Körper leidet an zu viel Fett, sondern auch der Geist“, betonte Peter Holzer vom Otto-Loewi Forschungszentrum an der Med-Uni Graz. Gemeinsam mit Kollegen aus Belgien und Großbritannien hat sein Team die Wirkung einer sehr fettreichen Ernährung auf das Darmmikrobiom (die Summe der Kleinstlebewesen, die den Darm besiedeln, Anm.), den Hirnstoffwechsel, den Botenstoff Neuropeptid-Y und das Verhalten von Mäusen untersucht.

Mäuse wurden auf Fett-Diät gesetzt

Im Zuge der Studie erhielten Mäuse mehrere Wochen lang eine Diät mit einem Fettanteil von 60 Prozent. Das führte zu einer deutlichen Gewichtszunahme, während die Kontrollgruppe mit ausgewogener Kost mit maximal zwölfprozentigem Fettanteil stabil blieb. Das war zu erwarten, aber, „nach acht Wochen Fettdiät hatte sich auch das Verhalten der Tiere deutlich verändert“, ergänzte Ahmed M. Hassan aus Holzers Arbeitsgruppe. Demnach interagierten die fettreich ernährten Mäuse weniger mit ihren Artgenossen, sie vernachlässigten ihre Fellpflege und zeigten wenig Lust auf zuckerhaltiges Wasser. Laut Hassan alles Anzeichen eines depressiven Verhaltens bei Mäusen.

Die Forscher versuchten zu ergründen, wie genau die fettreichen Ernährung derartige psychische Veränderungen hervorrufen kann. Zunächst habe sich gezeigt, dass sich bei den Mäusen unter der ungünstigen Ernährung die Zusammensetzung der Bakterienarten – hier vor allem aus der Firmicutes- und Bacteroidetes-Gruppe – verändert hatte. Zu den Firmicutes gehören auch die Bakterien aus der Familie der Lachnospiraceae. Bei diesen und den Ruminococcaceae sei im Dickdarm der Mäuse – wie auch bei Patienten – eine Rückgang beobachtet worden.

Auffällige neurochemische Störungen festgestellt

Mit den mikrobiellen Veränderungen seien zugleich auffällige neurochemische Störungen im Gehirn der Mäuse aufgetreten: Die Kollegen der Universität Reading (Großbritannien) untersuchten die Maushirne mittels Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) und entdeckten sowohl Änderungen des Stoffwechsels als auch der Signalübertragung. So war die Expression des Neuropeptids-Y in bestimmten Gehirnbereichen, die u.a für Appetit, Angstempfinden und Stimmungslage von Bedeutung sind, deutlich herabgesetzt.

„Diese Effekte weisen auf eine Störung der Gehirnfunktion hin, die das depressive Verhalten nach einer Hochfettdiät erklären kann“, folgerte Holzer zurückhaltend. Dennoch: Trotz der neu entdeckten Zusammenhänge bleiben noch etliche Fragen zu Ernährung, Darm, Mikrobiom und Psyche offen. Holzers Arbeitsgruppe versucht nun durch gezielte Manipulation herauszufinden, welche Anteile des Darmmikrobioms ursächlich an einer fettbedingten Depression beteiligt sind. Da die Behandlung mit Antidepressiva bei den Mäusen keinen Einfluss auf das depressionsartige Verhalten hatte, gehen die Wissenschafter davon aus, dass es sich um eine sehr spezielle Interaktion zwischen Nahrungsfaktoren, Darmmikrobiom und Gehirnfunktionsstörung handelt. (APA)