Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Gesundheit

Es läuft wieder gut: Tiroler Team sucht Knie-Patienten für Studie

Jeder mit einem Läuferknie weiß, wie es ist, wenn vor Schmerzen nichts mehr geht. Ein Tiroler Team sucht Patienten für eine Studie über die Wirkung von Physiotherapie.

© iStockFehlhaltungen, falsche Technik und Schuhe und vor allem Überlastung bringen das iliotibiale Band an seine Grenzen. Es reibt am Knie und verursacht Schmerzen.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Laufen ist gesund, wenn man es richtig angeht. Häufig gehen es Läufer aber eben nicht richtig an. Früher oder später rächt sich der Körper dann mit Schmerzen, die z. B. auf der Außenseite des Knies auftreten, manchmal an nur einem, öfter an beiden. Wenn es plötzlich heftig sticht und man vor lauter Schmerzen nicht mehr weiterlaufen kann, dann hat man vermutlich ein so genanntes Läuferknie. Mediziner bezeichnen es als iliotibiales Bandsyndrom oder auch als Tractussyndrom.

Sportmediziner an der Haller Privatuni UMIT, die Uniklinik für Radiologie in Innsbruck, die Praxis Gelenkpunkt sowie die Sporttherapie Huber und Mair stehen in den Startlöchern, um unter der Leitung von Miriam Friede eine Patientenstudie zum Läuferknie durchzuführen. Dafür suchen sie rund 20 Teilnehmer (siehe Infobox). Ziel ist es, den Erfolg einer gezielten Physiotherapie objektiv zu messen.

Denn an eine Operation oder auch eine Behandlung mit Botox-Injektionen wird beim Läuferknie erst zuletzt gedacht, wie der Innsbrucker Sporttraumatologe und Unfallchirurg Christian Fink (Praxis Gelenkpunkt) sagt. „Die Physiotherapie ist sehr effektiv. Man muss die Problematik aktiv mit Dehnungs- und Kräftigungsübungen angehen, sonst kommt der Schmerz wieder. Wir operieren maximal einen Patienten alle zwei Jahre“, erklärt der Mediziner.

Woher kommt der Schmerz? Das Tractussyndrom ist eine klassische Überbelastungsverletzung. Das iliotibiale Band, das sich an der Außenseite des Oberschenkels vom Becken bis zum Schienbeinkopf spannt, stabilisiert die Oberschenkelmuskeln und es unterstützt die Bewegungen von Knien und Hüfte.

Ist allerdings zu viel Zug auf dieser kräftigen Bänderplatte, reibt sie die Fettpölster und Knochenhaut auf Höhe des Knies auf. Die Stelle schwillt an, entzündet sich und der Belastungsschmerz kommt vom einem aufs andere Mal Laufen- gehen früher. Wenn man sich allerdings nur schont und die Ursache des Läuferknies therapeutisch nicht behebt, kommen die Schmerzen bei der nächsten Laufrunde wieder.

Übergewicht, ungeeignete Laufschuhe, eine falsche Lauftechnik, eine Fehlstellung der Beinachse, Knie, die sich beim Laufen zu weit nach innen drehen, oder eine verkürzte Sehne sind nur einige von vielen möglichen Gründen für ein Läuferknie. Wenn man dann seinem Körper zu schnell zu viel zumutet – Stichwort: Neujahrsvorsatz Wien-Marathon im April –, dann sind die Probleme vorprogrammiert.

Studienteilnehmer gesucht

Läuferknie-Patienten aufgepasst: Ein Tiroler Team aus Medizinern, Therapeuten und Forschern untersucht die Ursachen des Läuferknies und will der Effektivität der physiotherapeutischen Behandlung auf den Grund gehen. Dafür werden Teilnehmer – betroffene Männer und Frauen zwischen 18 und 45 Jahren – gesucht.

Alle Teilnehmer erhalten nach einem Eingangstest eine genaue Diagnose auf Basis klinischer und bildgebender Tests sowie ein sechswöchiges individuelles Trainingsprogramm. Die Teilnahme ist kostenlos. Kontakt: Miriam Friede, Tel. 0590500-3524

Dann ist zunächst eine eindeutige ärztliche Abklärung anhand einer Magnetresonanztomografie erforderlich. „Die richtige Diagnose ist das Wichtigste. Es könnte auch ein Meniskusriss oder Knorpelschaden sein“, sagt Fink. Mit einem Läuferknie darf man dann drei bis acht Wochen nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr laufen, erklärt er. Gegen die akuten Schmerzen helfen kühle Umschläge und Entzündungshemmer. Kräftigungsübungen, Dehnung, Beinachsentraining, Massagen, Stoßwellentherapie, aber unter Umständen auch eine Cortisonspritze lindern die Schmerzen und treiben die Heilung voran.

Dies versucht die Studie nun auch zu beweisen. Mit der neuartigen Strain-Elastografie untersucht Andrea Klauser, Oberärztin an der Innsbrucker Radiologie, den Therapieerfolg und sie erhofft sich neue Erkenntnisse. „Die Strain-Elastografie ist ein Ultraschallverfahren, das die Steifigkeitswerte von Sehnen misst“, erklärt sie. Man kann sich darunter ein Gerät vorstellen, das wie der Finger des Arztes auf die Haut drückt und die Verschieblichkeit der darunterliegenden Muskeln und Sehnen kontrolliert.

Mit der Methode, die ohne Strahlung und Nebenwirkungen auskomme, hat Klauser bereits herausgefunden, dass verletzte Achillessehnen weich, heilende wieder härter werden. Über die Beschaffenheit des iliotibialen Bandes ist bisher noch nichts bekannt.

Das soll sich mit der Studie ändern. „Häufig kommen Physiotherapeuten zu mir, wenn sie wissen wollen, wie eine Therapie anschlägt“, sagt Klauser. Das herauszufinden, erhofft sich auch Fink. Er möchte anhand der Resultate einen strukturierten Therapieplan entwickeln. Damit es für den Patienten bald wieder richtig gut läuft.