Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.07.2018


Bezirk Schwaz

Wenn die Hüfte zur Hürde wird, naht Hilfe aus Schwaz

Der Schwazer Primar Markus Reichkendler ist einer der wenigen Hüft-Arthroskopie-Spezialisten Österreichs. Der FC Rapid Wien zählt auf ihn.

© BKHPrimar Markus Reichkendler mit Philipp Schobesberger nach dessen OP im Schwazer Krankenhaus.Foto: BKH Schwaz



Von Angela Dähling

Schwaz – „Schock bei Rapid: Schobesberger muss an Hüfte operiert werden.“ Schlagzeilen wie diese Ende Juni ließen bei Rapid-Fans Erinnerungen aufkommen. Denn elf Monate zuvor fiel auch Christopher Dibon wegen eines so genannten Hüftimpingements aus. Jetzt feiert er seine Rückkehr. Beide Rapid-Spieler wurden im Schwazer Krankenhaus operiert. Und zwar von Primar Markus Reichkendler, der als einer der wenigen Spezialisten im Bereich der Hüftarthroskopie gilt.

Reichkendler war einst Vereinsarzt beim FC Tirol und FC Wacker Innsbruck. „Etliche dieser Kontakte aus den 90er-Jahren sind bis heute aufrecht. Einige Spieler von damals sind jetzt Trainer oder Betreuer“, erzählt der Arzt, der 13 Jahre Vizepräsident beim FC Kufstein war.

Zu Rapid Wien hat er relativ intensiven Kontakt und Fortbildungen mit deren Vereinsarzt, Masseuren und Physiotherapeuten abgehalten. „Sie haben jetzt ein gutes Know-how und sind hellhörig bei gewissen Symptomen“, schildert Reichkendler.

Der Schwazer Primar hatte einst selbst ein Hüftimpingement. Deshalb begann er sich überhaupt für dieses Thema zu interessieren. Dabei ist entweder der Oberschenkelknochen auf der Seite des Schenkelhalses zu dick und passt nicht in die Pfanne oder die Gelenkspfanne steht vorne zu weit vor, so dass der Schenkelhals bei Knieanhebung vorzeitig an die Pfanne anschlägt. „Diese Veränderung ist angeboren oder entsteht im Wachstum. Durch die damit verbundene Abnutzung insbesondere bei Sportarten wie Fußball, Karate oder rhythmischer Sportgymnastik kommt es zu hohen Belastungen, die später oft zu Arthrose führen“, erklärt der Experte. Sportler mit Hüft­impingement sind daher verletzungsanfälliger. „Ein leichtes Ziehen in der Leiste und Steifheit bei Dehnübungen sind Alarmsignale, die man nicht ignorieren sollte“, warnt Reichkendler. Je eher operiert werde, desto besser. „Einige werden schon im Alter von 15 Jahren operiert. Mit 30 ist es mitunter schon zu spät“, erklärt der Experte, der mit dem „trac-view“ ein Diagnosegerät entwickelt hat.

Bei der OP wird entweder der zu dicke Schenkelhals oder der Pfannenhals zurückgeschliffen. Mit der Hüftarthroskopie sei in Deutschland und Großbritannien um die Jahrtausendwende begonnen worden. Reichkendler startete damit im Jahr 2009. „Da steckte das Ganze in Österreich noch in den Kinderschuhen“, sagt er. Rund 120 solcher OPs führte er jährlich im Krankenhaus in St. Johann durch, in Schwaz sind es noch unter 50, weil laut Reichkendler die OP-Räume nicht ausreichen würden. „Die Hüftarthroskopie ist technisch schwierig. Man sollte sich als Arzt erst dann daran wagen, wenn man Tausende Arthroskopien in anderen Bereichen gemacht hat. Wer ein bisschen Kreuzband und Knie arthroskopiert hat, scheitert. Und man muss in Übung bleiben“, betont der Experte.

Für die Patienten folgt nach zwei bis drei Tagen Krankenhausaufenthalt ein spezielles Trainingsprogramm. „Je nach Schwere des Impingements sind die Sportler nach vier bis zwölf Monaten wieder einsetzbar“, erklärt Reichkendler.

Dibon feiert nach seiner OP im August 2017 jetzt sein Comeback bei Rapid. Für ein Statement war der 27-Jährige leider nicht erreichbar. Philip­p Schobesberger (24) teilt via E-Mail mit: „Ich danke Dr. Reichkendler und seinem Team für die professionelle Behandlung und Operation und bin sicher, dass ich nach der Reha wieder an meine besten Leistungen anschließen kann.“ Am Freitag, 20. Juli, ist Rapid Wien in Kufstein zu Gast. „Das kommt uns sehr entgegen. Denn da werde ich gleich die Kontrolluntersuchung bei Philipp Schobesberger machen“, sagt Reichkendler.


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