Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.09.2018


Tirol

Lehrern wird Handhabe von Notfallspritzen beigebracht

Die gute Nachricht: Die Zahl der Insektenallergiker liegt bei Kindern unter einem Prozent. Adrenalin wird öfter verschrieben, Lehrer geschult.

© boehmIn diesem Jahr sind die Wespen wieder besonders lästig. Die Zahl der Allergiker ist über die Jahre konstant geblieben.Foto: Böhm



Von Alexandra Plank

Innsbruck — Die Schule hat mittlerweile in ganz Tirol begonnen und mancherorts stehen schon die Wandertage auf dem Programm. Eltern werden gebeten, bekannt zu geben, ob ihr Kind Allergiker ist und ein Notfallset besitzt. Im Ernstfall muss gerade bei einer Insektenallergie rasch gehandelt werden. Neben anderen Medikamenten enthält das Set auch eine Notfallspritze, die Adrenalin in den Körper pumpt.

Das Mittel verengt bei einem Blutdruckabfall in Minutenschnelle die Gefäße und stabilisiert dadurch Blutdruck und Kreislauf. Bei der heftigen Reaktion kann der Betroffene so vor schweren Folgen oder gar dem Tod bewahrt werden. Cornelia Gattringer, Fachärztin an der Hautklinik, gibt an, dass die Verabreichung von Adrenalin-Spritzen im Falle einer starken allergischen Reaktion inzwischen das wirksamste Mittel ist. Daher werde die Notfallspritze häufiger verschrieben. Sie begrüßt es sehr, dass auch Aufsichtspersonen mit der Handhabe vertraut gemacht werden. „Der Patient steht nach einem Stich unter Stress, es ist möglich, dass er die Adrenalin-Spritze nicht, oder nicht korrekt, zur Anwendung bringt."

Soforthilfe

Notfallset. Das Allergie-Notfallset wird vom Facharzt bspw. bei einer Insektengiftallergie verschrieben. Es enthält mehrere Medikamente, die allergische Reaktionen im Falle eines Bienen- oder Wespenstichs lindern sowie Blutdruck und Kreislauf stabilisieren.

Anwendung. Betroffene und Angehörige können sich über die Anwendung der Adrenalin-Spritze über Lehrvideos im Internet informieren. Jedenfalls sollte im Ernstfall auch die Rettung alarmiert werden.

Vertreiben. Für Allergiker ist es auch wichtig, keine bunte Kleidung zu tragen, hellen Farben wäre hier der Vorzug zu geben. Keine Speisen im Freien essen und auch keine Parfüms oder parfümierte Kosmetika verwenden.

Die Zahl der Insektenallergien sei indes, entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, nicht angestiegen, sondern liege bei Erwachsenen konstant bei drei bis vier Prozent. Kinder leiden weniger oft an Insektenallergien, unter ein Prozent. „60 Prozent der insektengiftallergischen Kinder reagieren ausschließlich mit Hautsymptomen, also milde", sagt Gattringer. In einer europäischen Studie zu Anaphylaxie (akute allergische Reaktion Anm.) bei Kindern kam es bei rund 2000 Fällen 26-mal (1,3 %) zu schweren Reaktionen. Drei Fälle (0,02 %) davon reagierten extrem auf Insektengift. Von diesen drei Kindern ist keines gestorben. Die Sterberate bei Erwachsenen ist zum Glück auch gering: In Österreich sterben pro Jahr zwischen null und vier Personen in Folge eines Insektenstichs. Gattringer weist bei Kindern auf eine andere Gefahr hin, bei der die Notfallspritze weitaus öfter zum Einsatz kommt. „Lebensmittelallergien bei kleinen Kindern gegen Milch und Eier und bei älteren Kindern gegen Nüsse sind häufiger als Insektenallergien." Das Problem ist, dass der kindliche Körper darauf sensibler reagiert als auf Insektengift. Laut Studie waren in 60 % der allergischen Reaktionen Lebensmittel die Auslöser. Daher werden immer mehr Kinder, die auf bestimmtes Essen allergisch reagieren, mit einer Notfallspritze ausgestattet.