Letztes Update am Di, 25.09.2018 13:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Medizin

Hämorrhoiden: Am besten helfen natürliche Substanzen

Salben und Cremen mit Substanzen aus der Natur seien nach wie vor die beste Therapie bei symptomatischen Hämorrhoiden. Es gehe um Entzündungshemmung.

Inhaltsstoffe der Kamille, Ringelblume, Kornblume, des Asiatischen Wassernabels und der Rosskastanie helfen laut Experten am besten bei Hämorrhoidenleiden.

© pixabayInhaltsstoffe der Kamille, Ringelblume, Kornblume, des Asiatischen Wassernabels und der Rosskastanie helfen laut Experten am besten bei Hämorrhoidenleiden.



Wien – Zwar ist schätzungsweise jeder Dritte irgendwann davon betroffen, und spätestens seit Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ sind sie jedenfalls Thema – trotzdem wird nicht gern über sie geredet: Hämorrhoiden bzw. korrekt ausgedrückt hämorrhoidale Erkrankungen. Sie bedürfen nur dann einer Therapie, wenn sie Beschwerden verursachen, erklärten Experten am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Sie empfehlen dafür natürliche Substanzen.

Keine Krankheit, sondern anatomisch vorhanden

Bei Hämorrhoiden handelt es sich um kleine Gefäßpolster im Enddarm und Analkanal, insofern sind sie eine anatomische Gegebenheit und keine Krankheit. Sind sie vergrößert, können zunächst Beschwerden wie Blutabgang, Juckreiz, Brennen und Druckgefühl auftreten. In den späteren der vier von den Medizinern unterschiedenen Stadien auch Inkontinenz und der Prolaps, also ein Vorfall der vergrößerten Gefäßpolster.

„Nur symptomatische Hämorrhoiden bedürfen einer Therapie“, sagte der Proktologe Max Wunderlich, Leiter der Abteilung Chirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien. „Salben und Cremen sind gut, wenn sie Substanzen aus der Natur enthalten.“ Wirksam sind nach Angaben des Facharztes auch Mittel mit Cortison, die allerdings den Nachteil haben, dass sie nur sieben Tage lang angewendet werden sollen.

Konservative Therapie mit Cremen hilft bei 90 Prozent

„Der phytotherapeutische Ansatz hat einen hohen Stellenwert“, sagte der Apotheker Roman Kostiuk, der an der IMC Fachhochschule in Krems lehrt. Dabei geht es um Entzündungshemmung. Bei Hämorrhoidalleiden eingesetzt werden Inhaltstoffe der Matricaria recutita – einer von 200 Kamillenarten –, Ringelblumen, Kornblumen, Asiatischem Wassernabel und der Rosskastanie, dem „großen Flaggschiff“, wie Kostiuk sagte. Die pflanzlichen Substanzen werden zur Linderung von Beschwerden wie Juckreiz und Schmerzen eingesetzt. Enthalten sind die Wirkstoffe dieser Pflanzen in der Pflegeserie Anulind.

„Bei mehr als 90 Prozent der Patienten hilft eine konservative Therapie“, erklärte Michaela Lechner, Chirurgin im Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien. Wenn operiert werden muss, stehen mehrere Optionen zur Verfügung. „Es gibt verschiedene Operationsverfahren – das ist immer ein Zeichen dafür, dass es die ideale Methode nicht gibt“, erläuterte Lechner. In Österreich kommt am häufigsten die sogenannte HAL/RAR-Methode zur Anwendung. Dabei werden Blutgefäße, welche die Hämorrhoiden versorgen, ultraschallgezielt abgebunden. Zusätzlich werden größere Knoten mit einer Naht gerafft. Die Methode sei in den meisten Fällen mit geringen postoperativen Schmerzen verbunden.

Zusammenhang mit Schwangerschaft erwiesen

Warum es zur einer Vergrößerung der Hämorrhoiden kommt, ist nicht geklärt. „Es gibt keine nachgewiesenen Risikofaktoren“, sagte die Chirurgin, „nur ein Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt ist erwiesen.“ (APA)