Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.10.2018


Gesundheit

Kampf gegen Brustkrebs: Screening bleibt die stärkste Waffe

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Aktionen und rosa Schleifen weisen im Brustkrebsmonat Oktober auf die Problematik hin. Ein Anlass, um über den Stand von Früherkennung, Behandlung und Forschung zu sprechen.

© iStockphotoIm Oktober wird seit 1985 verstärkt über Brustkrebs informiert. Die rosa Schleife dient als Symbol für verschiedenste Aktionen.



Ausgehend von den USA hat sich in den letzten Jahren auch in Öster­reich die rosa Schleife als Symbol dafür durchgesetzt, um für Brustkrebs zu sensibilisieren, der Frauen unabhängig von ihrem Alter treffen kann. Die Behandlung des Mammakarzinoms steht heute auf mehreren Säulen. „In erster Linie geht es um die Früherkennung", betont Christian Marth, Direktor der Innsbrucker Frauenklinik und Präsident der Krebshilfe Tirol. Als Werkzeug der Früherkennung dienen Mammografie, ergänzend Ultraschall und zunehmend für junge Frauen mit einem erhöhten erblichen Risiko die Kernspintomographie (MRT).

Zweitens rücken Risikofaktoren in den Fokus. Frauen, in deren Familien Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs auftritt, erhalten die Möglichkeit einer genetischen Beratung. Aber auch der Lebensstil fällt in die Risikoabwägung. So senkt etwa Ausdauersport das Risiko, an Krebs zu erkranken. Umgekehrt können Alkohol und Übergewicht das Risiko erhöhen. Die dritte große Säule steht für die Therapie, die für jede Frau persönlich aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt wird. Marth: „Operation und medikamentöse Therapie stehen meistens am Anfang, wobei die Reihenfolge von der Tumorart abhängig ist. Es gibt nicht DEN Brustkrebs, sondern verschiedene Typen mit verschiedenen Eigenschaften, die wir heute gut bestimmen können und darauf aufbauend eine maßgeschneiderte Therapie anbieten."

Große Untersuchungsintervalle

Apropos Früherkennung. Die Umstellung auf das neue System — von der jährlichen Untersuchung zum Zweijahresrhythmus auf Einladung der Gesundheitsbehörden — hatte in Tirol zur Folge, dass nicht mehr zwei Drittel der Frauen zur Mammographie gingen, sondern nur noch 35 Prozent. Das Ziel wären 70 Prozent. Marth sieht diese Entwicklung kritisch. „Je mehr man die Empfehlungen aufweicht, desto größer werden die Abstände zwischen den Untersuchungen, das sind in der Realität dann oft drei bis vier Jahre. Doch Früherkennung ist entscheidend, umso wichtiger ist es, zwischen den Terminen nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen."

Umso erfreulicher sind die Entwicklungen im Bereich der Therapie. Heuer wird der Nobelpreis für Medizin mit James P. Allison und Tasuku Honjo an zwei Krebsforscher vergeben, die das Tor zur Immuntherapie öffneten. Auch in der Behandlung von Brustkrebs werden große Hoffnungen in die Immuntherapie gesetzt. Nach jüngsten Studien können vor allem Frauen profitieren, bei denen eine spezielle Form von Brustkrebs zu Absiedelungen geführt hat. Eine bloße Stimulierung des Immunsystems hat damit nichts zu tun, damit wird Krebs nicht erkannt.

Wie funktioniert also die Immuntherapie? „Der Krebs versteckt sich vor dem Immunsystem. Mit einem Trick gelingt es, die Tarnkappe der Krebserkrankung herunterzuziehen. Jetzt können Krebszellen vom Immunsystem entdeckt und angegriffen werden." In Innsbruck soll die Immuntherapie demnächst erweitert werden. Noch ist die Operation ein integraler Bestandteil der Behandlung, wobei beim Großteil der Frauen eine brusterhaltende Operation vorgenommen wird. Strahlentherapie soll verhindern, dass in der Brust Krebszellen wachsen können. Eine medikamentöse Therapie (Immun- und Hormontherapie) setzt im ganzen Körper, also bei ausstreuenden Krebszellen, an. Die nächste Etappe der Forschung liegt in der Entwicklung von Markern, die aufzeigen, welche Therapie bei welcher Patientin optimal ansetzt.

Kinderwunsch wird Thema

Auch das Thema Schwangerschaft nach Brustkrebs gewinnt an Bedeutung. Christian Marth: „Die erste Zeit nach den Therapien wird man vorsichtig sein, doch es spricht nichts dagegen, wieder schwanger zu werden. Eine Schwangerschaft nach Brustkrebs birgt kein höheres Risiko für einen Rückfall und auch kein höheres Risiko für eine Fehlgeburt oder Fehlbildungen."


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