Letztes Update am Do, 25.10.2018 08:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Forschung

Haarausfall: Wenn sich die Haare verflüchtigen

Haarausfall lastet Betroffenen schwer auf der Seele. Neue Ansätze machen jedoch Hoffnung auf eine Lösung. Dazu wird in Österreich und Deutschland intensiv geforscht.

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Von Andrea Wieser

Das Haar steckt in der Bürste, nicht im Kopf. Eine Situation, die viele Österreicher kennen. „Alopecia androgenetica“ ist die häufigste Variante von Haarausfall. Sie ist hormonell-erblich bedingt. Im fünften Lebensjahrzehnt sind rund 52 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen betroffen. Am männlichen Haupt beginnt es in der Regel mit den bekannten Geheimratsecken, bei Frauen kommt es eher zu diffusen Haarlichtungen.

Die zweithäufigste Form des Haarausfalls (Alopezie) ist der „kreisrunde Haarausfall“ („Alopecia areata “). Dieser kommt, wie der Begriff schon sagt, punktuell vor. Als Grund dafür wird eine Störung des Immunsystems vermutet. Im schlimmsten Fall verlieren Betroffene alle Haare, es ist von „Alopecia totalis“ die Rede.

Hingegen gleichmäßig über den Körper verteilt, macht sich der „diffuse Haarausfall“ bemerkbar. Das ist an sich keine Erkrankung und kann verschiedene Auslöser haben. Ursachen dafür können Infektionen wie Scharlach, Diäten oder Medikamente sein.

Die drastischste Variante, der Alopezie zu begegnen, ist eine Haar-Transplantation. Eine Gallup-Umfrage, die vom größten Anbieter, der Moser-Medical-Group, in Auftrag gegeben wurde, weist auf den massiven psychischen Druck der Betroffenen hin. Von den 1000 Befragten sagte ein Fünftel aus, dass sie das Thema als Tabu erleben, über das sie nicht mit anderen reden. Wie belastend der Verlust sein kann, lässt eine Studie, wohlgemerkt vom Haarpflegeproduzenten Alpecin in Auftrag gegeben, vermuten. Demnach würde jeder vierte Mann zwischen 18 und 24 Jahren einige Lebensjahre eintauschen, um wieder volles Haar zu haben.

Am Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH) ist die Haarambulanz intensiv mit dem Thema „kreisrunder Haarausfall“ beschäftigt. „Es gibt verschiedene therapeutische Möglichkeiten“, sagt dazu Tamar Kinaciyan, Dermatologin an der Haarambulanz. Am AKH setze man derzeit unter anderem mit Erfolg auf Medikamente wie „Rogaine“ oder „Regaine“. Die Präparate auf Minoxidil-Basis verbessern die Blut- und Nährstoffversorgung der Haarfollikel. Das Präparat wirkt jedoch nicht bei allen Betroffenen. „Derzeit wird aber auch an einer Push-Therapie geforscht“, meint die Medizinerin. Dabei handelt es sich um eine intravenöse, einmal im Monat vorgenommene Cortison-Verabreichung. Am Dermatologen-Kongress in Innsbruck Ende November werden die neuen Erkenntnisse präsentiert.

Der Biologe Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum hat in Zusammenarbeit mit Forschern des Monasterium Laboratory in Münster und der University of Manchester gerade einen ganz neuen Ansatz publiziert. „Ich gehe davon aus, dass Duftstoffe wie Brahmanol oder Sandalore in Haarwassern oder Shampoos zum Einsatz kommen könnten“, meint er, „vor allem bei hormon- oder stressbedingtem diffusem Haarausfall“. Das Geheimnis steckt in den Haar-Follikeln. Sie besitzen Duftrezeptoren und deren Aktivierung mit einem sandelholzartigen Duft kann die Lebensdauer von Haaren verlängern. Noch befindet sich dieser Ansatz in der Forschungsphase. Sich Sandelholzöl in die Kopfhaut einzumassieren, bringt übrigens nichts. Nur die synthetische Variante bindet an den Rezeptor.

Ansätze, die Hoffnung machen, auch wenn sie noch einen weiten Forschungsweg gehen müssen. Das eine Haarwuchsmittel für alle wird es übrigens nie geben, denn die Ursachen für das Problem sind zu vielfältig.




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