Letztes Update am So, 11.11.2018 07:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Nur nicht verkopfen auf dem Weg zum Wunschkind

Kinderwunsch ist die Balance zwischen Körper und Seele. Davon ist die Innsbrucker Mentaltrainerin Nina Lorenz überzeugt. Sie erklärt, mit welchen Methoden sich Frauen beim Warten auf das Kind in den unterschiedlichsten Situationen stärken können.

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Von Theresa Mair

Kinderwägen, wo man hinschaut. Überall sieht man plötzlich Schwangere. Auf Facebook wird man täglich ungefragt mit den Baby-Neuigkeiten von Freunden „beglückt“. Die Bürokollegin verkündet freudestrahlend, dass sie guter Hoffnung sei. Nur selber muss man aufpassen, die­se nicht zu verlieren.

Alle im Familien- und Freundeskreis warten längst auf die frohe Botschaft – man selbst am härtesten. Doch damit ist man oft allein. Wer einen Termin zur Fruchtbarkeitsbehandlung hat, erzählt das nicht so locker, als handle es sich um eine Wurzelbehandlung. Da ist auch noch der Partner: spaßbefreiter Sex auf Abruf, gemeinsame Verzweiflung, die Angst sitzengelassen zu werden.

Ungewollte Kinderlosigkeit ist kein Nischenthema. In Österreich gehen Experten davon aus, dass rund jedes siebte Paar vergeblich versucht, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen.

Nina Lorenz hat viele dieser Szenarien mitgemacht. Als die Innsbruckerin und ihr Mann die Familienplanung angehen wollten, wurde bei der damals 38-Jährigen Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Insgesamt vier Jahre und einen medizinischen Spießrutenlauf später, hat sich knapp vor einer künstlichen Befruchtung doch noch das ersehnte Baby spontan eingestellt. Heute ist der Bub 17 Monate alt. Happy End. Nun unterstützt Lorenz als Kinderwunsch-Mentaltrainerin (Instagramm: @Lorenz.n2705 und www.ninalorenzmentaltraining.at ) andere Frauen in derselben Situation.

Bereits 2013 hatte sie die Ausbildung zur Mentaltrainerin absolviert. Ursprünglich, um die erlernten Kenntnisse in ihrem Beruf im Vertrieb einer Tiroler Firma anzuwenden. „Ich hatte durch die Ausbildung schon eine stabile Persönlichkeit. Dennoch hätte ich mir in der Wartezeit auf das Kind Unterstützung gewünscht“, sagt sie. Der Partner könne oft nicht viel beitragen. „Die ganzen Behandlungen und die Nebenwirkungen hat die Frau.“ Sie spricht von Hautveränderungen, Stimmungsschwankungen, Unterleibsschmerzen, Gewichtszunahme, allem, was man auf sich nimmt, um dann womöglich wieder mit einem negativen Schwangerschaftstest aus der Ordination zu gehen.

In Gruppenseminaren bringt Lorenz den Teilnehmerinnen Techniken bei, die ihnen helfen, weiterhin zuversichtlich durch die Behandlungen zu gehen. „Die meis­ten haben einen längeren Weg der Kinderwunschbehandlung hinter sich. Der erste Schritt führt sie nicht zu mir.“

Kinderwunsch ist für die Mentaltrainerin die Balance zwischen Körper und Seele. Eine medizinische Behandlung kann sie keineswegs ersetzen, auch arbeitet Lorenz nur mit geistig noch gesunden Menschen. Diesen könne sie jedoch mit Methoden zum Abbau von Blockaden, positiven Bildern, Glücksmomenten und Ressourcentransfers – „Was hat mir früher schon einmal über ein Hindernis geholfen und könnte mir wieder helfen?“ – zur Seite stehen. Es geht darum, offen zu reden – über Neid, Ängste vor Therapien oder einer Fehlgeburt, einen Plan-B zu entwickeln, abschalten zu lernen und sich Auszeiten zu nehmen. Denn eines hat Lorenz bereits mehrmals von ihren Klientinnen erfahren: Unverhofft kommt oft, und das Baby stellt sich heimlich ein.




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