Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.11.2018


Gesundheit

Da bleibt einem die Spucke weg

Wenn die Speicheldrüsen beleidigt sind, bleibt der Mund trocken. Jan Andrle, HNO-Arzt im Bezirkskrankenhaus Reutte, erklärt, was man über die Speicheldrüsenentzündung wissen muss.

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Von Theresa Mair

Innsbruck – „Au Backe!“ – dieser deutsche Ausruf beschreibt gut den Zustand, wenn die Wange plötzlich geschwollen ist und es beim Kauen schmerzt. Auch hierzulande denkt man dann wohl als Erstes, dass die Zähne Probleme machen. Dass es jedoch an den Speicheldrüsen liegen könnte, wissen nur wenige. Wer weiß schon, dass gerade hinter der weichen Wange noch eine Drüse liegen könnte, die man eigentlich nicht spürt?

Dabei kommt es gerade bei älteren Semestern durchaus vor, dass eine der sechs großen Speicheldrüsen – jeweils drei an jeder Gesichtshälfte – entzündet ist, wie Jan Andrle, HNO-Arzt am Bezirkskrankenhaus Reutte, sagt. „Im höheren Alter trinken die Leute weniger, deswegen wird weniger Speichel produziert, der auch dickflüssiger ist. Zusätzlich werden die Drüsenausgänge enger“, erklärt er, wie es zu einer Entzündung kommen kann. Bestimmte Medikamente wie manche Psychopharmaka, Antiallergika, Blutdrucksenker, aber auch Diabetes, eine Strahlentherapie und das Sjögren-Syndrom – eine Autoimmunerkrankung – können Mundtrockenheit zur Folge haben.

Speichel wirkt antibakteriell. Wer einen trockenen Mund hat, wenig trinkt und vielleicht auch noch die Mundhygiene vernachlässigt, der macht es Viren und Bakterien leichter, sich an den Drüsenausgängen einzunisten. „Junge Menschen haben selten eine Speicheldrüsenentzündung. Wenn, dann muss man der Ursache ganz genau auf den Grund gehen. Meistens steckt Mumps dahinter“, sagt Andrle. Diese Kinderkrankheit könnte allerdings mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln verhindert werden.

Grundsätzlich ist eine Speicheldrüsenentzündung gut behandelbar. Mit genügend Flüssigkeit, Schmerzmitteln und gegebenenfalls Antibiotika, bei einer bakteriellen Infektion, verschwinden Schmerzen und Schwellung nach wenigen Tagen. Zusätzlich kann man die Speichelproduktion mit sauren Zuckerln und Kaugummi anregen.

Doch es kann auch sein, dass sich kleine Speichelsteinchen bilden und die Drüsenausgänge verstopfen. „Das passiert hauptsächlich bei der Unterzungenspeicheldrüse. Dort ist der Speichel von Natur aus besonders dickflüssig“, meint der HNO-Experte.

Neben der klinischen Untersuchung kommt zur exakten Diagnosestellung noch ein Ultraschall zum Einsatz. In Einzelfällen wird ein CT oder MRT durchgeführt, um andere mögliche Erkrankungen auszuschließen. „Es könnte sich unter Umständen um einen Tumor handeln. Die gute Nachricht ist, dass diese meist gutartig sind“, so der Mediziner.

Stellt man tatsächlich Steinchen fest, reicht oft ein kleiner Schnitt in der Mundhöhle beim Drüsenausgang, um diese zu entfernen. Manchmal müssen Steinchen, welche auch nur die Größe eines Sandkorns besitzen, unter Vollnarkose mit einem hauchdünnen Endoskop (Sialendoskopie) aus der Speicheldrüse entfernt werden.

Im Extremfall kann es vorkommen, dass die ganze Drüse herausgenommen werden muss, wenn der Stein zu groß ist. „Das hat auf die gesamte Speichelproduktion normalerweise keinen gravierenden Einfluss. Es stehen ja noch fünf große Speicheldrüsen zur Verfügung und Hunderte kleine befinden sich in der Mundschleimhaut“, beschwichtigt Andrle. So ist die Angst, dass einem „die Spucke dauerhaft wegbleibt“, unbegründet.