Letztes Update am Do, 13.12.2018 15:28

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zoonosen

Krankheiten vom Tier: Listeriose ist EU-weit auf dem Vormarsch

Die Fortschritte sind ins Stocken geraten: Bei Salmonellose und Campylobacteriose blieben die Zahlen in den vergangenen fünf Jahren stabil, während die Listeriose auf dem Vormarsch ist.

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© Jürgen Fuchs (Symbolfoto)



Wien – 2017 gab es in der EU im Vergleich zum Vorjahr nur geringe Schwankungen bei Fällen der drei wichtigsten Zoonosen, das sind Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden.

Die Zahl der Listeriose-Fälle nahm EU-weit 2017 zwar leicht ab, zeigt der Jahresbericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). 2480 Infektionen wurden gemeldet (2016: 2509). Allerdings sei die Tendenz seit fünf Jahren ansteigend. Am stärksten betroffen waren ältere Menschen, insbesondere über 84 Jahre. In dieser Altersgruppe lag die Sterblichkeit bei 24 Prozent, insgesamt verlief die Infektion für jeden zehnten Patienten tödlich. Am häufigsten wurde L. monocytogenes in Fisch und Fischereierzeugnissen nachgewiesen (sechs Prozent), gefolgt von verzehrfertigen Salaten (4,2 Prozent).

Salmonellen in Fleisch und Eiern

In Österreich gab es 32 laborbestätigte Fälle, geht auch aus dem Zoonose-Bericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hervor. Die AGES ließ 2806 Lebensmittelproben auf Listerien untersuchen, in 48 wurden L. monocytogenes nachgewiesen, konkret in 32 Fleisch- und einer Probe von Fisch bzw. Meeresfrüchten, dreimal in Käse, zehnmal in anderen Speisezubereitungen sowie in je einer Probe von Obst und Gemüse bzw. Konditoreiwaren.

Seit mehreren Jahren sind Salmonellose-Fälle in der EU rückläufig, wobei sich der Rückgang abflacht. Die Zahl hat sich 2017 leicht von 94.425 auf 91.662 verringert, doch der seit 2008 anhaltende Abwärtstrend ist gebremst. „Um die Zahlen weiter nach unten zu drücken, sind verstärkte Anstrengungen nötig“, sagte EFSA-Wissenschafterin Marta Hugas. S. Enteritidis ist der am häufigsten gemeldete Typ und verantwortlich für einen von sieben lebensmittelbedingten Ausbrüchen. Die 2017 gemeldeten 5079 lebensmittel- und wasserbedingten Krankheitsausbrüche stellen einen Rückgang von 6,8 Prozent dar. Salmonella-Bakterien waren die häufigste Ursache für lebensmittelbedingte Ausbrüche, vor allem im Zusammenhang mit Fleisch und Eiern.

Campylobacter als häufigster Krankheitserreger

In Österreich wurden 1667 Erkrankungen gezählt. Somit stellten Salmonellen wieder – hinter Campylobacter – die zweithäufigste Ursache bakterieller Lebensmittelvergiftungen dar. Von 2002 bis 2016 habe sich laut AGES die Anzahl der Salmonellosen um 83 Prozent reduziert, fast ausschließlich durch den Rückgang der S. Enteritidis-Infektionen. 2017 kam es zu einer Zunahme – ohne großen lebensmittelbedingten Ausbruch.

„Der Rückgang der Ausbruchszahlen ist zu begrüßen, doch gab es 2017 immer noch durchschnittlich 100 lebensmittel- und wasserbedingte Ausbrüche pro Woche, von denen einige länderübergreifend waren“, erläuterte Mike Catchpole vom ECDC die Lage EU-weit. „Diese Infektionen sind eine wesentliche Ursache für das Erkranken von Menschen in der EU. Die steigende Tendenz bei Listeriose-Fällen, die in gefährdeten Gruppen weiterhin auch tödlich verlaufen, muss umgekehrt werden.“

Bei der Campylobacteriose ging die Zahl der Fälle 2017 im Vergleich zu 2016 EU-weit leicht zurück (246.158 gegenüber 246.917), sie ist jedoch nach wie vor die meist gemeldete Zoonose und der EU-weit häufigste bakterielle Krankheitserreger des Magen-Darmtraktes. Am öftesten wurde Campylobacter in Hühnerfleisch (37,4 Prozent) und Putenfleisch (31,5 Prozent) nachgewiesen. Österreich registrierte 7204 Campylobacteriosen, das bedeutet eine Inzidenz von 82 auf 100.000 Einwohner. „Der stete Anstieg“, so die AGES, „erreichte im Jahr 2017 den bisher höchsten Wert.“

Zoonosen werden durch Kontakt mit infizierten Tieren oder über verunreinigte Umgebung übertragen sowie Konsum von kontaminierten Lebensmitteln. In Österreich wurden im vergangenen Jahr 69 solcher lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche mit 227 Betroffenen gemeldet, laut AGES ein Rückgang seit 2006 um 88,7 Prozent. (APA)