Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.02.2019


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Wenn die Viren wieder durch den Magen gehen

Übelkeit, Bauchkrämpfe, Kreislauf am Boden? Daran ist oft die Magen-Darm-Grippe schuld. Besonders in der kalten Jahreszeit hat die Schmierinfektion Hochsaison. Wie es zu Erbrechen und Durchfall kommt, was dagegen zu tun ist und wann es gefährlich wird.

Da eine Magen-Darm-Grippe meist durch Bakterien und Viren übertragen wird, ist Hygiene ein wichtiger Schutz gegen die Ansteckung.

© E+Da eine Magen-Darm-Grippe meist durch Bakterien und Viren übertragen wird, ist Hygiene ein wichtiger Schutz gegen die Ansteckung.



Von Andrea Wieser

"Sie ist wieder herum", sagt man derzeit in Tirol und meint die Magen-Darm-Grippe. Jährlich wirft die Erkrankung Zehntausende Österreicher für ein paar Tage aus der Bahn. Besonders im Winter sind viele davon betroffen, da das Immunsystem durch die niedrigen Außentemperaturen geschwächt ist.

Die Magen-Darm-Grippe, im Fachjargon Gastroenteritis genannt, zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes. „Generell können Viren, Bakterien oder Parasiten Auslöser sein", erklärt Ekkehard Klemm, Oberarzt am Bezirkskrankenhaus Reutte. „Dazu gehören: Noro-, Rota-, Adenoviren, Salmonellen, Campylobacter, Yersinien, Amöben, Shigellen und Vibrionen." Als Hauptauslöser gelten aber Viren.

Mit Recht steht die Magen-Darm-Grippe in dem Ruf, sehr ansteckend zu sein. „Es handelt sich um eine Schmierinfektion", sagt Klemm. Das bedeutet, dass die Übertragung von Krankheitserregern durch den Kontakt mit anderen Menschen stattfinden kann, aber auch dadurch, dass man nur den gleichen Gegenstand berührt hat. Die Türklinke ist wohl als bekanntester Klassiker aufzuzählen. Deswegen ist Hygiene in diesem Fall besonders wichtig. Gründliches Händewaschen, mehrmals täglich, wird empfohlen.

Viel Ruhe und viel Flüssigkeit

Ist man erst angesteckt, geht es schnell. Durchfall und Erbrechen sind strapaziös und schwächen den Kreislauf. Jetzt hilft in erster Linie, Ruhe zu geben und den Flüssigkeitshaushalt im Auge zu behalten. „Möglichst viel trinken", sagt deswegen Gastroenterologe Klemm. Empfohlen werden Fenchel-, Kamillen- oder Schwarztee. Und gegen den Hausmittel-Klassiker „Soletti und Cola" hat Klemm auch nichts einzuwenden, empfiehlt jedoch, das Getränk 1:1 mit Wasser zu verdünnen. Darüber hinaus gelten Bananen und geriebener Apfel als hilfreich, soweit es der Appetit erlaubt.

Gefahr ist dann im Verzug, wenn es zu blutigen Stühlen, hohem Fieber und zu viel Flüssigkeitsverlust kommt. Mediziner sprechen dann von einer Exsikkose, einer Austrocknung. Dabei herrscht im Körper ein Flüssigkeitsdefizit, das unter Umständen lebensbedrohlich werden kann. „Trockene Haut und stark verminderte Harnausscheidung weisen auf Austrocknung hin", meint Klemm. Und es sei auf trockene Schleimhäute und stehenbleibende Hautfalten, zum Beispiel am Handrücken, zu achten. In solchen Fällen und prinzipiell, wenn die Symptome mehr als drei Tage andauern, muss ein Facharzt zu Rate gezogen werden.

Manchmal ist es etwas anderes

Täuschend ähnlich können Symptome bei einer Lebensmittel-unverträglichkeit sein. Reagiert der Patient negativ auf ein Lebensmittel, kann das zu Blähungen, Bauchkrämpfen, Durchfall und Gewichtsverlust kommen. Das hat dann nichts mit der Entstehung einer Gastroenteritis zu tun, fühlt sich aber ähnlich an. Der große Unterschied: Ist die Magen-Darm-Grippe überstanden, verschwinden die Symptome, bei einer Unverträglichkeit tun sie das nicht.

Halten die Symptome ungewöhnlich lange an, kann eine Endoskopie vorgenommen werden. „Diese wird eingesetzt, um zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Tumore ausschließen zu können", erklärt Klemm. Bei einer simplen Magen-Darm-Grippe kommt sie jedoch nicht zum Einsatz.

5 Tipps bei Kleinkindern

Gefahr. Eine Magen-Darm-Infektion führt zu Flüssigkeitsverlust. Dabei gehen dem Körper wertvolle Salze und Wasser verloren. Eine Dehydrierung ist für Babys und Kleinkinder besonders gefährlich.

Austrocknen. Wenn Ihr Baby oder Kleinkind müde ist, apathisch wirkt, schwachen Saugreflex hat und matten Lidschlag, könnte eine Austrocknung drohen. Zu achten ist auch auf eine zu trockene Windel.

Alter. Ein wichtiges Kriterium ist das Alter des Kindes: je jünger, desto größer die Austrocknungsgefahr. Säuglinge mit Magen-Darm-Infektion sollten daher immer ärztlich begutachtet werden.

Trinken. In der Akutphase (ersten Stunden) nur Flüssigkeit geben. Am besten ist gezuckerter Tee in kleinen Schlucken. Ist das Erbrechen abgeklungen, kann leichte Kost (Zwieback, Kekse, etc.) gereicht werden. Absoluter Verzicht auf fettige Nahrung!

Impfen. Babys können gegen das Rotavirus bis zum sechsten Lebensmonat geimpft werden. Das schützt Babys und Kleinkinder für circa zwei Jahre.