Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.03.2019


Bezirk Landeck

Bedarf in Landeck: „Psychische Erkrankung wird noch oft verdrängt“

In Landeck soll eine Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen wieder aktiviert werden. Ein Info-Nachmittag ist am 14. März geplant.

Psychisch erkrankte Menschen sind oft nicht in der Lage, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Angehörigen kommt eine wichtige Rolle zu. Vor diesem Hintergrund soll in Landeck eine Selbsthilfegruppe gegründet werden.

© keystonePsychisch erkrankte Menschen sind oft nicht in der Lage, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Angehörigen kommt eine wichtige Rolle zu. Vor diesem Hintergrund soll in Landeck eine Selbsthilfegruppe gegründet werden.



Von Helmut Wenzel

Landeck – „Psychische Erkrankungen werden versteckt, solange es geht“, weiß Manuela Pfeifer, Genesungsbegleiterin am Krankenhaus St. Vinzenz. Sie spricht aus eigener Erfahrung: „Ich war selber psychisch krank.“ Angehörige von Betroffenen würden nach wie vor stigmatisiert, sagt sie. Dennoch findet sie ermunternde Worte: „Für Hilfe ist es nie zu spät. Niemand braucht sich zu schämen.“

Pfeifer zeigte gemeinsam mit Primar Martin Kurz (Leiter der Psychiatrieabteilung in Zams) und Norbert Erlache­r (Obmann des Tiroler Vereins HPE – Hilfe für Angehörige Psychisch Erkrankter) akuten Handlungsbedarf in der Versorgung von Psychiatrie-Patienten auf. „Statistisch gesehen ist jede vierte Familie im Bezirk Landeck mit psychischer Krankheit konfrontiert“, weiß Erlacher. Primar Kurz stellt klar: „Selbsthilfegruppen sind eine wichtige Ergänzung zur Behandlung der Patienten bei Fachärzten bzw. im Krankenhaus.“

Familienangehörige müssten oft große Lücken in der Betreuung und Behandlung von psychisch Erkrankten füllen. „Im Bezirk ist es so, dass zwei Drittel aller betroffenen Menschen eine adäquate, längerfristige Behandlung nicht suchen, nicht wollen oder nicht finden“, resümierte Erlacher. Dabei komme den Angehörigen eine wichtige Rolle zu. „Sie leisten immer noch den Großteil der Pflegearbeit. Sie kennen den Patienten am besten und nehmen jede kleine Veränderung wahr“, erläutert Primar Kurz.

Nachdem sich vor drei Jahren eine Selbsthilfegruppe für Angehörige aufgelöst hatte, soll es demnächst einen Neustart geben. „Die Gruppe ist zu monatlichen Treffen in den Sprengelräumen eingeladen“, sagte Sprengel-Geschäftsführerin Doris Habicher. Der Verein HPE unterstützt und begleitet die Gruppe. Zunächst ist für Donnerstag, 14. März, von 16 bis 18 Uhr ein Info-Nachmittag im Sprengelhaus geplant – Titel: „Psychische Erkrankungen (be-)treffen auch Familien, was kann helfen­?“. HPE Tirol verstehe sich auch als Interessenvertretung für die Angehörigen – gegenüber dem Gesundheits- und Sozialsystem sowie gegenüber der Politik, sagte Erlacher.

Koordinieren den Neustart der Landecker Selbsthilfegruppe: Doris Habicher, Norbert Erlacher, Manuela Pfeifer, Primar Martin Kurz (v. l.).
Koordinieren den Neustart der Landecker Selbsthilfegruppe: Doris Habicher, Norbert Erlacher, Manuela Pfeifer, Primar Martin Kurz (v. l.).
- Wenzel