Letztes Update am Di, 16.04.2019 13:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Tiroler Experten setzen auf Aufklärung statt generelle Impfpflicht

Rund sieben Prozent der Bevölkerung gehören laut Experten der Innsbrucker Med-Uni zur impfkritischen Seite. Zwei Prozent seien auch mit Aufklärungskampagnen nicht mehr zu erreichen. Bei den Masern gibt es offenbar besonderen Aufklärungsbedarf.

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Innsbruck – Impfexperten der Landessanitätsdirektion Tirol und der Medizinischen Universität Innsbruck haben sich gegen eine generelle Impfpflicht ausgesprochen. Wichtiger sei es mit Fakten auf wissenschaftlichen Homepages an die Vernunft der Menschen zu appellieren, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Sanktionen bei Nicht-Impfung, etwa bei Ärzten, seien aber legitim.

An den Tirol Kliniken werde der Impfschutz bei Ärzten und Pflegepersonal überprüft. „Gegebenenfalls setzen wir dann auf umfassende Information des Ungeimpften“, meinte Reinhard Würzner von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Sollte sich die unzureichend geimpfte Person gegen eine Impfung entscheiden, werde diese nicht in die Nähe von Patienten gelassen, so Würzner.

„Mit Märchen und Mythen aufräumen“

Anita Luckner-Hornischer von der Landessanitätsdirektion wünschte sich bei der breiten Masse Entscheidungen, die auf Wissen basieren. „Man muss mit den Märchen und Mythen von impfkritischen Seiten aufräumen“, sagte sie. Das gelinge beispielsweise durch die Bereitstellung von wissenschaftlich fundierter Information, wie etwa die des Robert Koch-Institutes. Auch Plakat-Kampagnen hält sie für wirksame Mittel im Kampf gegen Impf-Mythen.

Die Zielgruppe dieser Bemühungen machte man unisono mit rund sieben Prozent der Bevölkerung aus. „Fünf Prozent davon können wir noch erreichen, zwei Prozent davon nicht mehr“, nannte Peter Kreidl, ebenfalls von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck, konkrete Zahlen. Bei den besagten fünf Prozent möchte er einen „emphatischen Weg“ gehen und diese in Bezug auf ihre Zweifel aufklären. „Man sollte, bevor man wirklich über eine Impfpflicht nachdenkt, vorher wirklich alles versuchen“, skizzierte Kreidl seine Haltung.

Besonders im Bereich Masern gibt es offenbar verstärkt Aufklärungsbedarf. „Die Masern sind auf dem Vormarsch“, meinte Kreidl. „Wir hatten in diesem Jahr schon 69 Fälle, letztes Jahr waren es 77“, berichtete er. Gegen diese Ausbreitung helfe nur eine „Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung“, ergänzte dazu Reinhard Würzner und sprach zugleich eine generelle Durchimpfungsrate von 97 Prozent als sein Wunschziel aus. (APA)