Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.05.2019


Bezirk Kitzbühel

Training rettet Kinderleben

An der Kinderstation des BKH St. Johann stand diese Woche ein Trainingstag des Ärzte- und Pflegeteams auf dem Programm.

An der Kinderstation des BKH St. Johann wurde ein Trainingstag für Neugeborenen-Versorgung abgehalten.

© RitschAn der Kinderstation des BKH St. Johann wurde ein Trainingstag für Neugeborenen-Versorgung abgehalten.



St. Johann i. T. – Wiederholtes Training und das Erlerne­n neuer Techniken sind Grundvoraussetzungen für eine zeitgemäße medizinische Versorgung. An der Kinderstation des BKH St. Johann stand diese Woche bei einem Trainingstag des Ärzte- und Pflegeteams die Bewältigung verschiedener Gefahrensituationen bei Neugeborenen auf dem Programm. Training, das im Notfall das Leben der kleinen Patienten retten kann.

„Die Anpassung des Neugeborenen an die neue Situatio­n – die Umstellung von der bis zur Geburt vorhandenen Sauer­stoffversorgung über die Nabelschnur auf selbstständige Lungenatmung – ist ein bei jeder Geburt ablaufendes kleines Wunder“, weiß der Leiter der Kinderabteilung am BKH Franz-Martin Fink. Bei einzelnen Neugeborenen kommt jedoch die Atmung, eventuell auch der Kreislauf nicht spontan ausreichend in Gang – ein akuter kinderärztlicher Notfall. Rund zwei Prozent der Neugeborenen benötigen sogar eine Reanimation. Dann gilt es, rasch richtig zu handeln. Fink: „Jeder Handgriff muss sitzen, die Teamarbeit von Hebammen, Pflegefachkräften und Ärzten muss wie von selbst funktionieren.“

Gesichert wird dies durch gezieltes Training. Ein ganzer Tag wurde unter der Führung des Leiters der Neugeborenen-­Abteilung der Uniklinik Salzburg, Martin Wald, diesem Thema gewidmet. Nach einem theoretischen Teil ging es in die Praxis: In Kleingruppen wurden verschiedene lebensbedrohliche Risiko­situationen unmittelbar nach der Geburt durchgespielt. Das Simulations­training erfolgt an einer Neugeborenenpuppe. Über die Elektronik der Trainingspuppen können Herz-Lungen-Probleme simuliert werden. Zudem wird die Qualität der Behandlungsschritte durch elektronische Sensoren überwacht.

Pro Jahr kommen in St. Johann ca. 40 Frühgeborene zur Welt und werden vom Team der Kinder- und Jugendheilkunde behandelt. Nur einzelne Kinder, bei denen die Behandlungen nicht ausreichend helfen, müssen an eine Neugeborenen-Intensivstation verlegt werden.

Solche Trainings und viel­e andere medizinische Szenarie­n können künftig im neu errichteten Simulationszentrum im neuen „Medi­Cubus“, dem Schul- und Ausbildungsgebäude des BKH, durchgeführt werden. Dies wird am Standort St. Johann Simulationstrainings für Pflege- und Ärzte­teams aller Fachrichtungen sicherstellen. Auch den Rettungsdiensten im Bezirk Kitzbühel wird die Einrichtung für deren Trainings zur Verfügung stehen. (TT)