Letztes Update am So, 09.06.2019 07:22

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Den Takt verloren: Die Gesundheit zu Herzrhythmusstörungen

Herzerkrankungen sind die Todesursache Nummer eins. Fehlt dem Pumporgan der Rhythmus, können die Folgen den ganzen Körper betreffen.

Rhythmusstörungen können u. a. zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.

© iStockphotoRhythmusstörungen können u. a. zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.



Von Alexander Straberger

Das Herz scheint zu rasen, in der Brust breitet sich ein Engegefühl aus und plötzlich wird einem schwarz vor Augen. Kurze Zeit später scheint sich der Körper erholt zu haben. Herzrhythmusstörungen treten oft nur kurz und phasenweise auf. Was bleibt, ist das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Wenn die elektrisch aktiven Zellen unseres Pumporgans ausfallen oder überreagieren, beginnt­ auch der Kreislauf zu stolpern, Atemnot und Schwindel können die erwähnten Symptome begleiten. Nicht selten sind es Vorerkrankungen wie ein Herzinfarkt oder chronischer Bluthochdruck, die zu einer Rhythmusstörung des Herzens führen.

„Die normale Pumpfrequenz des Herzens liegt in Ruhe durchschnittlich zwischen 50 und 100 Schlägen pro Minute. Bei einer Herzrhythmusstörung kontrahiert sich das Herz schneller oder langsamer als für den Körper förderlich“, erläutert Markus Stühlinger, Internist am Zentrum für kardiale Rhythmologie an der Uniklinik Innsbruck.

Meist allerdings sind es körperliche Anstrengung, Stress oder Aufregung, welche unser Herz ganz natürlich „bis zum Hals schlagen“ lassen.

„Länger anhaltende Störungen der Herzrhythmik können zu ernsthaften Schäden führen.“
Markus Stühlinger, Internist, Uniklinik Innsbruck

Defibrillation kann helfen

Jedes fahrende Auto benötigt einen funktionierenden Motor und jeder lebende Mensch ein schlagendes Herz. Den Dirigenten und damit Impulsgeber des Herzens bildet der Sinusknoten im rechten Vorhof. Dieser nützt elektrische Signale als Taktstock, um den Herzmuskel zur Kontraktion anzuleiten. Fällt eine Station der Erregungsleitung des Herzens aus, gerät das Herz aus seinem regulären Takt. Die Folge sind Arrhythmien in den Vorhöfen oder Kammern des Herzens.

„Länger anhaltende Störungen der Herzrhythmik können zu ernsthaften Schäden, etwa zur Herzinsuffizienz oder zu einem Schlaganfall, führen“, weiß der Spezialist. Besonders das heftige, unkontrollierbare Zucken der Herzkammern beim „Kammerflimmern“ führt zum Aussetzen des Kreislaufes und der Atmung.

Die gute Nachricht: Eben jene Herzrhythmusstörung lässt sich ausgezeichnet durch einen gezielten Stromstoß beruhigen. „Bei Antreffen einer regungslosen Person sollte deshalb auch von Laien immer ein Defibrillator gesucht und angewendet werden. Hier kann schnelles Handeln Leben retten“, erklärt Stühlinger.

Herz mit Schluckauf

Während Frauen tendenziell häufiger unter angeborenen Arrhythmien leiden, erkranken Männer früher an Herzrhythmusstörungen, die im Laufe des Lebens erworben werden. „Letztes Jahr wurden allein in Tirol etwa 600 Herzschrittmacher implantiert“, weiß der Kardiologe. Der Großteil der Schrittmacher-Patienten ist zwischen 70 und 80 Jahre alt. Arrhythmien finden sich allerdings auch in der jüngeren Generation.

Besonders junge Ausdauersportler kann ein „Schluckauf des Herzens“ betreffen. Durch eine übertrainierte Herzmuskulatur reagiert der Körper sehr sensibel auf Überbeanspruchung, was auch bei Gesunden gelegentlich zu Extraschlägen (Extrasystolen) führen kann. Meist bleiben die kleinen Unregelmäßigkeiten aber ohne Konsequenzen.

Hilfe für schwache Herzen

„Beginnt ein Anfall plötzlich und ohne jeden Grund, reicht oft ein Glas Wasser oder ein kurzes Luftanhalten, um das Stolpern des Herzens zu beruhigen“, schildert Stühlinger. Bei andauernder Leistungsschwäche, auftretenden Ohnmachtsanfällen oder scheinbar grundlosem Herzrasen sollte aber eine kardiologische Abklärung erfolgen. Diese beinhaltet auch ein EKG.

Den zukünftigen Weg im Umgang mit Herzrhythmusstörungen sieht Markus Stühlinger in einer seriösen Integrierung neuer medizinischer Technologien in die bestehende Gesundheitslandschaft. Sehr viel kleiner werdende Herzschrittmacher und „wearables“ – mobile Kleingeräte zur Langzeitmessung von Puls und Herzfrequenz – versprechen eine zügigere Therapie. Darüber hinaus werden Patienten damit für Veränderungen ihres gesundheitlichen Zustands zusätzlich sensibilisiert.

Die Verwendung von ablativen Herzkatheter-Behandlungen, also die Verödung von Herzmuskelzellen, ermöglicht u. a. schon heute ein sehr gezieltes Vorgehen bei rhythmischen Herzstörungen und wird das Gesicht der Herzrhythmustherapien in Zukunft nachhaltig prägen.




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