Letztes Update am Mi, 17.07.2019 19:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Asiatische Tigermücke

Forscher rotteten Überträger von Dengue- und Zikafieber lokal aus

Die Forscher setzten in einer chinesischen Großstadt Millionen von Männchen der Asiatischen Tigermücke aus, die Weibchen nicht erfolgreich befruchten können. „Wildlebende“ Mückenmännchen hatten damit keine Chance mehr bei den Weibchen.

Eine asiatische Tigermücke (Archivbild).

© APA (dpa)/STEPHAN JANSENEine asiatische Tigermücke (Archivbild).



Wien – Millionen von ausgesetzten Mückenmännchen machen den Weibchen zwar den Hof, können mit ihnen aber keine Kinder kriegen. Mit einem Doppelangriff konnte ein Forscherteam Asiatische Tigermücken, die krankmachende Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen, in Teilen einer Großstadt in China nahezu ausrotten, berichten die Wissenschafter im Fachjournal Nature.

Die Forscher um Xi Zhiyong von der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou (China), kombinierten dazu zwei Methoden, die bisher nur einzeln zum Einsatz kamen: Die Männchen der Tigermücken (Aedes albopictus) wurden einerseits mit drei Stämmen parasitischer „Wolbachia“-Bakterien infiziert. Diese „egoistischen“ Bakterien sorgen dafür, dass die Mückenembryos sterben, wenn die Weibchen nicht von genau den selben Wolbachia-Stämmen befallen sind. Die ausgesuchte Dreierkombination kommt in der Natur nicht vor, deshalb handelt es sich hier quasi um großflächige Empfängnisverhütung bei den Mücken. Man nennt dies „inkompatible-Insekten-Technologie“ (IIT).

Großangelegter Feldversuch in Guangzhou

Weil man Millionen von Mücken schwer einzeln nach dem Geschlecht untersuchen kann, passierte es in der Vergangenheit, dass bei den ausgesetzten Tieren auch Weibchen dabei waren, die jene drei Bakterienstämme bekommen hatten. Dies macht die Anstrengungen teilweise zunichte. Deshalb wurden die Mücken zusätzlich mit einer Röntgen-Dosis bestrahlt, die Weibchen unfruchtbar macht, aber die Fortpflanzungsorgane und Samenzellen der Männchen intakt lässt. Diese „sterile-Insekten-Technik“ (SIT) wird von den beteiligten Experten des Insect Pest Control Laboratory der Welternährungsorganisation (FAO) und der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) in Wien seit vielen Jahren erforscht und angewendet.

Diese Kombination von IIT und SIT wurde zunächst im Labor getestet und funktionierte so gut, dass die Forscher einen großangelegten Feldversuch auf zwei Flussinseln in der 14 Millionen Einwohner zählenden Stadt Guangzhou durchführten. Die Stadt im Perlflussdelta im Süden Chinas hat das höchste Dengue-Übertragungsrisiko des Landes. Die Forscher setzten dort Millionen dreifach Wolbachia-infizierte und Röntgen-behandelten Mückenmännchen aus, die sich auf die Weibchen stürzten und den zahlenmäßig weit unterlegenen wild vorkommenden Art- und Geschlechtsgenossen quasi keine Chance beim anderen Geschlecht ließen.

Binnen sechs Wochen ausgerottet

Innerhalb von sechs Wochen waren die Mücken dort vorerst ausgerottet, berichten die Forscher in dem Fachartikel. Im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren war die Zahl der Tigermücken um bis zu 94 Prozent reduziert. Laut ihren Untersuchungen waren die restlichen sechs Prozent wieder eingewanderte Exemplare aus der Umgebung.

Die Methode wurde bei der lokalen Bevölkerung zunächst mit Skepsis aufgenommen, erklären sie. Nur 13 Prozent der Menschen fanden die Maßnahmen im Vorhinein gut, 76 Prozent war es egal, und elf Prozent waren dagegen. Mit dem Erfolg stieg allerdings die Akzeptanz: Danach hatte die Methode 54 Prozent Anhänger. Das mag damit verbunden sein, dass die Leute im Versuchsgebiet um bis zu 97 Prozent weniger von den Mücken gestochen wurden als anderswo. (APA)