Letztes Update am Mi, 11.09.2019 05:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

350 Gramm bei Geburt: Leichtestes Frühchen darf Klinik verlassen

In Innsbruck kam vor drei Monaten das leichteste je in Österreich geborene Frühchen zur Welt. Die Kleine hat sich ins Leben gekämpft – und darf am Mittwoch nach Hause.

In der Neonatologie der Innsbruck Kinderklinik wurde das Mädchen drei Monate lang versorgt. Jetzt darf es nach Hause, "in einem gesunden, robusten Zustand".

© Gerhard BergerIn der Neonatologie der Innsbruck Kinderklinik wurde das Mädchen drei Monate lang versorgt. Jetzt darf es nach Hause, "in einem gesunden, robusten Zustand".



Von Theresa Mair

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Innsbruck – Als das Baby vor über drei Monaten auf die Welt geholt wurde, waren alle überrascht. „Es war noch kleiner als vorhergesagt“, sagt Ursula Kiechl-Kohlendorfer, Direktorin der Uniklinik für Pädiatrie II. Das leichteste je in Österreich geborene Frühchen und eines der leichtesten Frühgeborenen weltweit war soeben auf die Welt gekommen. Das Mädchen wog gerade einmal 350 Gramm. Es hatte einen Kopfumfang von 20 Zentimetern und passte in eine Hand. Und es war von Anfang an eine Kämpferin. Heute wiegt es knapp 2,3 Kilogramm und darf mit seinen Eltern nach Hause gehen.

26 Wochen und drei Tage verbrachte das Kind im Mutterleib. Dann hörte es auf zu wachsen. „Es bestand das Risiko, dass es nicht überlebt“, sagt Kiechl-Kohlendorfer. Als die Kleine dann da war, „war sie relativ vital“.

Sie musste zu keinem Zeitpunkt maschinell beatmet werden und brauchte nur eine Atemunterstützung mit einer Maske, was selbst die Spezialisten an der Klinik beeindruckte. Schon ab dem zweiten Tag bekam sie über die Magensonde Muttermilch – 0,5 Milliliter alle drei Stunden. „Das ist wichtig, damit sich der Darm an Nahrung gewöhnt und der Aufbau schneller geht.“

Schlucken können so winzige Babys noch nicht. Deshalb wurde dem Mädchen noch 17 Tage lang teilkünstliche Ernährung mit einem Katheter über die Nabelschnur verabreicht. Der Rest war Hoffen und Bangen. Das Baby lag wochenlang im Inkubator, immer eine Pflegerin an seiner Seite. Auch die Mutter, die in den drei Monaten in der Klinik „wohnte“, durfte rund um die Uhr zum Kind.

„Die ersten Tage und Wochen sind kritisch. Wir arbeiten immer an der Grenze der Lebensfähigkeit. Da muss man hoffen, dass keine weiteren Komplikationen dazukommen“, sagt die Neonatologin. Kiechl-Kohlendorfer holt vor allem die pflegerische Leistung unter der Leitung von Heidi Köll vor den Vorhang.

„Das ist eine besondere Herausforderung.“ Diese haben alle miteinander offensichtlich hervorragend gemeistert. Das Mädchen ist laut Kiechl-Kohlendorfer robust und hat gut aufgeholt. Mutter und Kind haben sich in der Nachsorgestation schon aneinander gewöhnt und können nun heimgehen, wie jede andere Familie auch.

Frühchen so groß wie ein Apfel

245 Gramm: Mit 2,5 Kilo Gewicht konnte im Mai 2019 ein Mädchen aus dem Krankenhaus in San Diego (USA) entlassen werden, welches mit einem Geburtsgewicht von 245 Gramm im Dezember 2018 das Licht der Welt erblickt hatte. Saybie sei nicht größer als ein Apfel gewesen und laut der Klinik das weltweit leichteste überlebende Frühchen.

268 Gramm: Zu Jahresbeginn 2019 ging dieses Foto durch die Medien. In Tokio konnten Eltern mit ihrem kleinen Buben das Krankenhaus verlassen, nachdem dieser fünf Monate zuvor mit einem Gewicht von 268 Gramm auf die Welt gekommen war. Angeblich soll er das leichteste männliche Frühchen sein, das es je gegeben und das überlebt hat. Das Bild ganz rechts entstand kurz vor der Entlassung.