Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.10.2019


Gesundheit

Inspektorin Malia bringt den Schimmel ans Licht

Um versteckte Schimmelherde zu finden, setzt eine Tiroler Firma auf einen speziell ausgebildeten Spürhund. Verborgen soll nichts mehr bleiben.

Hunde erkennen Stoffe wie Benzol und alkalische Gerüche, die nur bei Lungenkrebspatienten in der Atemluft vorkommen.

© iStockHunde erkennen Stoffe wie Benzol und alkalische Gerüche, die nur bei Lungenkrebspatienten in der Atemluft vorkommen.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Der Partner mit der kalten Schnauze hilft dem Menschen schon seit Ewigkeiten dann, wenn der eigene Geruchssinn nicht ausreicht. So werden Spürhunde ausgebildet, um etwa nach Suchtmitteln, Sprengstoffen, Personen sowie Leichen oder auch nach Geld zu suchen. Seit Neuestem hat ein Vierbeiner in Tirol seinen Radar sogar auf Schimmel eingestellt.

Die 13 Monate alte Hündin Malia wurde vor allem darauf trainiert, versteckte Schimmelherde in Gebäuden zu lokalisieren. „Man kann zwar in der Luft gute Messungen machen, aber wenn der Schimmel optisch nicht sichtbar ist, gibt es kein technisches Gerät, um Schimmel zu finden“, erklärt Hundehalter Walter Schaffer von der Firma Leckotech. Aus diesem Grund hat er sich entschlossen, seine Belgische Schäferhündin zu einer Schimmelspürhündin ausbilden zu lassen.

Der Steinacher hat die Rasse natürlich nicht aus Zufall gewählt. „Sie hat einen sehr hohen Trieb, das ist wichtig, sonst kann man nichts beibringen. Zudem ist sie sehr lernfähig“, so der 29-Jährige. Hunde mit einer platten Nase seien nicht so geeignet, da sie nie dieselbe Genauigkeit wie ein Hund mit ausgeprägter Schnauze erzielen. Allgemein können Hunde bis zu eine Million Gerüche unterscheiden, die Nasenschleimhaut eines großen Tieres enthält sogar über 200 Millionen Riechzellen.

Für die Ausbildung muss abgewartet werden, bis das Tier erstmals läufig ist. Erst dann ist der Hormonhaushalt in Ordnung. „Als Malia neun Monate alt war, haben wir angefangen, sie auszubilden. Davor ist es sehr schwierig.“ Nur vier Monate später hat Malia ihr Zielniveau erreicht, nun folgt lediglich der Feinschliff – so wird die Geschwindigkeit trainiert. „Menschen unterschätzen die gesundheitlichen Konsequenzen durch Schimmel oft. Der Hund kennt und findet alle gängigen Schimmelarten“, ist Schaffer zufrieden. Läuft alles nach Plan, wird das Tier bis zu seinem zehnten Geburtstag Gebäude durchschnüffeln.

Was hierzulande noch relativ neu ist, gibt es in anderen Ländern schon lange Zeit. „In Österreich werden Schimmelspürhunde seit etwa ein bis zwei Jahren ausgebildet. In Deutschland, Schweden oder auch Holland setzt man schon seit 15 Jahren darauf“, so der gelernte Installateur.

Zum Einsatz kommt Malia vor allem bei Wasserschäden, vor Sanierungen oder auch bei Wohnungskäufen. „Für Immobilienkäufer ist es wichtig, da oft versucht wird, Schimmel zu kaschieren, oder viele gar nicht merken, dass sie Schimmel in der Wohnung haben“, so Schaffer. Wie lange die Hündin braucht, um in einer Wohnung alles zu untersuchen, sei unterschiedlich und hänge von der Stärke des Befalls ab. „Wenn keiner da ist, ist es gleich erledigt.“

Ohne Befehl würde das Tier am Schimmel wohl vorbeilaufen. „Sonst wäre sie am Ende des Tages fertig“, so Schaffer. Denn eine Suchaktion bringt das Tier an seine Grenzen. Pro Minute atmet die Hündin 300-mal ein und aus. „Nach einem Einsatz braucht sie eine Pause von zumindest einer Stunde.“ Je nach Tagesverfassung können maximal zwei Einsätze durchgeführt werden. Als Belohnung gibt es einen Ball. „Ihr geht es nicht um den Schimmel“, weiß Schaffer.

Um seine Wegbegleiterin nicht zu überfordern, versucht Schaffer, die Suche auf Räume einzugrenzen. Der Stundensatz für Hund und Hundeführer liegt bei 105 Euro. Im Dienst ist Malia wieder ab nächster Woche, denn aktuell ist sie der Stargast der heurigen Herbstmesse.

Die Super-Nasen

Krebs: Hunde erkennen Stoffe wie Benzol und alkalische Gerüche, die nur bei Lungenkrebspatienten in der Atemluft vorkommen. Die Trefferquote einer Suchhundestaffel eines Steirers liege bei 70 bis 90 Prozent, und das zu Beginn der Krankheit.

Keim: Beagle „Cliff“ bewies, dass Hunde bestimmte Klinikkeime erschnüffeln können. Zudem kann das Tier auch Infektionen riechen. Zu 98 Prozent erkannte er das Bakterium.

DNA: Eine zweijährige Studie ergab, dass Hunde DNA riechen können. Experten äußern aber Zweifel daran.