Letztes Update am Sa, 30.11.2019 11:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

„Grüner Star“: Die Krankheit, die schleichend blind macht

Menschen in Afrika südlich der Sahara sind doppelt so häufig von Glaukomen betroffen wie Menschen in Europa. Die Diagnose und Behandlung kommen oft zu spät.

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© APA (Schwab)(Symbolbild)



Von Gunther Lichtenhofer, APA

Addis Abeba, Gondar – Der „Grüne Star“ kommt schleichend. Er verursacht keine Schmerzen, und der Patient bemerkt ihn zunächst nicht. Wenn er Probleme mit seinen Augen wahrnimmt, ist es oft zu spät und der Kranke steht kurz vor der Erblindung, zumindest an einem Auge. Augenärzte können nur den Status quo erhalten. Nicht zuletzt deshalb ist die rechtzeitige Diagnose umso wichtiger.

In Afrika südlich der Sahara ist der „Grüne Star“, auch Glaukom genannt, für jede siebente Erblindung verantwortlich, so die Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, „Licht für die Welt“. An Glaukomen erkranken dort doppelt so viele Menschen wie in Europa. Den Gründen dafür waren österreichische Journalisten in Äthiopien, genauer in Gondar, etwa 420 Kilometer nordnordwestlich der Hauptstadt Addis Abeba, auf der Spur.

Alemu Mamoye ist ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose ist. Der 50-Jährige leidet seit etwa sieben Jahren unter „Grünem Star“. Mamoye lebt in der Universitätsstadt Gondar und arbeitet für einen Verlag. „Ich fand das per Zufall heraus. Ich wachte auf und glaubte, dass ich etwas im Auge habe“, schildert er seine Krankheitsgeschichte. „Ich wollte das lieber gleich im Krankenhaus abklären lassen.“ Betroffen war vor allem das linke Auge.

Keine Schmerzen, aber kleineres Sichtfeld

Zum einen hatte Mamoye keine lange Anfahrt in die Universitätsklinik von Gondar, wo es Spezialisten für Glaukome gibt. Die Klinik hat ein Einzugsgebiet von etwa 400 Kilometer im Umkreis, etwa 15 Millionen Menschen leben in diesem Gebiet. Zum anderen wusste der 50-Jährige Bescheid über Glaukome: „Ich habe von der Krankheit auf Plakaten erfahren. Da wusste ich, dass das etwas Ernsthaftes ist, mit dem man sich besser nicht spielt.“

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Schmerzen habe er keine gehabt. „Aber es wurde nach und nach schlechter, das Sichtfeld wurde kleiner. Der Doktor verschrieb mir Tropfen und jetzt gerade gab es die Operation.“ Mamoye kam rechtzeitig. Die Ärzte konnten seinen Status quo erhalten, der Patient kann seinem Beruf nach wie vor nachgehen. Vor allem wurde das rechte Auge de facto voll funktionsfähig erhalten. Doch das Beispiel Mamoye ist nicht typisch. Die meisten Patienten kommen zu spät zu den Glaukom-Spezialisten, von denen es in Äthiopien ohnehin zu wenig gibt. Die Krankheit verläuft in der Regel schmerzfrei, die Betroffenen wissen oft nicht, was mit ihnen los ist.

Es ist bekannt, dass ethnische Zugehörigkeit bzw. Hautfarbe einer der Risikofaktoren für das Auftreten von Glaukomen ist. Dunkelhäutige Menschen haben ein etwa fünf Mal höheres Risiko, an „Grünem Star“ zu erkranken, als hellhäutige, heißt es etwa beim Berufsverband der Augenärzte Deutschlands und bei der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Das hängt mit der Stärke der zentralen Hornhaut zusammen. Bei dunkelhäutigen und asiatischen Menschen ist sie deutlich dünner als bei hellhäutigen. Nicht zuletzt deshalb sind Glaukome in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara ein wesentlich größeres Problem als in Europa.

Weitere Risikofaktoren sind das Alter, genetische Prädispositionen, das Geschlecht - Frauen erkranken etwas häufiger als Männer an Glaukomen - und nicht zuletzt der Lebensstil. Diabetes kann ein Faktor sein, hoher Alkoholkonsum wegen seiner diuretischen (harntreibenden, Anm.) Effekts ebenso.