Letztes Update am Sa, 06.04.2013 17:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktion in Wien

Homöopathie-Kritiker planen Einnahme von „Massen-Überdosis“

Die Skeptiker wollen mit der Aktion die „Wirkungslosigkeit der beliebten Globuli demonstrieren“.



Wien - Am 10. April werden Homöopathie-Skeptiker am Wiener Stephansplatz im Selbstversuch öffentlich eine „Überdosis“ homöopathischer Präparate zu sich nehmen. Mit der Aktion der „Skeptiker - Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) unter dem Motto „Nichts drin, nichts dran“ soll die „Wirkungslosigkeit der beliebten Globuli demonstriert werden“, wie es heute, Freitag, in einer Aussendung heißt.

Die Kritiker stoßen sich vor allem daran, dass in der Homöopathie davon ausgegangen wird, dass sich die Wirksamkeit eines Mittels mit zunehmender Verdünnung der sogenannten „Ursubstanzen“ erhöht. Ab einem gewissen Verdünnungsgrad ist daher rein rechnerisch kein einziges Molekül der Ursubstanz mehr enthalten.

„Wir nennen unsere Aktion ‚10:23‘. Die Bezeichnung spielt auf die Avogadro-Zahl an, die kurz gesagt bedeutet, dass ab einer Verdünnung von 1 zu 10 hoch 23 kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden ist“, wird der theoretische Physiker Heinz Oberhummer, selbst GWUP-Mitglied, in der Aussendung zitiert. „Kein Wunder, dass Homöopathika in wissenschaftlichen Studien nur Placebo-Wirkung zeigen“, so der Skeptiker.

Die Wiener Skeptiker werden hoch verdünnte Globuli mit Namen wie „Phosphorus“ (Phosphor), „Arsenicum“ (Arsen) und „Strychnos nux vomica“ (Brechnuss) einnehmen. Diese würden aber tatsächlich aus reinem Zucker bestehen. Das, was auf dem Etikett steht, sei in dem Mittel nicht enthalten, erklärt die GWUP.

Mit der Veranstaltung will man am Geburtstag des Homöopathie-Erfinders Samuel Hahnemann einen Gegenpol zur alljährlich rund um dieses Datum stattfindenden internationalen Woche der Homöopathie (10. bis 16. April) bilden, wie der GWUP-Vorsitzende Ulrich Berger gegenüber der APA erklärte. Die Idee zu der Aktion entstand in Großbritannien, wo 2010 erstmals die Einnahme einer „Massen-Überdosis“ organisiert wurde. Für kommenden Mittwoch rechnet Berger mit „mehr als zwei Dutzend“ Teilnehmern. (APA)




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