Letztes Update am Do, 24.10.2013 07:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Nicht zu schnell zu hoch hinauf

Ob Trekkingreisen oder Achttausender: Wer hoch hinauf will, muss sich mit dem Thema Höhenkrankheit auseinandersetzen. Auch auf der Alpinmesse sind dazu Vorträge geplant.



Von Irene Rapp

Innsbruck – 25. September 2013: Der Innsbrucker Hannes Gröbner und der Jochberger Sepp Hechenberger stehen ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff am 8163 Meter hohen Manaslu. Gesundheitliche Probleme gibt es keine, auch die Abfahrt auf Skiern bis ins Basislager bereitet keine Schwierigkeit. Und das, obwohl Aufenthalte in derartiger Höhe immer mit einem Risiko verbunden sind, speziell ab 7000 Metern – in der so genannten Todeszone.

Der Grund: Durch den niedrigeren Sauerstoffdruck in zunehmender Höhe kann der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und gerät in der Folge in Stress. Ein Beispiel: „Bereits ab 3000 bis 3900 Metern wird das Blut nur noch mit 87 bis 92 Prozent Sauerstoff gesättigt“, weiß der Innsbrucker Allgemein- und Höhenmediziner Christian Pegger.

Der Körper kann auf diesen Sauerstoffmangel unterschiedlich reagieren: Entweder mit den verschiedenen Formen der Höhenkrankheit – u. a. von Kopfschmerzen und Übelkeit bis zum Höhenlungen- oder -hirnödem. Oder aber der Aufenthalt in derartigen Höhen bereitet kein Problem, so wie im Fall der Tiroler Gröbner und Hechenberger am Manaslu.

„Wir waren einfach sehr gut vorbereitet“, erzählt Gröbner. Der Innsbrucker hatte in den Wochen zuvor lange Bergtouren unternommen, war viel laufen. Die letzten drei Wochen vor Reiseantritt nach Asien gab es dann noch ein spezielles Programm: Um den Körper noch intensiver auf die ungewohnte Herausforderung vorzubereiten, trainierte Gröbner am Laufband in einer speziellen Höhenkammer, in der die Luftverhältnisse in großen Höhen simuliert werden können.

Aber auch vor Ort – am Manaslu selbst – gingen es die Bergsteiger mit Ruhe an. Und befolgten Regeln, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden. „Go high, sleep low“ – hoch hinaufgehen, herunten schlafen – lautet etwa eine davon. Nicht zu schnell zu hoch aufsteigen lautet eine weitere Empfehlung: Auch sollte man die Schlafplätze von einer Nacht auf die nächste höchstens um 300 bis 500 Meter nach oben verlegen. „Und wenn die Schlafhöhe um insgesamt 1000 Höhenmeter hinaufgeschoben wurde, dann sollte man eine zweite Nacht auf derselben Höhe verbringen“, so Gröbner. Durch dieses langsame Hinauftasten habe der Körper die Möglichkeit, sich an den Sauerstoffmangel anzupassen.

Allerdings muss die beste Vorbereitung, die beste Akklimatisation vor Ort nicht zwangsläufig Problemfreiheit bedeuten. „Die Höhenkrankheit kann jeden treffen – unabhängig vom Alter, vom Geschlecht und vom Fitnessgrad“, sagt Pegger. Laut Schätzungen sind von der milden Form der Höhenkrankheit – mit Kopfschmerzen, Übelkeit u. a. m. – 40 bis 50 Prozent der Alpinisten betroffen. „Doch vielen Bergsteigern ist nicht bewusst, welche Risken der Aufenthalt in derartigen Höhen bietet“, so der Mediziner. So sei derzeit etwa der Kilimandscharo in Afrika bei den Tirolern sehr beliebt. Dass es dort aber jedes Jahr Tote in Folge der Höhenkrankheit gebe, werde gerne verdängt.

Pegger rät daher zu einer gut geplanten Vorbereitung, wenn es an eine derartige Tour geht. Mit einem Höhenverträglichkeitstest könne etwa bereits im Vorfeld „ein restveranlagtes Risiko festgestellt werden, eine schwere Höhenkrankheit zu erleiden.“ Die Vorakklimatisierung (Höhenkammer usw.) sei ein Eckpfeiler der Vorbereitung, die Einhaltung bestimmter Empfehlungen vor Ort ein weiterer. Wovon Pegger abrät: prophylaktisch Medikamente – wie etwa Diamox oder Kortikosteroide – einzunehmen. „Sich Zeit lassen“, rät auch Gröbner, der Geschäftsführer des Reiseveranstalters Clearskies ist. In dieser Eigenschaft ist er immer wieder mit Gästen unterwegs und weiß vor allem eines: „Die Leute müssen am Anfang regelrecht eingebremst werden, um sich gut an die Höhe anpassen zu können.“