Letztes Update am Mi, 08.04.2015 19:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Antikörper können HIV im Blut unterdrücken

Durch die von US-Forschern künstlich erzeugten Antikörper reduziert sich die HI-Viruslast deutlich.

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© dpa/Oliver Berg(Symbolfoto)



New York, London – Eine neue Generation von künstlich erzeugten Antikörpern gegen die Aids-Erreger kann offenbar die Virusbelastung im Blut stark reduzieren. Das hat eine erste klinische Studie an Infizierten in den USA ergeben. Die Strategie stammt aus dem Labor von Michel Nussenzweig (Rockefeller University/New York) und wurde jetzt in „Nature“ präsentiert.

Antikörper gegen die Aids-Viren werden schon seit vielen Jahren als mögliche Therapeutika gegen die Infektion mit dem Immunschwächevirus betrachtet. Auch Wiener Biotech-Spezialisten um Hermann Kattinger (BOKU-Wien) haben sich damit beschäftigt.

Nussenzweig vom Labor für Molekulare Immunologie der Universitäts in New York und seine Co-Autoren schreiben dazu: „Die HIV-Immuntherapie mit einer Kombination von monoklonalen Antikörpern der ersten Generation war in präklinischen (Tierversuche; Anm.) und klinischen Studien zum größten Teil nicht wirksam und wurde wieder aufgegeben.“

Nunmehr gebe es aber eine neue Generation von solchen Antikörpern. Die Wissenschafter konstruierten mit 3BNC117 einen solchen Antikörper, der exakt die Bindungsstelle von HI-Viren an ihrem Ziel, den CD4-positiven Zellen, erkennt. Die Fachleute fanden heraus, dass die Antikörper von 237 im Labor getesten HIV-1-Stämmen 195 neutralisieren konnte.

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Die Wissenschafter verabreichten die monoklonalen Anti-HIV-Antikörper zwölf nicht infizierten und 17 HIV-positiven Probanden in steigender Dosis. Bei den Infizierten kam es nach einer Infusion zu einem Rückgang der Zahl der HI-Viren im Blut über einen Zeitraum von 28 Tagen hinweg. Die Viruslast reduzierte sich dabei auf bis zu weniger als ein Hundertstel des Ausgangswertes. Die monoklonalen Antikörper waren gut verträglich.

„Die Immuntherapie sollte als neue Modalität zur Prävention, Therapie und Heilung von HIV-Infektionen untersucht werden“, schrieben die Fachleute in ihrer Zusammenfassung. Michel Nussenzweigs Familie hat ihre Wurzeln zum Teil in Wien. Seine Mutter, Ruth S. Nussenzweig wurde in Wien geboren. Die Familie floh vor den Nationalsozialisten nach Brasilien. Sie wurde in Brasilien und den USA zu einer der führenden Parasitologinnen und beschäftigte sich auch mit der Entwicklung eines Malaria-Impfsoffs (GlaxoSmithKline). Vater Victor Nussenzweig wurde in Fachkreisen für seine immunologischen Forschungen - ebenfalls in Brasilien und den USA - bekannt. (APA)