Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Wohnen

Das Bewahren wertvoller Substanz

Um einen alten Hof inmitten eines Dorfzentrums zu erhalten und ihm neues Leben einzuhauchen, braucht es viel Einfühlungsvermögen und ein behutsames Vorgehen aller Beteiligten.

Der alte Hof prägt schon seit Jahrhunderten das Dorfzentrum und ist dank der gelungenen Revitalisierung heute wieder voller Leben.<span class="TT11_Fotohinweis">Fotos: Christof Simon</span>

© Der alte Hof prägt schon seit Jahrhunderten das Dorfzentrum und ist dank der gelungenen Revitalisierung heute wieder voller Leben.Fotos: Christof Simon



Von Caterina Molzer-Sauper

Patsch – Mit Hilfe mehr oder weniger großer Sanierungsmaßnahmen ist es oftmals möglich, in die Jahre gekommene Gebäude komfort- und haustechnisch auf den neuesten Stand zu bringen, ohn­e dabei ihren traditionellen Charme zu zerstören. Gerade in diesem Falle war die sanfte Renovierung des qualitäts­vollen Bestandes für das gesamt­e Ortsbild ein Gewinn.

Der dominante Hof im Dorfzentrum von Patsch über der Landeshauptstadt stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und stand bereits seit dem Jahre 2009 leer.

Seit über hundert Jahren ist das Haus in Familienbesitz der engagierten Bauherren Bernhard Mair und Bettina Maurer, welche sich dazu entschlossen haben, das Gebäud­e zu revitalisieren und auch wieder selbst zu bewohnen. Mit Hilfe von Architekt Peter Nussbaumer, dem Holzbauspezialisten Andreas Plunser von Holzbau Aktiv und vieler erfahrener, einheimischer Firmen wurde der Hof generalsaniert. Das alte Gemäuer im Erdgeschoß, welches die Familie mit ihren beiden Kindern Andreas und Johanna heute selbst bewohnt, konnt­e großteils erhalten bleiben, während die Aufstockung darüber in moderner Holzbauweise erfolgte und zwei Wohneinheiten beherbergt. Der Holz-Riegelbau mit Lärchenverschalung spiegelt die Grundstruktur des ursprünglichen Gebäudes wider und hält sich an die klaren Vorgaben des Ortsbildschutzes.

„Da die Familie selbst mit dem Tischlerhandwerk sehr vertraut ist und mit viel Lieb­e zum Detail an die Sache herangegangen ist, war dies ein­e ganz besonders schöne Zusammenarbeit für uns“, so Holzbaumeister Andreas Plunser.

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Einige traditionell wichtige Elemente, wie beispielsweise das sorgsam restaurierte Heiligenbild an der Fassade oder die aus Altholz liebevoll gefertigte Bauernstube, erstrahlen heute in neuem Glanze. Die Wohnqualität im Inneren des Hauses, in dem die Familie heute ihr Leben genießt, entspricht voll und ganz der eines modernen Wohnhauses. Helle, freundliche Räume mit passivhaustauglichen Elementen ausgestattet und ein neuer Wohn-Wintergarten geben dem altehrwürdigen Bestand ein zeitgemäßes Ambiente und dennoch bleibt dessen wertvolle Substanz deutlich spürbar.

Man erlebt, wie die Jahrhunderte ineinander übergehen und miteinander verschmelzen. Diese Art der Revitalisierung, welche besonders auf dem Weg von der Küche im alten Gewölbe zum neuen Wintergarten sichtbar wird, versprüht eine reizvolle Spannung durch das Aufeinandertreffen modernen Wohnens und bäuerlicher Gemütlichkeit.

Die schlichten weißen Oberflächen in Kombinatio­n mit den naturbelassenen Holz­oberflächen bescheren der Bauherren-Familie viel Licht und Luftigkeit in den neuen, großzügigen Räumlichkeiten.

„Die Zusammenarbeit mit den engagierten Firmen, die sich so großartig auf das Abenteuer Revitalisierung eingelassen haben, war eine tolle Erfahrung für uns“, meint Bernhard Mair dankbar.