Letztes Update am Fr, 09.06.2017 13:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Das Leder, aus dem die Träume sind

Mit Entschlossenheit, Disziplin und geschicktem Networking wurde Marina Hoermanseder zum Shootingstar der Modebranche. „Ich bin ein Mädchen, das seinen Traum lebt“, sagt sie.

© Rudy De Moor / TTDesignerin Marina Hoermanseder.



Sie ist der Darling der Berliner Fashion Week, Superstars wie Lady Gaga und Rihanna tragen ihre Korsetts, die ebenso wie die Lederriemenröcke zum Markenzeichen geworden sind. Die 1986 in Wien geborene Designerin Marina Hoermanseder hat mit ihrem 2013 gegründeten Modelabel einen Senkrechtstart hingelegt. Am Rande der Reihe „Designer Talks“ in den Swarovski Kristallwelten sprach die 30-Jährige mit der TT über 18-Stunden-Tage, Fetisch-Mode und die Kunst, Geschichten zu erzählen.

Warum haben Sie vor Ihrem Modestudium in Berlin einen Master in Wirtschaft gemacht?

Mein Vater hat gesagt, ich soll was G’scheites lernen und deshalb habe ich erst IWL in Wien studiert, bevor ich Mode machen durfte. Im Nachhinein bin ich ihm aber wirklich dankbar. Einerseits ist es eine gute Story, und andererseits habe ich viel gelernt, was ich jetzt brauche. Die Leute, die glauben, dass ich den ganzen Tag vor der Staffelei sitze und nur zeichne und designe, liegen leider falsch.

Sie werden der „weibliche Alexan­der McQueen“ genannt. Das Praktikum bei ihm hat Sie sichtlich beeinflusst.

Was die Körpernähe anbelangt, auf jeden Fall. Es war Zufall, dass das geklappt hat. In den fünf Monaten bei McQueen in London habe ich gelernt, was es heißt, zu arbeiten. 18 Stunden am Tag Vollgas, jeden Tag. Wenn man etwas erreichen will, dann gibt es kein Auf-die-Uhr-Schauen. Das gibt es bei mir bis heute nicht.

Sie haben nach wie vor 18-Stunden-Tage?

Fast immer. Mittlerweile habe ich aber gelernt, auch mal einen Sonntag freizunehmen: Irgendwann muss man sich die Kraft zurückholen. Aber ich habe gerade auch in Österreich so ein positives Feedback! Ich weiß, dass viele Menschen an mich glauben, und das ist ein Motor, der mir Kraft gibt.

Ihre Arbeit, vor allem die Lederkorsetts, hat von Anfang an durch hohe Qualität überzeugt.

Man darf nicht alles auf den Laufsteg schicken, das muss auch beim genauen Hinsehen absolute Perfektion haben. Ich bin zwei Wochen in Berlin bei einem alten Sattler- und Orthopädietechniker gesessen und habe mir jeden Schritt, jedes Werkzeug erklären lassen. So hab’ ich gelernt, selbst die Lederskulpturen zu machen. Es ist sehr wichtig für mich, dass ich das Handwerk kann.

Ihre Mode findet auch in der Fetisch-Szene Abnehmer. Stört Sie das?

Gar nicht, ich spiele natürlich damit. Die Kunden der Fetisch-Szene geben zum Teil viel mehr Geld aus als andere. Wenn man Leder und Schnallen verwendet, liegt es nahe, dass man an Fetisch denkt, aus dem Grund habe ich bis zu diesem Winter auch nie Schwarz in den Kollektionen verwendet. Es kann Fetisch sein, aber elegant – das ist mein Anspruch.

Von den Korsetts ging es weiter zu Blümchen und Dirndl. Sie kooperieren u. a. auch mit Hello Kitty. Trotz dieser Niedlichkeit scheint es bei Ihnen stets etwas Untergründiges zu geben.

Es ist einfach ein gewisses Mysterium, dass sich das Label aufgebaut hat. Dieser Orthopädie-Charakter, dann auch noch Fetisch, dann aber Pastellblumen und dazu noch liebe Seidenkleider – es ist der Kontrast, der das ausmacht. Man kann mich, glaub’ ich, nicht ganz einordnen. Das macht, hoffe ich, einen gewissen Reiz aus.

Kooperationen, von Nike über Swarovski bis Wolford, haben Ihnen den Beinamen „Queen of Co-Branding“ eingebracht. Limitiert das nicht?

Es kommen auch Fragen wie ,Marina, ist das nicht inflationär?‘. Nein, es ist für mich großartig: Es bedeutet Reichweite, es multipliziert sich. Durch Kooperationen mit EOS zum Beispiel, wo wir überall die Schnalle draufhauen, habe ich die Möglichkeit, in jedem Drogeriemarkt im deutschsprachigen Raum zu stehen. Wenn man eine Marke liebt und sich davon einen Lidschatten kaufen kann für 2,99 Euro, dann stehe ich zu 100 Prozent dahinter. Ich als Konsument hätte genauso Freude daran.

Mit Kooperationen lässt sich auch Geld verdienen.

Diese Kooperationen bedeuten natürlich Einkünfte für mich. Das Image, das ich mir aufgebaut habe, kann ich jetzt ganz einfach verkaufen. Meine Schnalle hat einen Wert. Und ich kann in Kooperation Produkte schaffen, die ich alleine nie hätte machen können: Strümpfe, Lippenbalsam, Make-up.

Sie haben Preise gewonnen, werden u. a. von der Vogue gepusht. Würde es ohne Fans wie Lady Gaga gehen?

Celebritys bedeuten einerseits Presse, auf der anderen Seite Absatz. Vor ein paar Wochen zum Beispiel hat Model Gigi Hadid eine meiner Hosen getragen, die war am nächsten Tag ausverkauft. Storys erzählen zu können, ist mein halbes Leben.

Welche Promi-Geschichten haben Sie noch auf Lager?

Wir kooperieren mit Christian Louboutin, das ist unser Schuhpartner. Meine Mutter hat ihn auf Kur kennen gelernt und sich das Fußbad neben ihm geben lassen. Seitdem ist Louboutin fixer Partner.

Das Interview führte Silvana Resch