Letztes Update am Mo, 09.10.2017 10:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Promi-Kinder

Von Baby auf zum Model gedrillt

Kaia Gerber, Lily-Rose oder Romeo: Viele Promikinder machen als Models Karriere. Doch der Druck, so erfolgreich zu sein wie ihre legendären Eltern, lastet zentnerschwer auf den Teenagern.

© APA/AFP/ANGELA WEISSSchön wie Mama Cindy Crawford: Kaia Gerber.



Kaia Gerber ist 16, bildhübsch, zaundünn. Und vor allem das Abbild ihrer Mutter: 90er-Jahre-Model­ikone Cindy Craw­ford. Und damit sind wir schon mittendrin in Kaias Dilemma. Denn als „die Tochter von“ sind ihr die Kritiker so sicher wie Mamas Beauty-Gene. Auf ihrem Instagram-Account sind Kommentare wie „Du bist hübsch, aber deine Mum ist eine Legende“ oder „Dein Erfolg ist lediglich das Ergebnis von Nepotismus“ noch die harmlosesten. Zweifelsohne katapultieren sich Designer mit Kaias Auftritt ohne viel Zutun in die Schlagzeilen. Kein Wunder, dass bei der diesjährigen Fashion Week in New York keine Show – egal, ob Saint Laurent, Calvin Klein, Versace oder Fendi – ohne den brünetten Teenie über die Bühne ging.

Von „sweet sixteen“ ist bei der Kalifornierin freilich nicht mehr viel übrig. Ihre Markenzeichen sind knappe Kleidchen, eine sinnliche Wallemähne und das lolitahafte Kussmündchen. Bereits als 13-Jährige wurde ihr eine große Karriere prophezeit. Sexy Fotostrecken im Schulmädchenlook in der Teen-Vogue waren schließlich der direkte Weg in den Modelolymp.

Rafferty Law, Sohn von Schauspieler Jude Law, marschierte bei Dolce & Gabbana über den Laufsteg.
- AFP

Denselben Job ergriff – mehr oder weniger freiwillig – Boris-Becker-Tochter Anna Ermakova. Bereits als Kleinkind wurde sie von ihrer Mutter im Fernsehen vorgeführt, tanzte vor der Kamera oder präsentierte ihre pinken Tütüs. Heute ist die 17-Jährige Model. Doch ihre Auftritte stehen stets unter Vitamin-B-Verdacht. Kommentare wie „Boris und Anna – ein Gesicht“ kommen so sicher wie das Amen im Gebet.

Ob die Promikinder ihren Karriereweg wirklich so „freiwillig“ einschlagen, wie ihre Eltern immer erzählen? Fakt ist: Wer schon seit Babytagen unter Dauerbeobachtung der Medien steht und den Kult um die Schönheit von seinen Eltern vorgelebt bekommt, fixiert sich irgendwann zwangsläufig darauf. Wäre Kaia Meeresbiologin oder Mechanikerin, würde kaum ein Hahn nach ihren buschigen Augenbrauen oder ihrem Frühstücksverhalten krähen. Nun ist es aber genau das, was ihre Beobachter bewegt. „Sie hat meine alten Beine“, soll Cindy Crawford über Kaias 87-Zentimeter-Stelzen gesagt haben. Und „diese Beine“ will die Welt jetzt sehen.

Topmodel Georgia May Jagger ist die Tochter von Mick Jagger modelt u.a. für Sisley, Versace und Miu Miu.
- AFP

Kritischen Augen ist auch die Tochter von Johnny Depp und Vanessa Paradis, Lily-Rose, ausgesetzt. Die 18-Jährige ist nicht nur die neue Muse von Karl Lagerfeld, sondern eröffnete als Schauspielerin auch das diesjährige Filmfestival in Cannes. Sie wirkt zerbrechlich und befeuert damit ständig neue Magersuchtsgerüchte. Um den ständigen Vergleich mit den berühmten Eltern zu ertragen, braucht es wohl mehr als ein dickes Fell. Bestes Beispiel: Brooklyn Beckham. Der älteste Beckham-Spross arbeitete bereits als Model und war 2016 bei der Burberry-Brit-Parfümkampagne als Fotograf im Einsatz. Kritiker zerrissen sich das Maul über den 18-Jährigen. Er habe weder Talent noch Modelmaße.

Topmodel Georgia May Jagger ist die Tochter von Mick Jagger modelt u.a. für Sisley, Versace und Miu Miu.
- AFP

Derartige Gehässigkeiten müssen sich auch andere Neo-Models mit berühmten Familiennamen anhören. Sistine Stallone (19), Dylan Penn (26) oder Cosima Auermann (19), Tochter von Nadja Auermann (das Model mit den längsten Beinen der Welt), können ein Lied davon singen.

Der 20-jährige Rafferty Law, Filius von Schauspielstar Jude Law, lief im Februar zusammen mit Kaias Bruder Presley (18) für Dolce & Gabbana über den Laufsteg. Prompt verpasste man den beiden das Prädikat „A-List-Mini-Mes“ (zu Deutsch: A-Promi-Kleinausgaben). Kein Wunder also, dass der berühmte Name für Rafferty Fluch und Segen zugleich ist, wie er in einem Bunte-Interview bekannte. Er wolle schließlich anerkannt werden für das, was er leiste.

Dick im Geschäft: Romeo Beckham ist schon seit Jahren das Gesicht von Burberry.
- AFP

Fesch in die Kamera zu gucken oder einen großen Namen zu tragen, ist für ein langfristiges Überleben im Showbiz aber zu wenig. Ihren eigenen Weg zu gehen und sich dabei nicht verheizen zu lassen, bleibt für die Promikids ein Kampf. Für den ihnen hoffentlich Mama und Papa hin und wieder eine Portion Pasta kochen. Selbst wenn ein Teller Salat fürs Figürchen besser wäre. (Kathrin Siller)

Dick im Geschäft: Romeo Beckham ist schon seit Jahren das Gesicht von Burberry.
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