Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.12.2017


Exklusiv

Auf einen Kaffee bei Lizette in Hall

Lizette Zöschg ist ein Unikat. Mit ihrem schnuckeligen Café in Hall hat die lebenslustige Südafrikanerin etwas Besonderes geschaffen. Ihre Gäste sollen sich wie bei Mama fühlen.

© Thomas Boehm / TTMit ihrem schnuckeligen Café in Hall hat die lebenslustige Südafrikanerin etwas Besonderes geschaffen.



Von Nicole Strozzi

Hall i. T. – Die meisten Passanten in Hall sind an diesem eisigen Wintermorgen in Grau und Schwarz gehüllt. Nur nicht Lizette, die trägt Pink und strahlt pure Lebensfreude aus. In Hall ist die quirlige Südafrikanerin schon längst zu einer Marke geworden, ihr kleines Café auf dem Weg zum Unteren Stadtplatz ist Kult.

Mit ihrem „Manni“ (Luis aus Südtirol) ist sie seit 32 Jahren glücklich.
- zöschg

Seit April schupft die 53-Jährige ihr Café@Lizette im Alleingang. Nur ihre Tochter Jasmin (28) hilft ihr gelegentlich aus, verrät die Powerfrau bei unserem Besuch. „Ich bin der Typ Mama, habe selbst vier Kinder und bin es gewohnt, anzupacken“, erzählt Lizette, während sie Kaffee auftischt. Wie bei Mama sollen sich daher auch ihre Gäste fühlen. Die meisten kommen zum Frühstücken in das Tagescafé mit Wohnzimmerflair.

„Genieße das Leben, du bist länger tot als lebendig!“, steht da auf einem der vielen Schilder an der Wand geschrieben. Und genau das ist Lizettes Motto: „Wir sollten viel öfter alle zusammensitzen, reden, lachen, essen und den Moment genießen“, sagt sie. Mit der doch recht zurückhaltenden Art und Grundskepsis der Tiroler hat das Energiebündel überhaupt kein Problem: „Ach, ich sage immer, Tiroler sind wie gefrorenes Gemüse, wenn sie erst einmal auftauen, dann sind knackig frisch und du hast einen Freund für die Ewigkeit.“ Wegen ihrer Hautfarbe angefeindet wurde sie noch nie. Rassisten seien für sie überhaupt die dümmsten Menschen der Welt, es könne doch keiner etwas dafür, wo er geboren wurde.

Geboren ist Lizette in einem Vorort von Kapstadt. Nach Tirol hat es die vierfache Mama der Liebe wegen gezogen. Vor 32 Jahren lernte sie ihren Manfred „Manni“ Zöschg, bekannt als „Luis aus Südtirol“, während eines Urlaubs in Tirol kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Lizette. Die damals 20-Jährige war auf der Durchreise und machte Halt im Hotel Maria Theresia, das damals Mannis Schwiegereltern gehörte. Auch Manfred verbrachte damals seinen „Urlaub“ in Tirol, denn er arbeitete zu der Zeit als Mechaniker – wie es der Zufall so will – in Südafrika. Südafrika brachte die zwei ins Gespräch und den privat sonst so schüchternen Manfred dazu, über seinen Schatten zu springen und seine Traumfrau anzuquatschen.

Das war der Beginn einer großen Liebe. Lizette brach ihr Linguistik-Studium ab, ging zu Manni nach Johannesburg. Aber, „wie das so ist, wenn eine Afrikanerin mit einem Tiroler zusammenkommt“, entpuppte sich diese Liaison als heiße Verbindung: Lizette wurde gleich mit ihrem ersten Sohn Nico schwanger. Die drei zogen nach Tirol, dort wurde sofort geheiratet und aus Lizette Francis wurde Lizette Zöschg. „Da kannst du auch nichts machen“, lacht Lizette über ihren neuen Nachnamen.

Ihr Café hat Lizette liebevoll eingerichtet.
- Thomas Boehm / TT

Auch die Operation Baby funktionierte in Tirol bestens. Nur ein Jahr nach Nico kam Julian auf die Welt, nach 20 Monaten folgte Jasmin und acht Jahre später Adrian.

Innerhalb von drei Monaten brachte sich das sympathische Redhaus selbst Deutsch bei. „Ich habe immer ,Am dam des‘ geschaut. Kindersendungen sind perfekt dafür, eine neue Sprache zu lernen“, verrät die Frohnatur, die in den ersten Jahren noch in einem Fitnesscenter Tanzkurse gab und beim Zumba die Hüften schwang. Aber: „Man wird nicht jünger und dünner“, scherzt Lizette. Und da sie Abenteuer und Frühstück liebt, übernahm sie letztes Jahr das Café von ihrem Schwager Helmut und richtete sich nach ihrem Geschmack ein. Seitdem steht sie hinter dem holzgeschnitzten Tresen und bedient liebevoll ihre Gäste. („Ich sage immer, ich bediene nicht, sondern ich verwöhne.“) Süß wie ihr selbstgemachter Schoko-Lava-Kuchen ist es dort zwischen roséfarbenen Kissen und Rosen-Dekoration. Speisekarte gibt es keine, Frühstück mit selbstgemachten Brot à la Lizzey nur auf Vorbestellung. Einen Ratscher gibt es immer kostenlos dazu.

Bereut hat die 53-Jährige den Schritt zur Selbstständigkeit nie, auch wenn es anfangs viel zu lernen gab. („Wir mussten tagelang Schinkennudeln essen, weil ich zu viel eingekauft hatte.“). Doch man muss was riskieren, sagt Lizette. Und es schadet schließlich nie, guten Kaffee und ein bisschen Pink ins Leben zu bringen.