Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.03.2018


Lifestyle

Design-Avantgarde feiert Geburtstag

Wenn Designikonen Geburtstag haben und/oder reeditiert werden, dann stehen sie im Rampenlicht und faszinieren, meist allerdings mit Limited Editions, immer wieder aufs Neue.

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Von Ursula Philadelphy

Innsbruck – Jubiläen, Limited Editions und exklusive Entwürfe sind ein Perpetuum mobile in der Designszene. Die Klassiker von einst finden immer wieder den Weg ins Jetzt, wenn auch oft leicht modifiziert. Manchmal, was das Format betrifft – denn die Menschen sind zum Beispiel größer geworden –, sehr oft materialbedingt, denn nicht alles, was einst okay war, ist heute noch genehm. Und regelmäßig finden sich Erweiterungen in der Farbenskala, bei Bezügen und Stoffqualitäten oder Ledervariationen – ein refreshing quasi, das ein Möbelstück aus der Erinnerung holt.

Es wird fröhlich reeditiert und aktualisiert und zwar von Friedrich Kiesler über Alvar Aalto bis Poul Henningsen oder Arne Jacobsen, der schon seit einigen Jahren ein Revival mit seinen Entwürfen erlebt. Den berühmten „Egg Chair“ hat der dänische Designer 1958 für das Radisson SAS-Hotel in Kopenhagen entworfen, heute ist er Liebkind in vielen Möbelhäusern und begeistert unter anderem in der Boarding Area des Flughafens von San Francisco. Zum 50. Geburtstag des Stuhles brachte Fritz Hansen, der Jacobsen reeditiert, eine Patchworkversion des israelischen Künstlers Tal R in einer Auflage von 50 Stück heraus. „The Swan“, ebenfalls 1958 entworfen, wurde zum 50er in einer Auflage von 1958 Stück in weißem Leder aufgelegt. Inzwischen ein Kultobjekt. Und nun, zum 60. Geburtstag, gibt es den Schwan, ebenso wie „Egg“ und „Drop“, natürlich auch in einer Sonderedition und – na klar – in limitierter Auflage! In glänzendem Anilinleder und mit einem Fuß aus goldbeschichtetem Aluminium.

Henningsens Leuchtenklassiker PH 5 feiert sich zum 60-Jahr-Jubiläum in sechs neuen Farben mit dynamischem Farbverlauf, bedingt durch die unterschiedlichen Farbschattierungen der einzelnen Schirme, und besticht ab sofort in Rot, Rosa, Orange, Grün, Blau und Grau.

Die Liste der reeditierten Kultobjekte lässt sich übrigens beliebig fortsetzen. Von Naoto Fukasawas Marmorsessel über sein filigranes Regal „Shelf X“, Gio Pontis Teekanne „Aero“ oder Ingo Maurers Lampe „Early Future“ bis zu Ron Arads Aluminiumstuhl „Blo Void 5“ aus dem Jahr 2004. Auch Hans J. Wegners „Shell Chair“, der bei Carl Hansen in Zusammenarbeit mit der Textilmanufaktur Jim Thompson Fabrics in einer sehr limitierten Auflage Ende 2017 in Seidenstoffe gewandet wurde, gilt schon zwei Monate später als ikonisch.

Die Nase ganz vorne hat dieses Jahr aber wieder einmal Verner Panton. Der großartige dänische Designer sorgt schon seit ewigen Zeiten mit schöner Regelmäßigkeit für Furore. Heuer ist es der 50. Geburtstag seines weltberühmten Panton Chair. Entwickelt als „informelles Möbel für zwanglose Gelegenheiten“ hat dieser Stuhl wirklich die Welt erobert.

Nach einer äußerst langwierigen und schwierigen Entwurfsphase, in der Panton mit Vitra zusammenarbeitete, kam mit dem elitären, aus einem Stück geformten Freischwinger aus fiberglasverstärktem Polyester ein formal und fertigungstechnisch revolutionärer Stuhl auf den Markt. Heuer legt Vitra zwei limitierte Editionen des ikonischen Klassikers auf: den Panton Chrome und den Panton Glow.

Panton war schon immer fasziniert von spiegelnden Oberflächen und wollte bereits Anfang der 1970er-Jahre seinem Stuhl eine spiegelnde Oberfläche verpassen, aber erst jetzt ist es so weit: Der brillante Spiegeleffekt entsteht durch eine Metallisierung, die in verschiedene Lackschichten eingebettet wird. Dieser komplexe Lackaufbau ist so flexibel, dass er auch die leichten Verformungen des Stuhlkörpers bei Belastung mitmacht. Auch der „Glow“ in strahlendem Blitzblau lehnt sich an die Vorlieben des Designers an, der sich zeitlebens für neue Technologien, Techniken und Materialien interessiert hatte und bei vielen seiner futuristischen Entwürfen mit Licht, Farben und leuchtenden Elementen arbeitete. Hier werden auf die rohe Polyurethanschale in Handarbeit fünf Schichten eines mit Nachleuchtpigmenten versehenen Lacks aufgetragen und zum Schluss mit einem hochglänzenden Schutzlack versiegelt. Die Leuchtpigmente laden sich im Tageslicht auf und geben bei Dunkelheit ein blaues Licht ab. Der Stuhl erhält dadurch einen geisterhaft-mystischen Touch.