Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


Exklusiv

Den tanzenden Lichtern nach: Tirolerin gewinnt Fotopreis

Faszination Norwegen: Die Tirolerin Isabelle Bacher gewinnt damit den Österreich-Preis der „Sony World Photography Awards“. Auch ein zweites Foto überzeugt die Jury.

© Isabelle BacherDie Messehalle von Basel.



Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Bekannt sind sie für ihre kräftigen Farben: Grünlich bis violett leuchten die Nordlichter im Norden Norwegens. In Schwarz-Weiß gehalten muten sie eher wie eine riesige Rauchsäule an und doch büßen sie nichts von ihrer Faszination ein.

Mit diesem Foto von dem Naturschauspiel hat die Fotografin und Architektin Isabelle Bacher aus Pettnau Mut bewiesen, der Kälte getrotzt und gewonnen. Bei den „Sony World Photography Awards“ in London kürte eine Expertenjury ihre „tanzenden Nordlichter“ zum besten Bild aus Österreich. Der renommierte weltweite Fotowettbewerb wurde heuer zum elften Mal veranstaltet. Fotografen aus mehr als 200 Ländern reichten eine Rekordzahl von 320.000 Beiträgen ein.

Das Nordlicht am Strand von Bleik auf der norwegischen Insel Bleikøya.
- Isabelle Bacher

„Ich wollte Ruhe ins Bild bringen. Die Form der Nordlichter kommt schön zur Geltung“, meint Bacher zu ihrer Entscheidung, Farbe herauszunehmen. Das machte sich heuer gleich doppelt bezahlt.

Isabelle Bacher: "Das Licht dort oben fasziniert mich. Es ist phantas­tisch, die Nordlichter scheinen zu tanzen."
- Isabelle Bacher

Mit einem zweiten Schwarz-Weiß-Foto von der Messehalle in Basel wurde sie beim selben Wettbewerb ebenfalls ausgezeichnet. Die Freude ist natürlich groß, sagt sie. Vor allem, weil ihre Karriere als Fotografin nun so richtig in Schwung kommt.

Einige Ausstellungen in Österreich, Norwegen, Frankreich und Großbritannien konnte sie bereits realisieren. Gerade arbeitet sie an einem eigenen Fotoband zu Nordnorwegen. „Das Licht dort oben fasziniert mich. Es ist phantastisch, die Nordlichter scheinen zu tanzen.“

Die Ruhe, Einsamkeit und die langen dunklen Nächte im Winter machten ihr bei ihren Aufenthalten in Nordnorwegen nichts aus. „Ich mag es, mich immer wieder aus allem herauszunehmen und mich nur der Landschaftsfotografie und dem Licht zu widmen“, sagt die Enddreißigerin.

Gegen die klirrende Kälte wappnete sie sich bei ihren stundenlangen Ausflügen mit mehreren Schichten Kleidern, beheizten Handschuhen und Kälteschutzcreme im Gesicht. „Nordnorwegen ist ein hartes Land, vor allem an der Küste und in Spitzbergen. Es kann lebensbedrohlich werden, wenn man nicht aufpasst“, meint Bacher. Gute Vorbereitung sei alles. Die begann in ihrem Fall schon als Kind. Dank ihres Osttiroler Vaters und der norwegischen Mutter hat sie ihre Kindheit in Lienz­ und die Sommerferien in Südnorwegen verbracht.

Von ihren Eltern bekam Bacher nicht nur die Reiselust mit, sondern auch die Liebe zum Fotografieren. „Meine Eltern haben sehr viel fotografiert und selbst entwickelt. Mit zwölf bekam ich meine erste Kamera.“

Das farbige Küstenfoto entstand auch am Strand von Bleik.
- Isabelle Bacher

Fotografieren blieb aber lange Zeit nur ein Hobby. Um Architektur zu studieren, zog es Bacher mit 21 Jahren an ihren­ Geburtsort Innsbruck. Im Gepäck lag eine Digitalkamera, die sie von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte.

Nach dem Abschluss des Studiums reiste Bacher 2007 zum ersten Mal nach Nordnorwegen und Spitzbergen. Als Architektin fand sie dort Arbeit, Fotos machte sie zunächst zu ihrem Vergnügen. „Bei der Rückreise bin ich im Flieger gesessen und habe gedacht, hoffentlich startet er nicht. Es war so unglaublich schön dort oben.“

Nach der Rückkehr nach Tirol packte Bacher 2013 erneut das Reisefieber. Dieses Mal wirkte sie als Architektin vier Jahre auf der norwegischen Insel Tromsø. Ihre Freizeit verbrachte sie dabei in der Natur, um die Landschaften und ihre faszinierenden Begebenheiten zu analysieren und fotografisch festzuhalten. „Ich bin nicht jemand, der viel fotografiert. Ich schaue mir alles genau an, gehe viel herum und suche nach dem richtigen Motiv und Zeitpunkt, dann mache ich ein paar Fotos.“

So auch im Februar 2017: Bacher verbrachte ein Wochenende am Strand Bleik der Insel Bleikøya. Spektakuläre Nordlichter hatten sich angekündigt. In einer Vollmondnacht mit sternenklarem Himmel gelingt ihr schließlich zu Mitternacht das soeben in London ausgezeichnete Foto.