Letztes Update am Di, 26.06.2018 15:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mode

Ferrarischule Innsbruck: Kleider für die Zukunft

Stoffe aus Pilzen, mit Minicomputern oder mit kunsthistorischen Zitaten – die Modeklasse der Ferrarischule zeigt, was wir morgen tragen könnten.

© TT/Thomas Böhm



Von Andrea Wieser

Sofie Wechselberger setzt sich an ihre Skizzenmappe und reibt an einem Stoff. Und der wechselt die Farbe. Dort, wo Wärme entstanden ist, wird aus Rot schnell Gelb. Die Schülerin der Ferrarischule hat das Thema „Future Textile“ für ihre Abschlussarbeit ernst genommen.

„Die abgegebenen Arbeiten haben Bachelor-Niveau“, ist sich Gabriele Skach, Modefachvorständin der Ferrarischule, sicher. Und das nicht nur bei Sofie. Ganz den „Wearables“ hat sich ihre Teampartnerin Danielle Grüner gewidmet. Sie hat in ihren Entwurf elektronische Computersysteme eingearbeitet. Eine Vision, mit der sie den Puls der aktuellen Modeentwicklung trifft. Die gelungene Kombination aus technischen Gadgets und verarbeitbaren sowie tragbaren Stoffen wird die große Herausforderung der kommenden Jahre in der internationalen Textilindustrie sein. Und wie sehr beide Schülerinnen über den Tellerrand des eigenen Abschlussjahres hinausgedacht haben, zeigt sich darin, dass sie eine Kooperation mit der Kunstuniversität in Linz eingehen konnten.

Transparente Textilien wählte Laura Arzberger (19) aus Kramsach für ihr Anzug-Model.
- TT/Thomas Böhm

Einen Blick in die textile Vergangenheit, um daraus zeitgenössische Schlüsse zu ziehen, haben andere Schülerinnen gewagt. Emma Mitteregger ließ sich von filmhistorischen Themen inspirieren und analysierte die Entwicklung des Textildrucks, der, lange unbeachtet, gerade wieder eine Renaissance feiert. Das Sujet, das es auf ihren Stoff schaffte, ist einer Tasse von 1890 entnommen. Ihre Klassenkollegin Lea S. ließ sich auf eine intellektuelle Reise in die russische Kunstgeschichte ein und studierte die Einflüsse der Künstler Malewitsch, Kandinsky und Lissitzky – alle drei Wegbereiter der russischen Avantgarde. Deren grafische Ästhetik findet sich in Leas Stoffen wieder.

Emma Mitteregger (19) aus Innsbruck bedruckte Stoffe mit einem Muster von 1890.
- TT/Thomas Böhm

Damit all diese Überlegungen und Reflexionen über das Skizzenbuch hinaus gesehen werden können, bittet die Ferrarischule am 3. Juli um 18.30 (Eintritt 14 Euro, für Schüler 7 Euro) zur traditionellen Modenschau ins Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck. „Weil Mode raus muss“, wie Gabriele Skach das formuliert. „Sie ist nichts für den Schrank.“ Das übergeordnete Thema für die Show von Schülern aus allen Klassen lautet „Art & Artificial“. Es geht also um den gelungenen Spannungsbogen zwischen Kunst und Künstlichkeit, zwischen Ästhetik und Fortschritt.

Wie weit das gehen kann, hat Sofie Wechselberger in einem anderen Experiment gezeigt. Inspiriert von der New Yorker Fashion-Designerin Susanne Lee experimentierte sie mit Pilzkulturen. Aus Kombucha, den meisten eher als Getränk bekannt, züchtete sie neue Stoffe. Nicht ohne Nebenwirkungen. „Der Gestank hat meine Eltern nicht so gefreut“, muss die Tuxerin schmunzeln, als sie sich an die Becken im Keller erinnert. Aber es hat sich ausgezahlt. Es ist ein Blick in eine ferne Zukunft. Eine Vision von einem komplett organischen Produkt und vielleicht von einer neuen Dimension der Textilindustrie.




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