Letztes Update am Di, 21.08.2018 12:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mode

Federn liegen modisch wieder im Trend

Bisher waren Federn meist in Jacken zu finden – in Form von Daune etwa. Jetzt beweisen Designer neuen Mut und kehren die filigranen Accessoires nach außen – als federnden Schmuck. Die Mode-Regel lautet: Schmücken Sie sich mit fremden Federn!

© AFPFedern liegen bei der aktuellen Herbst-Winter-Mode von Kopf bis Fuß im Trend.



Von Judith Sam

Designer sind mitunter schräge Vögel. Damit das auf den Laufstegen nun nicht mehr so auffällt, sorgen sie dafür, dass ihre Models auch an Vögel erinnern. Denn warum sonst liegen Federn bei der Herbst-Winter-Mode im Trend? Oder haben Designer ihre spirituelle Seite entdeckt? Schließlich sagt man Federn seit Jahrhunderten magische Bedeutung zu – wegen ihrer Nähe zu Vögeln, dem Himmel und damit auch zu den Göttern.

Es könnte natürlich auch daran liegen, dass die filigranen, bei jedem Schritt wippenden Akzente Eleganz vermitteln – „und zwar auf Röcken, Kleidern, als Besatz bei Jacken oder Blusen und auch in der Abendmode“, sagt Shopping-Beraterin Anette Helbig aus Hannover.

Was viele nicht wissen: Federn haben in der Mode eine lange Geschichte. Tiroler Männer trugen sie etwa auf ihren Hüten. Die aktuelle Mode zeigt allerdings weit mehr Mut – etwa in Form von Jacken, die ausschließlich aus Federn bestehen. „Je nach Üppigkeit wirken Federn einmal mondän, einmal aber auch sehr filigran“, sagt Helbig. Ein Blick auf die Catwalks gibt ihr Recht. Designer wie John Galliano oder Giorgio Armani schmücken quasi jeden weiblichen Körperteil mit fremden Federn.

Heikel wird es erst, wenn es darum geht, die filigrane Kleidung zu reinigen. Am besten man übergibt sie gleich einer Wäscherei. Etwas Mutigere können die Federn mit einem Tropfen Haarshampoo waschen und mit dem Föhn trocknen, um sie wieder „fluffig“ zu machen.

Es gibt allerdings nicht nur Befürworter des Mode-Trends. Hanna Zedlacher von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten rät, sich vor dem Mode-Kauf schlauzumachen, woher die Federn stammen: „Es gibt moralisch unbedenkliche Federn – Abfallprodukte aus der Fleischindustrie. Straußenfedern hingegen werden meist lebenden Tieren abgeschnitten, die nicht domestiziert sind, also keinen Bezug zum Menschen haben. Das bedeutet für sie großen Stress. Noch viel wilder ist der Lebendrupf, wo die Federn den Tieren ausgerissen werden, was Wunden hinterlässt.“

Zu schade, dass Kunstfedern nicht das Niveau von echten erreichen. Sie haben weder die filigrane Struktur noch feine Ästhetik. Diesbezüglich bleibt die Natur laut Zedlacher der unangefochtene Meister: „Wie so oft.“




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