Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.10.2018


Luxus im Bad

Digitaler Luxus im Bad: Gegen Alexa wirft Allibert das Handtuch

Im Bad zieht der Luxus ein – das reicht von digitalen Assistenten im Spiegel bis zum Aufbruch alter Strukturen. Denn wie die Küche wird auch das Bad im Vergleich zum Wohnzimmer aufgewertet.

© iStockphotoSymbolfoto.



Endlich ist der „Spieglein, Spieglein an der Wand“-Spruch kein Märchenkram mehr. Es wird wahr. Allerdings reicht schon ein schlichtes „Alexa“, um den (nicht ganz allwissenden) Assistenten, der sich im smarten Spiegel verbirgt und der mit der Online-Welt vernetzt ist, zu kontaktieren.

Eine erste Frage, die man ihm stellen könnte, wäre: „Was ist eigentlich aus Allibert geworden?“ Allibert, der Inbegriff des biederen Badezimmerschranks mit drei kleinen Spiegeltüren und einer Mini-Staufläche dahinter, fristet heute, wenn überhaupt, ein Schattendasein in WGs oder Zweitbädern. „Der hat ausgedient“, bestätigt Florian Sammer, Architekt und Assistenzprofessor für Innenarchitektur an der New Design University St. Pölten. Die technischen Spielereien wie Spiegel, in denen Wetterberichte, Nachrichten oder das eigene Gewicht eingeblendet sind, würden schon zunehmen.

Ähnlich sieht es Andreas Landauer, der auf der Innsbrucker Herbstmesse den Aqua-Life-Schwerpunkt organisiert hat: „Das ist schon Realität. Immer mehr Geräte, zum Beispiel die Körperwaage oder die Zahnbürste, können per Bluetooth verbunden werden“, erklärt der Sanitär-Experte. Auf der International Consumer Electronics Show CES in Las Vegas zeigte das Unternehmen Kohler heuer ebenso einen Badezimmerspiegel mit Alexa- und WLAN-Funktion. Licht, Musik und die Dusche können per Sprache gesteuert werden.

Geld spielt bei der Ausstattung mit solchen Spielereien nur eine Nebenrolle. „Der Kunde gibt beim Bad schon etwas mehr aus, weil er die nächsten 20, 25 Jahre Ruhe haben will. Das muss technisch gut durchdacht sein.“

Genauso muss man das Raumkonzept überdenken. Benötigte man früher nicht mehr als einen engen „Schluf“, in den man höchsten zwei, drei Handtücher und einen Fön zu verstauen hatte, genügt das heute längst nicht mehr. Handtücher für Haare, Körper und Gesicht, dazu ein Bademantel, elektrische Zahnbürste, Fön, Glätteisen, Rasierer für jede Körperstelle, Gesichtsbürste, und ständig kommen neue Produkte hinzu. Schönsein braucht Platz. Wohlfühlen genauso. Denn das ist der zweite Grund, warum die Bäder immer größer werden, sagt Architekt Florian Sammer: „Man baut sich eine Wohlfühloase. Das Badezimmer mit der Hygiene erfüllt, genauso wie die Küche mit der Ernährung, ein physisches Bedürfnis. Das kann nicht in den digitalen Raum verlagert werden – wie es zum Beispiel beim Wohnzimmer passiert. Man trifft sich nicht mehr am Samstagabend gemeinsam zum Fernsehschauen. Deswegen nimmt die Bedeutung dieses Raums ab, aber die früher untergeordneten Nassräume wie Küche und Badezimmer nehmen an Bedeutung zu“, erklärt Sammer.

Wer die Möglichkeiten (also den Platz) hat, baut Sitzgelegenheiten oder eine frei stehende Badewanne ein, aber schon so, dass man es mehr oder weniger nach Lust und Laune neu anordnen kann. Das ist der eine Trend. In einem zweiten werden die Strukturen vollkommen aufgebrochen. Der Architekt stellt sich das so vor: „Das Badezimmer ist dann nicht mehr der klar abgegrenzte Raum, sondern er verschmilzt mit der Privatzone wie dem Schlafzimmer.“

Und was passiert mit der guten alten, seit Jahrhunderten etablierten Fliese? Man könnte wieder „Spieglein, Spieglein“-Alexa fragen, doch die Experten wissen es sicher besser. Sammer: „Auf der einen Seite geht es hin zu großflächigen Platten, aber auch wieder zu Mosaiken. An der Wand sind Fliesen aber kein Muss mehr“, verweist er auf „mineralische Materialien“. Auch am Boden gibt es Varianten mit Stein, Beton oder sogar Estrich.

Weil alles im Badezimmer ein haptisches Erlebnis ist, sollte man darauf achten, wie sich für einen persönlich die Materialien anfühlen. „Das Waschbecken muss nicht mehr aus Keramik sein, es kann auch aus Edelstahl oder Glas sein, es wird alles vielfältiger“, meint Landauer. Wie im Märchen ist jetzt eben auch im Bad nichts mehr unmöglich.