Letztes Update am So, 25.11.2018 06:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Kunstpelz ist keine haarige Sache mehr

Die großen Modehäuser verbannen echte Pelze vom Laufsteg und finden in Kunstpelz eine täuschend echte und tierliebe Alternative.

© AFPGivenchy setzt in diesem Winter auf Kunstpelz.



Bei der Tierschutzorganisation PETA knallten kürzlich die Korken. Jean-Paul Gaultier hat angekündigt, künftig auf Echtpelz bei seinen Kreationen verzichten zu wollen. Dabei ist das Enfant terrible der Modewelt, das Aufsehen damit erregte, als es Männer in Röcke kleidete, in diesem Fall kein Vorreiter.

Mehr ein Nachzügler, der die Zeichen der Zeit endlich erkannt hat. Bei Stella McCartney kommt schon seit Anfang der Nullerjahre kein totes Tier mehr auf den Laufsteg – weder als Leder noch als Pelz. Und die Crème de la Crème der Modewelt zog nach: Givenchy greift in der Winterkollektion 2018 auf seine Entwürfe der 80er-Jahre zurück und setzt Fake Fur (Anm., Modebezeichnung für Kunstpelz) mondän in Szene. Auch bei Gucci, Versace, Armani, Vivienne Westwood, Ralph Lauren, Hugo usw. ist der Laufsteg kein „Friedhof der Kuscheltiere“ mehr.

Kuscheln für alle

Auch das Traditionshaus Burberry. „Moderner Luxus bedeutet, sozial und ökologisch verantwortlich zu sein“, tönte Chef Marco Gobbetti im September. Die Briten hatten eine Imagepolitur dringend nötig, nachdem Stürme der Entrüstung auf sie niederprasselten, als bekannt wurde, dass sie nicht verkaufte Kleidung im Wert von 32 Millionen Euro verbrannten. Echtpelz ist dem Saubermann-Image also auch nicht mehr zuträglich. „Die meisten Menschen möchten keine Sachen von Tieren tragen, die gefangen waren und per Stromschlag getötet oder totgeknüppelt wurden“, bestätigte PETA-Chefin Mimi Bekhechi.

Anders als Burberry haben die Landsleute von Shrimps das Label gleich an Fake Fur aufgezogen. Shrimps hat den Look von seiner verstaubten Dekadenz befreit und zeigt mit Kunstpelz-Modellen, wie cool, lässig und jung eine kuschelige Hülle sein kann.

Zurück zu Gaultier: Echtpelz sei zwar „sinnlicher“ als Kunstpelz, sagte er in einem Interview mit Canal+. Nachsatz: „Man kann aber auch andere Mittel finden, um sich warmzuhalten.“ Der Modeschöpfer erkannte, dass die Art und Weise, wie die Tiere getötet werden, „absolut erbärmlich“ sei.

Es gibt da aber noch etwas, das für den synthetischen Fake Fur spricht: Er sieht aus wie Pelz, fühlt sich an wie Pelz, aber er schont das Börsl. Große Ketten wie Zara und Mango demokratisieren den Look und bringen ihn vom Laufsteg auf die Stange und von dort auf die Straße. Denn hat nicht jeder verdient, ein bisschen zu kuscheln? (Theresa Mair)