Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.02.2019


Joseph Binder Award 2018

Vom Kamasutra bis zur Etikette für Weinflaschen

Am Joseph Binder Award 2018 haben 461 Grafiker teilgenommen. Die 29 besten Projekte sind derzeit im Innsbrucker WEIS RAUM zu sehen.

Ausgezeichnet: Das von ICARUS creativ entwickelte Corporate Design für das Innsbrucker Stage-12-Hotel.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: ICARUS creativ </span>

© Ausgezeichnet: Das von ICARUS creativ entwickelte Corporate Design für das Innsbrucker Stage-12-Hotel.Foto: ICARUS creativ



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Alle zwei Jahre prämiert eine international besetzte Jury die ihrer Meinung nach besten Designer bzw. Illustratoren mit dem Joseph Binder Award. Benannt nach dem legendären, 1898 in Wien geborenen Gebrauchsgrafiker, dessen „Meinl-Mohr“ wohl jeder kennt und der nach seiner Emigration 1938 in den USA zum anerkannten „leader in graphic contemporary design“ avancierte.

Designaustria schreibt seit 1996 alle zwei Jahre international den Joseph Binder Award aus. An dem 2018 unter dem Motto „A Feast of Colour and Form“ ausgelobten haben 461 Grafiker bzw. Designer aus 38 Ländern mit insgesamt 867 Arbeiten teilgenommen. Eingereicht in 13 Kategorien wie Corporate Design, Schriftgestaltung, Plakat, Digitale Medien, Verpackungsdesign oder Buchillustration. Gold gab es von den Juroren achtmal, zwölfmal wurde Silber und viermal Bronze vergeben, für 47 der Projekte gab es eine Auszeichnung.

Eine Ausstellung mit den Siegerprojekten tourt nun durch die Lande, um, als zweite Station nach Wien, im Innsbrucker WEI SRAUM Station zu machen. Wo sich erfreulicherweise auch drei – mit Auszeichnungen belobigte – Projekte finden, die in Tiroler Design- bzw. Grafikschmieden entstanden sind. Etwa das nicht nur formal originelle, sondern mit viel Ironie politisch hintergründig aufgeladene Corporate Design, das die Innsbrucker Werbeagentur ICARUS creativ für das Stage-12-Hotel in der Maria-Theresien-Straße bzw. für Christas Skialm im Zillertal kreiert hat. Eine Auszeichnung gab es auch für das umfassende visuelle Erscheinungsbild, das das Innsbrucker Bureau Rabensteiner für das burgenländische Weingut Kirnbauer erfunden hat. Vor den Augen der gestrengen Juroren bestanden hat aber auch das raffinierte, von der Lienzer Agentur Aberjung OG entwickelte Verpackungskonzept für T-Shirts für die Lienzer Lifestyle Company Zanon.

Die Designhandschriften, die sich beim Joseph Binder Award messen, könnten unterschiedlicher kaum sein, reichen von der wortlosen Suche nach Heimat in Buchform (Judith Köhler) über die visuelle Gestaltung eines Videos der österreichischen Popgruppe Granada durch Fabian Dankl bis zum Versuch einer Symbiose von japanischen und lateinischen Schriftzeichen (Wiener Angewandte) und einer witzigen Neubebilderung des Kamasutra (Althaus). Und ein derzeit viel diskutiertes Thema aufgreifend, führt ein dänisches Video vor, wie die Welt ausschauen dürfte, nachdem die Arbeit von Robotern erledigt wird. Die der Grafiker ist da allerdings nicht dabei.

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