Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.02.2019


Lifestyle

Tattoos im Job: Wenn es Arbeitgebern zu bunt wird

Laut Statistik ist jeder Fünfte tätowiert. In manchen Berufsgruppen ist der Körperschmuck aber nach wie vor tabuisiert. Eine Bankangestellte, ein Tattoostudiobesitzer und ein Polizist berichten über den Status quo.

In den Tattoostudios sind immer öfter Rechtsanwälte und auch Ärzte anzutreffen. Inzwischen ist jeder Fünfte hierzulande tätowiert.

© Getty ImagesIn den Tattoostudios sind immer öfter Rechtsanwälte und auch Ärzte anzutreffen. Inzwischen ist jeder Fünfte hierzulande tätowiert.



Von Nina Zacke

Innsbruck – Ob Tattoo, Piercing oder Tunnel im Ohr – individueller Körperschmuck ist heutzutage weder eine Seltenheit, noch gibt er Grund für große Augen. So hat, laut einer IMAS-Studie aus dem Jahr 2016, bereits jeder fünfte Österreicher ein oder mehrere Tattoos. Und 69 Prozent der Österreicher waren damals der Meinung, dass die Körperkunst reine Privatsache sei und niemanden etwas angehe.

Schön und gut, aber wie sieht es in der Berufswelt aus? Zu sehen sind dort die Namen der Kinder, ein Symbol für ein besonderes Erlebnis, ein Lebensmotto – die bunte Bemalung der Haut ist für viele tätowierte Menschen eine Form, um sich selbst auszudrücken. Körperschmuck, also.

Arbeitsrechtlich betrachtet darf österreichweit Körperschmuck jeder Art getragen werden. Dennoch ist laut Umfrage des Karrierenetzwerkes Xing rund die Hälfte aller Personaler der Ansicht, dass sichtbare Piercings auf Online-Profilbildern nichts verloren haben, nur elf Prozent finden sichtbare Tattoos in Ordnung.

Für Klaudia Baresic, selbst tätowiert und Mitarbeiterin der Raiffeisenlandesbank Tirol, sind Tattoos alltäglich und allgegenwärtig. Die 24-Jährige hat drei Tätowierungen, eine davon befindet sich im Nacken und ist teilweise sichtbar. Eindeutig zu sehen sind jene an Ellbogen und Ohr. Im Kundenkontakt muss die Bankangestellte diese nicht verstecken. Denn grundsätzlich gibt es bei der RLB Tirol keine Richtlinien in Sachen Körperkunst. „Tätowierungen oder Piercings sind prinzipiell möglich, sofern sie nicht der Wertehaltung der RLB Tirol entgegenstehen und im Gesamterscheinungsbild nicht zu dominant sind“, erklärt Pressesprecher Philipp Ostermann-Binder: Wichtiger sei ein gepflegtes und zuvorkommendes Auftreten, das aber nicht in Konkurrenz zur Körperkunst steht, betont Ostermann-Binder.

Im Umgang mit Kunden hat Klaudia Baresic bisher nur positive Erfahrungen erlebt. „Meistens fragen die Jugendlichen nach, da sie sich wundern, dass ich trotz meiner Tattoos in der Bank arbeiten kann“, sagt die junge Frau. Von älteren Kunden wurde sie selten auf ihre Körperverzierungen angesprochen, wobei auch hier viele kundtun, dass Tattoos mittlerweile ganz normal seien, betont die Innsbruckerin. Dennoch ist die 24-Jährige der Meinung, dass es noch dauern wird, bis dieses Tabuthema komplett aufgelöst ist, weil „viele noch denken, dass Tätowierungen in bestimmten Berufen nichts verloren haben“.

So etwa in Berufen mit häufigem Kundenkontakt oder im öffentlichen Dienst, beispielsweise bei der Polizei: Tattoos, Piercings und Co. sind dort zwar per se kein Ausschlussgrund, dennoch ist nicht jede Form des Körperschmucks willkommen. Seit 2018 werden dort zwar auch Tätowierungen an den Unterarmen bis zu den Handgelenken akzeptiert, müssen jedoch im Dienst von der Uniform verdeckt werden. Heißt: Polizisten mit tätowierten Unterarmen tragen immer ein Langarmuniformhemd – auch im Hochsommer.

Tattoos waren zwar schon vorher bei der Polizei erlaubt, mussten aber von der Sommeruniform (kurzärmeliges Hemd, offener Kragen, lange Hose) verdeckt werden. Tätowierungen an den Händen sowie im Hals-, Nacken- und Gesichtsbereich sowie Fleisch-Tunnels, Ohr-Plugs oder Zungenspaltungen führen jedoch weiterhin zum Ausschluss aus dem Ausnahmeverfahren der Polizei. Piercings seien zulässig, müssen aber während des Dienstes entfernt werden, sagt Franz Übergänger, Personalleiter der Landespolizeidirektion Tirol. Darüber hinaus gilt, dass „der Inhalt der Körperkunst nicht auf die Zugehörigkeit einer verfassungsgefährdenden Gruppe schließen lässt, gewaltverherrlichend ist oder das Vertrauen der Allgemeinheit in die objektive Wahrnehmung erschüttert“, erläutert Übergänger.

Dass das Tabu in den letzten Jahren deutlich gemildert wurde, erkennt der Tattoostudiobesitzer Manfred Rinner vor allem an seinem veränderten Publikum: „Mittlerweile gehören Ärzte und Rechtsanwälte genauso zu meinem Kundenkreis wie Hausfrauen, Sportler oder Senioren.“ Tätowierungen und Piercings sind nicht zuletzt wegen der großen medialen Aufmerksamkeit durch Models, Schauspieler oder Sportler salonfähig geworden und werden heute „eher als Körperschmuck gesehen“, sagt der Tätowierer. Die Zuordnung zu Randgruppen – ist seine Empfindung – gehört also definitiv der Vergangenheit an.

Resümierend ist also noch einiges zu tun, um die Körperkunst auch im Beruf als reine Privatsache gelten zu lassen.