Letztes Update am Di, 19.02.2019 10:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

„Schenkt man sich Rosen in Tirol“: Tiroler Töchter in voller Blüte

Vintage-Blüten sind die Liebe von Niki Osl. Die in Wien lebende Tochter eines Angerbergers engagierte die Künstler-Töchter Antonia Moretti und Lilli Brée vergangenen Sommer für ein Fotoshooting mit Blumen-Romantik und Heimatgefühlen.

Blumen für jede Generation: Niki Osl (M.) mit ihrer Tante Christl (r.) und Antonia Moretti (l.).

© Jenni KollerBlumen für jede Generation: Niki Osl (M.) mit ihrer Tante Christl (r.) und Antonia Moretti (l.).



Von Theresa Mair

Angerberg – Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit dem Fotoshooting in Angerberg und auf der Hohen Salve. Doch Niki Osls Begeisterung über Antonia Moretti ist noch ungebremst. „Ich kenne kaum ein Mädchen, das so natürlich posen kann. Sie hat eine extreme Ausstrahlung, ist so eine interessante Schönheit“, schwärmt die 38-jährige halbe Wienerin über die Tochter von Julia und Tobias Moretti.

Moretti in blumiger Ball-Aufmachung.
Moretti in blumiger Ball-Aufmachung.
- Jenni Koller

Osls andere Hälfte ist tirolerisch, der Papa stammte aus Angerberg. Dorthin zog es sie letzten Sommer zum fünften Todestag ihres Vaters zurück. Im Gasthof der Familie, wo sie viele Ferien mit ihrer Schwester verbrachte, veranstaltete sie unter dem klingenden Thema „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ ein Foto-Shooting. Denn das Tirolerische weckt in Osl nicht nur Heimatgefühle und Erinnerungen.

Von dort kommt auch ihre Liebe zum Handarbeiten und zu alten, wertvollen Materialien. „Meine Tante Christl aus Kirchbichl, die Schwester vom Papa, hat meine Mama dazu gebracht, Puppen aus Trachtenstoffen zu nähen. Wir waren deswegen immer viel auf Flohmärkten unterwegs.“

Schon als Kind hatte Osl Freude an Vintage-Blumen. Sie begann sie zu sammeln. „Meine Mama hatte einen Onkel, der war bekannt für die schönen Brautkränze und die Kränzchen, die er in traditioneller Flechtkunst für Erstkommunionen anfertig­te. Die Mama hat mir das dann beigebracht.“ Mit ihr zusammen schupft die gelernte Grafikdesignerin den Zwei-Frauen-Betrieb „Miss Lillys Hats“ – benannt nach der von ihr aufgenommenen Straßenkatze Lilly – seit mittlerweile sieben Jahren hauptberuflich.

Auch mit einem Blumen-Irokesen gibt Moretti ein gutes Bild ab.
Auch mit einem Blumen-Irokesen gibt Moretti ein gutes Bild ab.
- Jenni Koller

Für die oppulenten Kränze bindet sie die Blüten mit dünnen Drähten, sodass sich die Pracht leicht auf dem Kopf anfühlt. Nichts wird geklebt. Die Blumen selbst sind aus Seide, Samt und gesteppter Baumwolle. So manches Blümlein muss erst aufwändig mit feinen Pinselchen entstaubt und restauriert werden.

Mit Blumenschmuck und in Hoschek-Dirndln posierten Lilli Brée, Tochter von „Vorstadtweiber“-Schreiber Ulli Brée, und Antonia Moretti im Landidyll.
Mit Blumenschmuck und in Hoschek-Dirndln posierten Lilli Brée, Tochter von „Vorstadtweiber“-Schreiber Ulli Brée, und Antonia Moretti im Landidyll.
- Jenni Koller

Osl verwendet fast ausschließlich Blüten, die zwischen 1850 und 1970 angefertigt worden sind. „90 Prozent sind Vintage. Die Blumen kommen von überall auf der Welt. Nur wenn ich mehr brauche – einmal habe ich die Debütanten am Opernball ausgestattet –, greife ich auf neue Ware zurück. Es gibt noch zwei Hersteller, die nach alten Formen produzieren.“ Hauptsächlich flicht Osl aber Kränze nach Wunsch, die Liste ihrer Kundinnen, die meist auch Freundinnen sind, kann sich sehen lassen. Vor Jahren drappierte Dirndl-Designerin Lena Hoschek einige Kränze in ihrem Pop-up-Store in München. Dort wurde der Stylist von US-Sängerin Lana del Rey auf Osls Kunstwerke aufmerksam. Er beauftragte sie mit der Ausstattung von Del Reys Bühnenshow. Zu ihren Freundinnen und Fans gehören auch die Tirolerinnen Mirjam Weichselbraun und Monika Brée.

Damit schließt sich das Kränzchen der Töchter: Bei einem Frauen-Urlaub erfuhr Osl von der jungen Lilli Brée, die mit Moretti beim Fotoshooting als Blumenmädchen glänzte.