Letztes Update am Sa, 06.04.2019 07:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Kaiserliches Mural in Innsbruck: HNRX legte für Maximilian Hand an

Sein Maximum an Kreativität war gefragt: Der Tiroler Street-Art-Künstler HNRX hat wieder etwas Farbe in Tirols Hauptstadt gebracht. Diesmal wurde ihm eine kaiserliche Ehre zuteil. Um Kaiser Maximilian in die Gegenwart zu holen, stieg er einmal mehr in luftige Höhen.

Anhand verschiedener Symbole erinnert HNRX an das vielseitige Leben des einstigen Kaisers.

© HNRXAnhand verschiedener Symbole erinnert HNRX an das vielseitige Leben des einstigen Kaisers.



Von Tamara Stocker

Innsbruck – Einmal mehr hat sich Kaiser Maximilian I. in Innsbruck verewigt. Oder viel mehr verewigen lassen. Auf einer Hauswand in der Maximilianstraße 9 kann das 150 Quadratmeter große Kunstwerk, das einer modernen Interpretation seines umtriebigen Lebens gleichkommt, bestaunt werden. Dafür verantwortlich zeichnet sich der Tiroler Streetart-Künstler HNRX, der somit ebenfalls einmal mehr seine Spuren in der Landeshauptstadt hinterlassen hat.

Vorher war die Hauswand eine Werbefläche der Tyrolia.
Vorher war die Hauswand eine Werbefläche der Tyrolia.
- HNRX

Der Mythos Maximilian

Das Mural ist gespickt mit Andenken an den vielseitigen Habsburgerkaiser. HNRX hat sich dabei nicht nur der überlieferten Biografie angenommen, sondern sich auch mit Mythen und Sagen rund um Maximilian beschäftigt. „Mythen finde ich spannend, deswegen war es sehr interessant, tief in das Thema Kaiser Maximilian einzutauchen. Ich wollte ihn von einer anderen Perspektive kennenlernen“, erzählt der Künstler im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung Online. Kaiser Maximilian sei eine starke Persönlichkeit gewesen und habe viel hinterlassen.

„Ich denke, Kaiser Maximilian war ein sehr zwiegespaltener Herrscher, der alles auf eine Karte setzte“
HNRX, Street-Art-Künstler

Um etwa an seine Bauwerke – wie etwa das Zeughaus oder die Hofburg – zu erinnern, hat der 25-Jährige einen Kamin aus Ziegelsteinen illustriert, um den sich die berühmte „Inns‘Wurscht“ schlängelt – HNRX Markenzeichen. Weitere Symbole, alle in gelb-grünlicher Optik gehalten, sind etwa das Goldene Dachl, der Orden vom Goldenen Vlies oder das Innsbrucker Wappen als Gravur eines Schlüssels. Berge und ein Tannenzapfen erinnern an die Naturverbundenheit des leidenschaftlichen Jägers und Kletterers. Fast versteckt scheinen kleinere Abbildungen von Maximilians Wappenturm, seines Haares samt Hut und einer Kanone, war er doch als „der letzte Ritter und erste Kanonier“ bekannt.

Mit viel Liebe zum Detail ist HNRX ans Werk gegangen.
Mit viel Liebe zum Detail ist HNRX ans Werk gegangen.
- HNRX

Drei große Nasen und das Schlagwort „Max 500“ lassen eine raschere Assoziation mit dem einstigen Kaiser zu. Denn das Mural ist ein weiterer Beitrag anlässlich seines 500. Todestages. Und auch dem Ableben des Kaisers gibt HNRX Raum – in Form eines Kiefers. Als Meister der Inszenierung soll sich Kaiser Maximilian nach seinem Tod geißeln haben lassen – man riss ihm die Zähne aus. So wollte er diese Erde als einfacher Mann, als sündiger Mensch verlassen.

Alles Freihand, ohne Hilfsmittel

Aber zurück in die Gegenwart. In der Mitte des 20 Meter hohen Wandbildes prangt ein orangefarbener Schriftzug, besser gesagt zwei. Mit „Innsbrugg“ vermischt sich „Mystyzysm“, ein Fantasiewort, verrät HNRX, das den Mythos Maximilian aufgreifen und dem Werk – wenn man so will – einen Namen geben soll. „Mir es war wichtig eine freie Interpretation zu machen, ohne zu sehr in Klischees zu verfallen oder meinen Ausdruck als Künstler zu verfälschen“, betont HNRX.

20 Meter über dem Boden: Der Hubsteiger ist für den erfahrenen Street-Art-Künstler längst keine Herausforderung mehr.
20 Meter über dem Boden: Der Hubsteiger ist für den erfahrenen Street-Art-Künstler längst keine Herausforderung mehr.
- HNRX

Dreieinhalb Tage hat der Tiroler gebraucht, um seine Vision mit Pinsel und Farbe umzusetzen. Alles wurde Freihand aufgetragen, denn auf Raster, Klebeband oder Beamer verzichtet HNRX bei seinen Arbeiten stets. Aus ökologischen, ökonomischen und nicht zuletzt gesundheitlichen Gründen hat er den Spraydosen bereits vor zwei Jahren den Laufpass gegeben und greift ausschließlich zu Fassadenfarbe. „Mit dieser Art von Technik kann ich viel intuitiver und spontaner arbeiten und gehe mehr auf die Textur der Oberfläche ein“, verrät der 25-Jährige, der das Endergebnis auch mit einem Hauch von Selbstkritik beäugt. „Ich bin natürlich zufrieden, aber ich finde immer etwas, das ich hätte besser machen können.“

„Wunderbarer Brückenschlag“

Hellauf begeistert zeigten sich jedenfalls die Auftraggeber, die sich vor Ort ein Bild machten. „Mit diesem Mural ermöglicht HNRX einen wunderbaren Brückenschlag von der Vergangenheit in die Gegenwart“, befindet Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP). Und Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) ist sich sicher: „Dieses Graffiti wird seinen Zweck erfüllen, nämlich im öffentlichen Raum aufzufallen. Streetart ist als Kunstform unserer Stadtkultur nicht mehr wegzudenken.“

Bisher wurde die Hauswand übrigens als Werbefläche von der Verlagsanstalt Tyrolia genutzt. Diese feiert in dem vom Land Tirol umfangreich zelebrierten „Maximilianjahr“ das 100-jährige Bestehen ihrer Buchhandlung in der Maria-Theresien-Straße.

Über das Maximilianjahr

Das Jahr 2019 steht ganz im Zeichen Kaiser Maximilians I. – anlässlich seines 500. Todestages rufen das Land Tirol, die Stadt Innsbruck und Innsbruck Tourismus das heurige Jahr zum „Maximilianjahr“ aus.

Während des Maximilianjahres finden zahlreiche Aktivitäten im Gedenken an den vielseitigen und umtriebigen Habsburger statt, der Tirol als seine Schatzkammer und Heimat bezeichnete. Über 120 Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekte werden tirolweit und über die Landesgrenzen hinaus durchgeführt.

Ziel ist es, umfassend über die historische Persönlichkeit Maximilian I. zu informieren und seine Bedeutung für Tirol zu thematisieren, um einerseits die Geschichte Tirols aufleben zu lassen, andererseits aber auch auf die Bedeutung des Kaisers für die Gegenwart Tirols einzugehen.