Letztes Update am Di, 28.05.2019 15:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lifestyle

Mini-Me: Groß und klein im Partnerlook

Vater wie Sohn, Tochter wie Mutter: Generationen kleiden sich jetzt im Partnerlook. Dolce & Gabbana, Gucci, Boss und viele mehr zelebrieren das Doppel.

Denselben Stil gab’s bei Musikdiva Mariah Carey mit Tochter Monroe und bei Ex-Ehemann Nick Cannon mit Sohn Moroccan Scott.

© AFPDenselben Stil gab’s bei Musikdiva Mariah Carey mit Tochter Monroe und bei Ex-Ehemann Nick Cannon mit Sohn Moroccan Scott.



Von Deborah Darnhofer

Tennisspielerin Serena Williams (37) und Töchterchen Olympia (1), Promi Kim Kardashian (38) und ihr Mode-Mini North West (5) machen es vor. Das doppelte Lottchen war einmal, jetzt werden Kinder wie ihre Eltern gekleidet. Nur noch in ihrer Größe unterscheiden sie sich. Die Adeligen, von Schwedens Kronprinzessin Victoria (41) und Tochter Estelle (7) über Großbritanniens Herzogin Catherine (37) und Charlotte (4), tragen den Partnerlook seit Jahren gern und doch ein wenig subtiler: Die Farben sind gleich, aber die Schnitte anders.

Designer lieben das Doppel

Diese Zurückhaltung kennen die Modemacher aktuell nicht. Für die angesagten Modehäuser wie Dolce & Gabbana, Chloé, Burberry und Fendi ist es ein wahres Kinderspiel. Sie bringen exakt dieselben Stücke für Groß und Klein. „Es ist ein großer Trend im Luxusbereich“, sagt Judith Kessler, Kindermode-Expertin beim deutschen Branchenblatt Textilwirtschaft, der Nachrichtenagentur dpa. „Alle angesagten Brands gibt es in der Kinderversion.“

Schwedens Kronprinzessin Victoria und Tochter Estelle lieben Lila.
Schwedens Kronprinzessin Victoria und Tochter Estelle lieben Lila.
- APA

Mini-Me, also Mini-Ich, nennt sich das Phänomen. Dabei wird frivol und ohne Rücksicht mit Alter, Aussehen und Sexyness kokettiert. „Ohne Frage ist ein Kleinkind in Blouson und Chino oder Plisseerock und Bluse ein überraschendes Bild und deshalb umso niedlicher anzuschauen“, meint Zalon-Stylistin Rosa Biazzo. Seit drei Jahren bietet die Online-Stylingberatung „Mini-Me“-Boxen mit individuell abgestimmten Mama- beziehungsweise Papa-Kind-Outfits an.

Was viele Modeliebhaber mit Wohlwollen sehen, erzeugt bei der Wiener Soziologin Christiane Varga Missfallen. Sie kritisiert die Inszenierung, die gerade im Internet auf die Spitze getrieben wird. „Für mich ist da auch ein Stück Übergriffigkeit dabei, eine Inbesitznahme des Kindes“, attestiert die Forscherin vom Zukunftsins­titut Wien. Varga plädiert dafür, dass das Aussuchen von Kleidung in jedem Fall gemeinsam mit Kindern „auf Augenhöhe“ geschieht.

Ex-Fußballer David Beckham und Sohn Brooklyn im Smoking.
Ex-Fußballer David Beckham und Sohn Brooklyn im Smoking.
- AFP

Auch die deutsche Therapeutin Claudia Haarmann aus Essen sieht den Partnerlook kritisch. „Der ‚Mini-Me‘-Trend bedeutet eine Angleichung zwischen den Generationen, die es faktisch nicht gibt“, meint die Autorin, die sich intensiv mit Familienbeziehungen beschäftigt. „Es stellt sich die Frage: Will die Tochter aussehen wie die Mutter oder die Mutter wie die Tochter?“

Haarmann glaubt, die Erwachsenen wollen sich mit denselben Gewändern verjüngen. „Gleichzeitig wird ein Schulterschluss signalisiert: Wir sind Freundinnen. Wir sind unzertrennlich. Wir sind eins.“ Ob das mit der Eltern-Kind-Beziehung vereinbar ist, bleibt fraglich. Andererseits kann das Mode-Doppel dem Kind wertvolle „Zugehörigkeit“ vermitteln. Spätestens mit der Pubertät sei es laut Therapeutin aber wichtig, dass sich die Jungen abgrenzen und zu ihrer eigenen Identität finden. Das könne mit eigener Kleidung ein Stück weit gelingen – wenn Kindern die Wahl gelassen wird.