Letztes Update am So, 16.06.2019 07:12

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Himmlische Ideen nach Brand: So könnte Notre-Dame in Zukunft aussehen

Glaspalast, Dornenbusch oder ein Pool am Dach – Architekten überbieten sich mit Plänen für die beschädigte Notre-Dame.

Glaspalast: Vincent Callebaut will als Dachstuhl einen durchsichtigen Palast.

© Vincent CallebautGlaspalast: Vincent Callebaut will als Dachstuhl einen durchsichtigen Palast.



Von Matthias Christler

Wenn in einigen Jahren wieder eine Geschichte von Quasimodo niedergeschrieben wird, hat der Glöckner von Notre-Dame vermutlich ein neues Dach über dem Kopf bekommen. Wie es aussehen wird, darüber machen sich Architekten aus aller Welt Gedanken. Der verheerende Brand vom 15. April, der den Dachstuhl und den Spitzturm der 850 Jahre alten gotischen Kirche zerstört hat, hat einen himmlischen Ideenwettbewerb entfacht.

Der belgische Architekt Vincent Callebaut etwa setzt auf das Pariser Wahrzeichen einen Glaspalast. Er ist bei Weitem nicht der Einzige, der den Glöckner nicht in einem dunklen Gewölbe sieht, sondern ihm den Blick auf den Himmel öffnen will. Ebenfalls aus Belgien sind die 3D-Designer von Miysis und auch sie spielen mit einem Glasdach, bei ihnen sollen im Gewölbe sogar Bäume sprießen und Besucher herumspatzieren.

Wie im Wald: Ein Glasdach, Holzbalken und Bäume stellen sich belgische Designer vor.
Wie im Wald: Ein Glasdach, Holzbalken und Bäume stellen sich belgische Designer vor.
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Den Ideen sind kaum Grenzen gesetzt – kein Wunder, wenn bislang fast eine Milliarde Euro an Spenden für den Wiederaufbau in Aussicht gestellt worden sind. Der als Dornenbusch ausgeführte Spitzturm wird in der Kreativität nur von einem Pool am Dach übertroffen. Plantschen im Angesicht Gottes, das wird ein Traum bleiben. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich bei einer Umfrage die Mehrheit für einen originalgetreuen Zustand ausgesprochen hat. Architektin Barbara Schock-Werner koordiniert die deutsche Hilfe für den Wiederaufbau und sie warnt ebenfalls vor allzu mutigen Plänen: „Dabei muss man sehr vorsichtig sein, um nicht zu sehr dem Zeitgeschmack zu verfallen. Was jetzt ganz schick ist, davon sagen vielleicht in 20 Jahren alle: ,Um Gottes willen, wie konnte man denn?‘.“

Bei den Renovierungsarbeiten macht man sich derzeit sowieso ganz andere Sorgen. Noch könne man nicht sagen, ob das Bauwerk sich weiter aufrecht halten könne, erklärte ein beteiligter Architekt der Zeitung Le Figaro. Starker Wind sei immer noch eine Gefahr.

Nichtsdestotrotz soll an diesem Wochenende schon ein Schritt in die Zukunft gesetzt werden. Erstmals seit dem Brand wird wieder eine Messe in einem sicheren Teil der Kathedrale abgehalten.

Gewagt: ein Turm als Dornenbusch, ein Kristalldach oder ein Plantschbecken.
Gewagt: ein Turm als Dornenbusch, ein Kristalldach oder ein Plantschbecken.
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