Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 24.06.2019


Innsbruck

Hermine Span: Eine Frau, ihre Garage und der Kampf für lässige Mode

Hermine Span sieht sich mehr als Künstlerin denn als Schneiderin. Seit 1986 ist die Garage ihr Atelier, Showroom und Arbeitsplatz.

Atelier und Showroom: In ihrer Garage präsentiert Hermine Span ihre Stücke. Die werden bisweilen auch einmal von einem Wildschwein geziert.

© StegmayrAtelier und Showroom: In ihrer Garage präsentiert Hermine Span ihre Stücke. Die werden bisweilen auch einmal von einem Wildschwein geziert.



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Seit 1986 trifft man die gebürtige Innsbruckerin Hermine Span in ihrer „Garage Span“ an, die ihr als Showroom und Atelier dient. Dort präsentiert und verkauft die Autodidaktin, die sich mehr als Künstlerin denn als Schneiderin sieht, ihre Modekollektionen.

Edelweiß und Wildschweine, per Siebdrucktechnik auf Röcken oder T-Shirts verewigt, sind die ersten Motive, die einem beim Betreten der „Garage Span“ ins Auge stechen. Hermine Span hat die einstige Firmengarage über die Jahrzehnte ganz offensichtlich zu ihrem Ort gemacht, an dem sie, wie sie selbst sagt, „lässige Mode“ ins Zentrum rückt. Ebenjene Mode also, die sie damals, noch vor ihrer „Garagenzeit“, laut ihrer Schilderung in Tirol nicht gefunden hat.

Ihre Definition von „Lässigkeit“ hat sich bei Span aber über die Jahre verschoben. In den Anfängen, ebenfalls noch bevor sie in der „Garage“ heimisch wurde, hat Span vorranging „Recyclingmode“ kreiert. Alte Auto-Matten oder Müllsäcke dienten ihr als außergewöhnliche Ausgangsmaterialien für schräge Modestücke. Inspiriert dazu hat sie diesbezüglich ursprünglich auch der Bauernhof ihrer Großeltern in Aldrans bei Innsbruck, auf dem sie aufgewachsen ist. „Dort gab es einen großen Fundus an alten Sachen“, berichtet sie. Die alten Decken dort waren jedenfalls nicht vor ihr sicher und wurden in tragbare Mode verwandelt.

1986, als sie in ihre „Garage“ einzog, veränderte sich dieser Zugang allmählich. Originelle Motive, Siebdruck, Design und Schnitt waren fortan ihre zentralen Schaffensparameter. Accessoires, etwa Handtaschen aus Parkett oder Ringe mit alten Groschen-Münzen als Blickfang, kamen außerdem hinzu. Geblieben ist der Anspruch, sich nicht mit dem Naheliegenden zufriedenzugeben. Ihre Stoffe bezieht Span nicht nur aus Innsbruck, sondern findet diese auch auf Modemessen im In- und Ausland. „Meist ist zuerst die Idee da, dann der passende Stoff,“ erläutert Span ihren künstlerischen Zugang. Es könne aber auch sein, dass sie einen bestimmten Stoff habe und dann herumexperimentiere. Dadurch entstehen in regelmäßigen Abständen eine Winter- und Sommerkollektion, die zumeist aus Einzelstücken oder kleinen Serien bestehen.

Ins richtige Licht gerückt werden diese immer wieder mit Modenschauen, Video-Performances oder Catwalk-Happenings. Zahlreiche Musiker und Choreographen haben dazu beigetragen, diese Events zu künstlerischen Ereignissen zu mache. Die letzte große Modenschau liegt mit 2011, dem Jahr, in dem die Garage ihr 25-Jahr-Jubiläum feierte, aber schon ein wenig zurück. „Solche Modeschauen sind sehr aufwändig, auch in finanzieller Hinsicht“, hält Span fest. „Ich bewege mich mit meinen Kreationen generell zwischen Kunstanspruch und Verkäuflichkeit“, fügt sie hinzu. Es gebe zwar einige Stammkunden, prinzipiell sei die Situation, auch durch die eher verstecke Lage ihrer Garage, nicht ganz einfach.

Zweifel, dass die „Garage Span“ bald ihr 35-Jahr-Jubiläum feiern wird, bestehen dennoch nicht. „Ich liebe das Siebdrucken einfach, es schaut auf jedem Material anders aus“, erzählt Span auch nach über 30 Jahren Garagenzeit voller Euphorie und Tatendrang.

„Und vielleicht findet sich ja auch ein Finanzier für unsere Modeschauen“, sagt sie und lacht.