Letztes Update am So, 21.07.2019 06:47

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Tiroler Medienkünstler Peter Kogler: Arbeiten in Räumen des Übergangs

In der Riege der Tiroler, die als Kunstschaffende auch international erfolgreich sind, ist Medienkünstler Peter Kogler ganz vorn mit dabei. Ein Gespräch zum 60er.

Der in Innsbruck geborene Künstler Peter Kogler entwirft seine Motive am Computer.

© Universalmuseum/J.J. KucekDer in Innsbruck geborene Künstler Peter Kogler entwirft seine Motive am Computer.



War Ihr Geburtstag vor Kurzem ein Anlass zurückzuschauen?

Peter Kogler: Ja, doch. Das ist auch ein Rückblick nach Tirol. Meine Karriere startete in der HTL für Malerei in Innsbruck – ein Ausweg für mich, weil ich in der Schule nie besonders erfolgreich war. Glücklicherweise wusste ich relativ früh, dass ich Kunst machen will. Das hatte aber auch damit zu tun, dass ich nicht wirklich etwas anderes konnte.

Und Innsbruck war in den frühen Siebzigern ja ein gutes Pflaster für die Kunst.

Kogler: Ein ausgesprochen guter Platz. Es gab die Galerie im Taxispalais mit Kurator Peter Weiermair, das exzellente Galerie-Programm von Ursula Krinzinger. Die wichtigsten amerikanischen Performancekünstler lernte ich damals in Innsbruck kennen. Mit Gerhard Crepaz kam neben der Alten Musik auch avantgardistische nach Tirol: Karlheinz Stockhausen oder Steve Raich trafen wir als Teenager persönlich hier in Innsbruck. Nicht zu verachten war auch der Cinematograph. Es gab gute Kunst, gute Musik, gutes Kino. Schon erstaunlich für so eine kleine Stadt.

Warum dann doch der Aufbruch nach Wien?

Kogler: Man musste sich ja orientieren. Ich war ja anfänglich nur sehr kurz in Wien, nach Problemen an der Akademie kehrte ich eigentlich wieder nach Tirol zurück. Erst 1983 ging ich dann endgültig in die Hauptstadt.

Koglers Werke sind auch im öffentlichen Raum zu sehen: etwa an der Fassade des Neuen Rathauses in Innsbruck, das mit einem Röhrensystem überzogen wurde.
Koglers Werke sind auch im öffentlichen Raum zu sehen: etwa an der Fassade des Neuen Rathauses in Innsbruck, das mit einem Röhrensystem überzogen wurde.
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Begannen Sie an der Akademie mit Ihrer Arbeit am Computer?

Kogler: Das hatte jetzt nicht unbedingt mit der Ausbildung zu tun. Retrospektiv arbeiteten Anfang der Achtziger nur eine Handvoll Künstler mit dieser neuen Technologie. Als künstlerisches Medium wurde der Computer erst viel später erkannt. Ich hatte aber immer eine gewisse Affinität zur Technik. 1984 war ich mit einem Freund auf einer Büromaschinen-Messe in Wien, dort wurde der erste „Mac­intosh“ vorgestellt, also der erste Rechner, der mit einer Maus zu bedienen war. Das hatte man vorher noch nie gesehen. Und doch war irgendwie sofort klar, dass dank dieser Technik kein Stein mehr auf dem anderen bleiben würde.

Erkannten Sie sofort, dass man damit Kunst machen kann?

Kogler: Es gab zwei Aspekte, die das Medium attraktiv machten: Es gab kaum eine Vorgeschichte in der Kunst. Die Chance, etwas zu machen, das bisher noch niemand gemacht hatte, war also sehr groß. Zweitens war klar, dass alles, was mit Bildproduktion und der Verbreitung von Bildern zu tun hat, über dieses Medium laufen würde, obwohl die Maschinen damals so primitiv waren. Ich wusste sofort, das ist mein Medium. Das war auch eine Entscheidung, die ich strikt durchgezogen habe. Ähnlich wie die Beschränkung auf ein bestimmtes Vokabular.

Am bekanntesten sind Ihre Röhren und Ameisen.

Kogler: Und das Gehirnmotiv! Das sind alles Bildbausteine, die auf diese Zeit, die Achtzigerjahre, und ihre Bildsprache zurückgehen.

Bei Ihnen wurden sie Motive, die sich in den Raum entwickelten. Warum haben Sie sich später darauf konzentriert?

Kogler: Das hat mit der Entwicklung der Kunst zu tun. Schon der amerikanische Minimalismus dachte den Raum beim Kunstwerk mit. Außerdem hat sich die Computertechnik entwickelt: Während man früher nur kleinformatig auf Papier ausdrucken konnte, war es bald möglich, großformatige Leinwände zu bedrucken. Später konnte ich dann ganze Wände damit tapezieren.

In Ihrer aktuellen Ausstellung in Graz bespielen Sie einen ganzen Raum mit einer Projektion.

Kogler: So geht die Entwicklung weiter. Bei mir geht es immer um dieses Ausloten der technischen Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen.

Ihre Arbeiten sind oftmals auch in so genannten Nicht-Räumen, etwa einem Treppenhaus, zu sehen.

Kogler: Mir war auf großen Ausstellungen, etwa der documenta in Kassel aufgefallen, dass ich beim Durchwandern von Gebäuden oft in Foyers oder in Treppenhäusern landete – mich hat interessiert, was in diesen Übergangsräumen passiert, mehr noch als in den Ausstellungsräumen. Auf eine Stadt übertragen sind Flughäfen oder Bahnhöfe solche Orte der Bewgung. Deshalb war die riesige Installation im Grazer Hauptbahnhof, die ich 2003 realisiert habe, so passend. Das sind Räume, die Synapsen darstellen. Dieses Umfeld passt zu meiner Bildsprache, die ganz direkt funktioniert – ohne lange Erklärungen.

Das Interview führte Barbara Unterthurner