Letztes Update am So, 11.08.2019 07:28

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„Garten ist primär ein Gefühl“: So setzt man die grüne Oase in Szene

Chaotisch, natürlich, reduziert oder nahezu leer – die Vorstellungen vom optimalen Garten variieren. Zwei Gartengestalter kennen die Tricks, um die grüne Oase in Szene zu setzen.

Oase des Alltags. Ein Stück vom Glück. Der Garten kann sämtliche Wünsche erfüllen – vom Wasserspiel über die ruhige Sitzecke bis zum Blütenmeer.

© Foto TT/Rudy De MoorOase des Alltags. Ein Stück vom Glück. Der Garten kann sämtliche Wünsche erfüllen – vom Wasserspiel über die ruhige Sitzecke bis zum Blütenmeer.



Von Judith Sam

Gärtnermeister Lukas Lechner ...
Gärtnermeister Lukas Lechner ...
- Foto TT/Rudy De Moor

Zeige mir deinen Garten und ich sage dir, wer du bist. Stimmt diese Theorie und Gärten spiegeln ihre Schöpfer wider, dann dürfte Lukas Lechner ein entspannter, facettenreicher und vielleicht etwas perfektionistischer Mann sein. Ein Blick auf den Gestalter des Gartens in der Innsbrucker Bachgasse 22 bestätigt das. Der 25-Jährige sprüht vor Kreativität. Ebenso wie seine grüne Oase: Der Rasen hat nur eine Nebenrolle. Stattdessen thront eine Hirschstatue auf groben Steinen, umgeben von blühenden Lavendelkugeln, Solarfackeln und Kies in vielen Größen und Farben.

In orangen Kies-Kreisen ranken sich zarte Pflänzchen an Drahtspiralen in die Höhe. Sie säumen einen acht Quadratmeter großen Sandplatz. Das Herz kleiner Sandburgarchitekten im Kindergartenalter dürfte bei diesem Anblick höherschlagen. Doch es gibt keinen Grund, die Schäufelchen auszupacken, denn der Gärtnermeister hat andere Pläne: „Hier entsteht ein Wasserareal mit Fontäne.“

Eine Frage der Machbarkeit

Lechner ist dabei, die Fläche um sein Haus möglichst vielfältig zu gestalten, sodass seine Kunden eine Vorstellung bekommen, was in Sachen Gartengestaltung möglich ist, wenn alle Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild verschmelzen: „Die grundlegende Frage lautet, wofür der Besitzer sein Areal nutzen will – zum Entspannen, für repräsentative Zwecke, soll wilde Natur gedeihen oder will er Obst und Gemüse anbauen, um sich selbst zu ernähren?“

... und Landschaftsarchitekt Lars Weigelt kennen Lösungen für jede Situation.
... und Landschaftsarchitekt Lars Weigelt kennen Lösungen für jede Situation.
- Weigelt

Ist das geklärt, stößt Lechner oft bereits auf das erste Problem. Wenn die Realität mit der Vision kollidiert: „Nicht alle Wünsche des Kunden lassen sich realisieren. Zum einen aus finanzieller Sicht. Beispiel Hochbeet. Wird das an einen Bewässerungscomputer angeschlossen, muss man nur einstellen, wann gegossen wird. Das läuft dann ebenso automatisch wie das Verschatten. Eine elektrische Schneckensperre hält zudem Schädlinge fern.“ Der Traum rückenschmerzgeplagter Beetbesitzer, die sich so nur noch bücken müssten, um zu ernten. Doch – man ahnt es schon – das wird teuer. Konkrete Preise will Lechner nicht verraten: „Weil es so viele Varianten gibt.“

Problem Nummer zwei ist die Gartenbeschaffenheit: „Schwierig wird die Gestaltung, wenn der Boden nicht passt und man nach wenigen Zentimetern Erde auf Steine trifft. Oder noch schlimmer: Man würde sich wundern, wie oft ich unter einer dünnen Erdschicht Baustellenabfälle wie Eisen und Plastik finde, die man zurückgelassen hat.“ Nach Möglichkeit lässt Lechner diesen Boden ab- und stattdessen 50 Zentimeter gesiebten Humus auftragen: „So hat man alle Möglichkeiten und kann auch bedenkenlos Bäume pflanzen. Ohne so viel Erde hätten die keine Chance zu wurzeln.“

Blütenpracht.
Blütenpracht.
- Foto TT/Rudy De Moor

Als nächsten Planungsschritt rät Landschaftsarchitekt Lars Weigelt aus Dresden, sich an den Lichtverhältnissen, Wind- und Wetterexponierung sowie rechtlichen Rahmenbedingungen zu orientieren: „Diese Aspekte sorgen dafür, dass kein Garten dem anderen gleicht.“

Eine Terrasse in der Ecke, durch die regelmäßig der Wind pfeift, macht natürlich wenig Sinn. Ebenso wie die Planung eines arbeitsintensiven Pools, wenn man nicht gerne schwimmt.

„Die größte Herausforderung sind kleine Gärten“, sagt der Autor des Buchs „Ideenbuch Gartengestaltung“ (Verlag Eugen Ulmer). Besonders, wenn deren Besitzer darin viel unterbringen wollen: „Dann muss man tricksen. In Form weniger Akzente, die dafür prominent platziert werden.“

Ein gutes Beispiel hierfür wäre ein ausladender Baum, eine Statue oder der Sitzbereich: „Dorthin könnte ein Weg führen. Mit dessen Gestaltung beginnt meist die direkte Umsetzung der Erschließung.“ Ob der aus klaren Linien und Kanten oder der wohldosierten Portion Wildnis besteht, ist Geschmackssache: „Garten ist primär ein Gefühl.“

Ein Wasserspiel.
Ein Wasserspiel.
- Foto TT/Rudy De Moor

Wer denkt, nach dem Bau des Weges könne man bereits erste Pflanzen setzen, der irrt. „Zuvor gilt es Wasserquellen zu schaffen, gegebenenfalls Sprenkler, Gießschläuche und Elektroanschlüsse zu positionieren“, sagt Lechner, der seinen Kunden empfiehlt, so genannte Mikro-Drip-Schläuche zu verlegen. Durch deren poröse Oberfläche sickert Wasser in die Erde, sodass die optimal benässt ist und gleichzeitig 70 Prozent weniger Wasser vergeudet wird als bei herkömmlichen Poren-Schläuchen: „Von Hand zu gießen ist noch verschwenderischer.“

Während der Innsbrucker spricht, rupft er ein Unkraut aus, das sich waghalsig zwischen den Planken seiner Terrasse emporgeschlängelt hat: „Womit wir schon beim nächsten Programmpunkt sind. Große Objekte, wie Terrassen, Grill- oder Ruheplätze, Teiche und Holzschupfen für Gartengeräte, sollten früh in die Planung einbezogen werden.“

Transport im Auge behalten

Die Fülle der Materialien, die diesbezüglich zur Verfügung steht, ist riesig. „Hölzer aus sensiblen Beständen sollten aber ebenso wie Natursteine fragwürdiger Herkunft tabu sein“, plädiert Weigelt. Ökologisch unbedenklich sind hingegen regionaltypische Werkstoffe und Pflanzen: „Vergessen Sie bei diesem Arbeitsschritt nicht, den Transportaufwand im Auge zu behalten.“ Diese Empfehlung gilt auch für die Pflanzenwahl. Zwei Meter hohe Zypressen kosten bei Lechner rund 300 Euro. Sind sie erst kniehoch, bezahlt man ein Zehntel. Alles eine Frage der Geldtasche und Geduld. Bei der Wahl der Hecke, die das Grundstück säumt, rät der Gärtner, gerade in der Stadt zu beachten, dass sie Staub und Salz trotzen und Vögeln Unterschlupf bieten sollte.

Kleine Flächen stellen eine besonders große Herausforderung dar. Doch mit der Wahl der richtigen Materialien und Akzente lassen sich auch die schön gestalten.
Kleine Flächen stellen eine besonders große Herausforderung dar. Doch mit der Wahl der richtigen Materialien und Akzente lassen sich auch die schön gestalten.
- Mandy Uhlemann

Zu guter Letzt wird der Garten noch gesichert – etwa in Form von Geländern. Wer nach all diesen Tipps neugierig geworden ist und die alten Tontöpfe gegen moderne Akzente austauschen möchte, sollte sich sputen: „Denn die optimale Zeit zur Gartengestaltung sind Frühjahr und Herbst. Solange es nicht friert, sind wir für alle Ideen zu haben.“

Mit dem TT-Magazin durch das Gartenjahr

Auf der Suche nach grünen Daumen: In den nächsten Monaten werden die Redakteurinnen Deborah Darnhofer und Judith Sam Tipps, Tricks und Einblicke rund um Garten und Balkon pflanzen. Demnächst (25. August): 25. Was vom Gärtnern übrig bleibt – der Erntereport mit Anleitung für die Verarbeitung