Letztes Update am Di, 19.09.2017 12:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bildband

Fesselnder Blick auf die vielen Gesichter Nepals

Nepal zieht Bergfreunde magisch an. Der Tiroler Arzt Dieter Höss hat fast fünf Jahrzehnte Nepalerfahrung in einen Bildband gepackt, Tipps für Trekkingtouren inklusive.

© Dieter HössBuddhistische Mönche erstellen in mühsamer Arbeit ein Mandala aus farbigem Sand.



Einen Strandurlaub hat Dieter Höss noch nie gemacht. Er lächelt milde, als dieses faulenzerische Stichwort fällt. Den Facharzt für Innere Medizin aus Thiersee zieht es in ganz andere Gefilde.

Zum ersten Mal bereiste er 1969 als Student den Himalaya-Staat Nepal: der Beginn einer Dauerbeziehung. Heute zählt Höss 69 Lenze, und er hat die Himalaya-Region Nepals auf Dutzenden Trekkingtouren durchwandert. Es ist dies eine vage Beschreibung für die körperliche Leistung, die einem Trekker abverlangt wird. Am Great Himalaya Trail, einem Hunderte Kilometer langen Wegnetz im Schatten der Bergriesen, geht es hinauf auf fast 6200 Meter. Um dorthin zu gelangen, sind bergsteigerisches Können, beste Kondition und Wagemut nötig. „Es gibt aber zig Routen, die auch jemand schafft, der in Tirol einen leichten Hausberg besteigt“, erzählt der Nepalexperte.

Rauch aus Feuerstellen durchdringt die Wohnhäuser.
- Dieter Höss

Genau hinsehen, das hat Höss wohl der Brotberuf gelehrt. Denn der Mediziner ist ein fotografisches Talent. Eine Auswahl seiner Bilder aus fünf Jahrzehnten Nepal hat er zu einem stimmungsvollen Bildband zusammengefügt. Landeskunde, Insiderwissen und ausgewählte Trekkingrouten ergänzen das Buch.

„Menschen und Landschaften am Great Himalaya Trail“ lautet dessen Untertitel. Und der ist gut gewählt. Denn natürlich dürfen die steinernen Giganten der Region, Everest, Annapurna und Konsorten, nicht fehlen. Doch Höss faszinieren die Bewohner Nepals noch viel mehr. Dutzende Völker leben hier friedlich Seite an Seite, in mehr als 120 Sprachen verständigen sie sich.

Neugieriger Kinderblick auf die Besucher.
- Dieter Höss

Die Porträts aus Hössʼ Kamera zeigen strahlende unbekümmerte Kinder, daneben vom Wetter gegerbte zerfurchte Gesichter. „Auf Höhen von 4000 Metern bauen die Nepalis Gerste an“, ist der schreibende Arzt beeindruckt. Unter schwierigsten Bedingungen wird Land bestellt. Die Armut ist kaum vorstellbar. „Betteln haben die Nepalis aber erst von den Touristen gelernt, die Almosen gaben, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen“, findet Höss kritische Worte.

Gebetsfahnen, allgegenwärtig in Tibet.
- Dieter Höss

Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Agenturen bieten Trekking an, für jede Geldtasche und jedes Können. Je nach „Luxus“ belaufen sich die Kosten auf 20 bis 60 Euro pro Tag, dazu kommt der Flug. „Eine Einsteigertour kommt in Summe auf unter 2000 Euro“, sagt Höss. Und: „Buchungen vor Ort in Nepal sind viel günstiger als bei uns.“ Mindestens drei Wochen Zeit sollte man sich nehmen: einige Tage für die Hauptstadt Kathmandu und deren Umgebung, zwei Wochen für das Trekking selbst.

Höss bedient sich einer Agentur in Kathmandu. Diese prüft die geplante Route auf Begehbarkeit, ehe sich der Tross aus Trekkinggästen, Guide und Trägern auf den Weg macht. Letztere schultern Kleidung, Nahrung und Zelte für mehrere Wochen. Manchmal kommen auch Tragtiere zum Einsatz.

Im Hause Höss geht es bald wieder ans Packen: Das nächste Nepal-Trekking naht. Dieter Höss wird wieder von seiner Frau Ina begleitet. Sie ist ebenfalls ganz verliebt in Nepal. „Gott sei Dank“, meint dazu der Gatte. Denn würde Ina einen Strandurlaub vorziehen, dann hätte Herr Höss ein echtes Problem. (Markus Schramek)