Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.10.2017


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Klettersteig Kufstein: Im Reich der Gamsen

Der Kufsteiner Klettersteig auf das Untere Gamskarköpfl im Kaiser ist nichts für Weicheier. Der Weg bis zum Einstieg ist weit, der Steig rassig. Ein Erlebnis ist die Tour allemal.

© RappDer Gipfel des Unteren Gamskarköpfls (1975m). Die Ausblicke auf das Inntal sowie das Alpenvorland sind phänomenal.



Von Irene Rapp

Ebbs – Nächstes Jahr feiert der Kufsteiner Klettersteig seinen 10. Geburtstag. Von der Alpenvereinssektion Kufstein errichtet, ist die Anlage jedoch weit entfernt von der Festungsstadt. Zunächst geht es durch das Kaisertal bis zum Anton-Karg-Haus (829 m), dann benötigt man zwei Stunden bis zum Einstieg des Kufsteiner Klettersteiges (1600 m). Noch einmal zwei Stunden ist man bis zum Gipfel des Unteren Gamskarköpfls (1975 m) unterwegs, danach folgt der Abstieg zurück zum Anton-Karg-Haus.

Wer diese Tour an einem Tag angehen will, muss daher viel Kondition mitbringen. Ansonsten bietet sich eine Übernachtung an – entweder im Anton-Karg-Haus, das noch bis einschließlich 7. Oktober geöffnet hat, bzw. im Hans-Berger-Haus, das vom Anton-Karg-Haus aus in 15 Minuten zu erreichen ist (936 m, geöffnet bis 15. Oktober; Übernachtungsplätze nur noch unter der Woche). Diese Tour bietet jedenfalls alles, was man sich wünschen kann: ein wunderschönes Tal mit den beeindruckenden Gipfeln des Wilden und Zahmen Kaisers, dazu ein äußerst anspruchsvoller Klettersteig sowie traumhafte Ausblicke.

Stationen der Tour: Zunächst zum Anton-Karg-Haus, dann durch den Klettersteig (im Bild unten der Kamin), dann durch das Gamskar zurück (Bild weiter unten).
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So kommt man hin: In Ebbs fährt man zum Kaisertal-Parkplatz, hier kann man das Auto stehen lassen (gebührenpflichtig, 2,50 Euro pro Tag). Zunächst geht es über die rund 280 Stufen hinauf zum Eingang des Kaisertales, hat man diese geschafft, marschiert man meist eben dahin bis fast ans Ende des Tales. Rund acht Kilometer sind bis zum Anton-Karg-Haus (829 m) zu bewältigen, man kommt an Gasthäusern und Bauernhöfen vorbei, Wegweiser zeigen die Richtung vor.

Beim Anton-Karg-Haus angelangt – das auch Hinterbärenbad genannt wird, weil es dort Bären gegeben haben soll –, wird man wohl eine Pause einlegen. Die Kuchenstücke, die man serviert bekommt, sind gewaltig – die Speisekarte liest sich wie in einem Top-Restaurant im „Tal“.

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Den Track für die Tour finden Sie unter http://go.tt.com/2yJcLou

Weiter geht es vor dem Gastgarten der Einkehr, ein Wegweiser führt zum Bettlersteig. Auf diesem wandert man zunächst wieder Richtung Westen talauswärts, es geht über Gräben und Stege sowie Brücken recht steil hinauf. Nach rund 45 Minuten gelangt man zu einer Wegteilung (Wegweiser), hier links auf den Güttlersteig und in nordöstlicher Richtung weiter.

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Es geht durch wunderschönen Mischwald immer wieder recht steil bergauf, man hält sich an die Markierungen und kommt der Wand langsam immer näher. Nach einer Stelle mit Bankerl und tollem Ausblick auf das Tal erreicht man eine kleine Felswand, gleich danach kommt man in eine Schotterreis’n (Kühkarl). Nach wenigen Metern links hinauf (Wegweiser), dann bei einer schiefen Föhre auf einem kleinen Steig hinab zum Einstieg des Klettersteiges.

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Der Kufsteiner Klettersteig wurde 2008 errichtet, er zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass kaum Trittbügel zu finden sind. Sprich, man klettert meist wirklich im Fels dahin und nur an den ganz ausgesetzten Stellen bieten die angebrachten Stahlkonstruktionen Hilfestellung.

Ein Topo des Steiges befindet sich übrigens auf einer Infotafel vor dem Anton-Karg-Haus, ansonsten findet man dieses auch auf der bergsteigen.com-Homepage (http://www.bergsteigen.com/klettersteig/tirol/kaiser-gebirge/kufsteiner-klettersteig).

Unterschätzen darf man den Kufsteiner Klettersteig jedoch nicht: Er fängt zwar harmlos an, bald kommt man jedoch zu der ersten D-Stelle – nicht umsonst heißt dieses Stück „Schwarze Wand“. Ansonsten gibt es einen Kamin ebenso wie besonders „luftige“ Stellen, nicht zu vergessen die schönen Ausblicke auf das Stripsenjochhaus und Alpenvorland. Am vergangenen Samstag sind wir den Klettersteig bei schönstem Wetter geklettert, nur an einer einzigen Stelle gab es einen kleinen Schneefleck von der letzten Schlechtwetter-Front.

Nach rund zwei Stunden hat man dann den Gipfel des Unteren Gamskarköpfls erreicht: Rund 375 Höhenmeter waren im Klettersteig zu bewältigen, da die Anlage nordseitig ausgerichtet ist, gab es kaum Sonne. Das Gipfelkreuz des Gamskarköpfls ist mit einem geschnitzten Herrgott einmal etwas anderes, die Ausblicke vor allem ins Alpenvorland sind traumhaft.

Weiter geht es in südöstlicher Richtung: Einige Meter seilversichert hinab, dann gelangt man auf ein markiertes Steiglein – den Güttlersteig –, das in das Gamskar führt. Hier ist Trittsicherheit erforderlich, an einigen Stellen ist es schottrig und steil, an sensiblen Stellen sind Trittbügel angebracht. Bei einer Wegteilung hält man sich talwärts.

Beim breiten Gamskar angelangt, sollte man sich nicht von den Steigspuren im Kar verwirren lassen, man hält sich an den markierten Güttlersteig, der rechts unter der Felswand dahinführt. In leichtem Auf und Ab geht es das Kar hinaus, man umrundet sozusagen das Gamskarköpfl und dass der Name berechtigt ist, zeigten am Samstag die zahlreichen Gämsen, die sich hier aufhielten.

Nach rund 45 Minuten hat man dann wieder die Abzweigung im Kühkarl erreicht, von wo aus es zum Klettersteig-Einstieg geht. Ab hier auf dem bekannten Aufstiegsweg wieder hinab zum Anton-Karg-Haus.

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